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Der Israelit · 1891-11-26 · Heft 92 (26.11.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 92 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1727 recht im Zuge ist. Die Berathung hatte hauptsächlich den Zweck schlüssig zu werden, wie und in welcher Weise die cingelaufenen und noch zu gewärtigenden Beträge dem wahrhaft jüdischen Wege am besten entsprechend, verwendet werden können. Wie der Preßburger Oberrabbiner im Laufe der Berathung sehr richtig bemerkte, wäre wohl für die dwt die Kolonisation nach Palästina am meisten erwünscht, dies könnte jedoch nur dann in Angriff genommen werden, wenn hiezu die Geldmittel in ausgiebigerem Maße zur Verfügung stehen. Hauptsächlich mit Rücksicht auf diesen Umstand wurde beschlossen, daß die Comitsmitglieder OberrabbinerLipschitz (Abaujszüntv) u. Isidor U l l m a n n (Großwardein) in den allernächsten Tagen nach Berlin, Hamburg, Amsterdam rc. reisen mit den competenten Kreisen daselbst in Berührung treten und berathen, wie die Colonisation nach Palästina in Angriff genommen werden könnte, in der Weise, daß hieraus für die daselbst stabil Wohnenden und für die, ohnedies über sehr bescheidene Geldmittel verfügenden , keine Kalamitäten entstehen sollen. Dr. Veßi. Rumänien. Dr. C. Bukarest. In Ihrer Nr. 88 habe ich in der zweiten Korrespondenz „Rom" mit Erstaunen gelesen, daß es in Rumänien einen israel. General Nobescu gäbe, der Sekretär des Königs sei. Bei unseren allbekannten Zuständen ist eine solche Information sehr sonderbar. Einen Major (Neumann) haben wir allerdings, aber nur beider Jndendantur der Armee und weil er, seit etwa 30 Jahren vor der Pike dienend, von der alten Aera in die neue herübergenommen worden. Sonst giebt es nur einige isr. Reserve-Lieutenats; Generale aber wird es wohl noch nach vielen Jahren nicht geben. Rußland. Der Londoner Korrespondent der „Newyork Times" Herr Harold Frederic, dessen Feder wir bekanntlich auch eine Schilderung der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. verdanken, hat im vorigen Sommer eine Reise durch Rußland gemacht, um insbesondere die Lage der dortigen Juden kennen zu lernen. Er Hat aber noch andere Beobachtungen gemacht, welche in weiteren Kreisen Interesse erregen dürften. Mit der Verfolgung der Juden, sagt Herr Frederic, hat man nur angefangen, die Deutschen kommen demnächst an die Reihe. Die Reaktion macht sich auf allen Gebieten bemerkbar. Die jüngeren Russen lernen nicht mehr, wie ihre Väter, fremde Sprachen und deshalb besteht ihre Hauptlektüre fast nur aus Uebersetzungen von Romanen Zolas und anderer stanzöfischer Schriftsteller. Den russischen Offizieren fehlt jede „moralische Disziplin". In voller Uniform erscheinen sie öffentlich in Begleitung von Cocotten. Dabei glauben die Russen, daß sie ohne Hilfe der Fremden Alles selbst leiten können. Scharfe Angriffe richtet der amerikanische Journalist gegen die Vertreter der Vereinigten Staaten in Petersburg und Odessa. Der Gesandtschaftssekretär Wurltz und der Generalkonsul Crawford hätten ihre Stellung dadurch zu verbessern gesucht, daß sie einen antisemitische» Ton anschlugen und die armen Verfolgten schlecht machten. Der Ver. Staaten-Konsul in Odessa, Dr. Heenau, habe in der Washington „Post" vom 25. Juli behauptet, daß gar keine russischen Juden ausgewiesen worden seien, sondern nur ausländische, während doch feststehe, daß aus Moskau allein 12,000 russische Juden vertrieben worden find. Herr Arnold White, der viel genannte Vertreter des Baron Hirsch, ist, wie Herr Harold Frederic behauptet, von dem Beamten des Heil. Synod gräulich angelogen worden. So habe man die Grausamkeiten in Moskau dem „früheren" Polizeichef Jurkowski in die Schuhe geschoben — dieser Jurkowski, ein kofaktfcher Abenteurer, sei aber seit 5 Jahren Polizeimeister von Moskau und sei es noch. „Nur ein Kind oder ein russischer Beamter, meint der Amerikaner, kann eine solche Lüge, wie diese, vorzubringen wagen." -£» Vermischtes. < Grätz (Posen). Am 10. d. Mts. wurde das von Herrn Rudolf Di 0 s s e in Berlin zum Andenken an seinen Vater, der 30 Jahre hier als Arzt gewirkt hatte, gestiftete Krankenhaus cingeweiht. An dem Festessen nahmen auch die städtischen Behörden theil. Herr Rabbiner Dr. Friedmann brachte den Toast auf den anwesenden Stifter aus, der pietätsvoll den 10. November, den Todestag seines Vaters, zur Einweihung und Eröffnung des Krankenhauses angesetzt hatte. Oppeln, 7. Novemder. Gestern fand die feierliche Einweihung des von Commerzienrath Giesel Hierselbst dem hiesigen vaterländischen Frauen-Zweigverein übereigneten Waisennnd Siechenhauses statt. Das Stift soll Waisen evangelischer Confession und jüdischer Religion aus Stadt und Kreis Oppeln aufnehmen. Dieses hochherzige Beispiel ist unseres Wissens der erste Fall, daß von einem nichtjüdischen Wohlthäter auch unsere Confession bedacht wird, und verdient deshalb, mit aufrichtigstem Danke verzeichnet zu werden. (Uns sind eine große Reihe von Nichtjuden bekannt, die jüdische Wohlthätigkeitsanstalten bedacht haben. Red. d. Isr.) Der Kassen-Verwaltungs-Bericht des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungs-Vereins zu K a t t 0 w i tz für das Geschäftsjahr 1890/91 weist eine Einnahme von 7458 Mk. und eine Ausgabe von 2748 Mk. aus.

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