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Der Israelit · 1891-11-26 · Heft 92 (26.11.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 92 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1728 In Bielefeld erließ eine Anzahl christlicher Bürger einen entschiedenen Protest gegen das neuerliche Hineintragen der antisemitischen Bewegung in die Kreise der dortigen Bürgerschaft. Freiburg, 21. November. Die hiesige „Freib. Zeitung" gehört ihrer eignen Angabe nach zu der seltsam bekannten Spezies der „unparteiischen Organe für alle Stände." Diese Unparteilichkeit illustrirt dieselbe z. B. wieder durch eine Korrespondenz „Aus dem Amt Müllheim" in der Nummer vom Freitag, 20. Nov., nnd eine Brieskastennotitz in der Donnerstagsnummer, in welchen frisch-fröhlicher Antisemitismns getrieben wird. Das verdient vielleicht desßhalb bemerkt zu werden, weil das „unparteiische Organ für alle Stände" auch zugleich „Amtliches Verkündigungsblatt für den Amts¬ und Amtsgerichtsbezirk Freiburg" ist. Zum Rabbiner in Brüx wurde Hr. Dr. Adolf Brach, bisher RabbinatSverweser in Pilsen, erwählt. — Der bekannte Begründer der jndenchristlichen Sekte in Südrußland, R. R a b b i n o w i t s ch, treibt, wie berichtet wird, zur Zeit sein Missionswesen in Budapest. 9lcutvar 1. November. Heute wurde hier die neugegründete jüdische Volksküche in Anwesenheit der Comitömitglieder und zahlreicher geladener Gäste feierlich eröffnet. Die Spenden für diese jüdisch-humanitäre Anstalt fließen schon reichlich ein. Prag. Durch die ungewöhnliche, seit mehr als dreißig Jahren stets wiederkehrende und sich steigernde Unterstützung seitens edler Wohlthäter war es dem Freitisch-Verein im Schuljahr 1890/01 ermöglicht, an 188 Kostnehmer 40790 Kostportionen zu verabreichen, wodurch die Zahl der seit Gründung des Vereins verabfolgten Kostportionen auf 512.907, also auf mehr als eine halbe Million mit einem Kostenaufwande von 82.476 fl. gestiegen ist. Solche Erfolge sind wenigen Vereinen beschieden und sie sind auch nur möglich geworden, weit die Zahl der Mitglieder auf 153 gründende und 2104 beitragende zusammen 2257, die Höhe der Mitgliederbeiträge auf 5275 fl., die Höhe der Spenden auf 1677 fl. 67 kr. und Fondsspenden per 1800 fl. nom., die Höhe der Interessen auf 1690 fl. 70. kr. gestiegen und das Fondsvermögen auf 34250 fl. angewachsen ist. Warschau im Nov. Im Forsthaus Osowice, Gouvernement Grodno, wurde, der „Voss. Z." zufolge, der reiche Holzhündler S. Apfelbaum mit seiner Familie, im ganzen zwölf Personen, darunter vier Männer und zwei Frauen, nachts von Räubern überfallen, durch Axthiebe grausam ermordet. Nach Mitnahme einer bedeutenden Geldsumme steckten die Raubmörder das Forsthaus in Brand. Die Gendarmerie hat sechs des Mordes verdächtige Individuen verhaftet; die ganze Bande soll aus mindestens zwanzig Personen bestanden haben. Ob Jude? Für israelitische Geschäftsleute, welche nach Rußland zu reisen pflegen, ist die Mittheilung von Wichtikeit, daß die russischen Konsulate in Deutschland allerdings angewiesen sind, nur an Großhandelssirmeninhaber, welche mindestens ein Einkommen von 5000 Mk. haben, daS Visum auf den Pässen zu ertheilen, cs aber den übrigen jüdischen Kanfleuten zu versagen. Der Herzog von V all o mb rosa in Paris beantragte die Entmündigung seines Sohnes, des Marquis de Mores, welcher sich als Antisemit nnd Arbeiterführer versucht hat. Carpentras, 3. November. Zur hundertjährigen Feier der Vereinigung der Grafschaft Venaissin mit Frankreich haben Feste in Carpentras stattgefunden, an welchen .Herr Constans, der Minister des Innern, theilnahm. Der Minister hat den ersten Stein zu einem Rathhans gelegt, welches auf der Stelle des alten Ghetto gebaut werden soll. Bei dieser Gelegenheit hat Herr Michel, Abgeordneter und Bürgermeister von Carpentras, eine Ansprache gehalten, der wir Folgendes entnehmen : „Auf diesem Theil unseres Geburtslandes, wo wir in diesem Augenblick vereinigt sind, machte sich besonders das Bedürfniß nach Freiheit fühlbar; grade auf diesem Platze, wo Tausende von Personen sich heute nach Belieben bequem bewegen und athmen können, befand sich die verpestete und ungesunde Schlammgrube, in welcher ein strenges Ausnahmegesetz die zahlreiche israelitische Bevölkerung zusammeugehäuft und eingepfrecht hatte, losgetrennt von den übrigen Mitmenschen. Eine der letzten Thaten der Volksvertretung der Grafschaft bestand darin, die erniedrigenden Zeichen abznschaffen, welche die israelitische Bekleidung befleckten. Sie durften endlich das Leben der Andern führen, zu Pferd in die Stadt einziehen, Herren ihrer Bewegung sein, wie ihre Mitbürger. Diese Menschen, denen man nichts vorwerfen konnte, als ihre Anhänglichkeit an Glaubenssätze, welche von denjenigen der Mehrheit der Bevölkerung abweichen. Unsere Väter haben die Israeliten in alle ihre Menschenrechte wieder eingesetzt; unserer Generation blieb es Vorbehalten, die Spuren der ehemaligen Knechtschaft gänzlich zu vernichten. In der That, grade auf der Stelle, wo die Parias unserer Gesetze, nach dem Völkerrecht unsre Brüder, ungerecht litten, stehen Sie, Herr Minister, im Begriff, den Grundstein zum künftigen Gemeindehanse zu legen." London, 6. November. Der vorige Woche verstorbene Prinz Lucien Bonaparte war hervorragender Linguist und interessirte sich auch lebhaft für die hebräische Sprache. Da er als Spezialstndium die phonetische Bedeutung der in den verschiedenen Sprachen vorkommcndcn Buchstaben erwählt hatte, nahm er zu wiederholten Malen Anlaß, sich beim Chief Rabbi über die Aussprache der verwandten Töne des hebräischen Alphabets zu informiern. Ganz besonders interessirte ihn auch der Unterschied der Aussprache bei den scphardischen, aschkenasischen nnd orientalischen Juden. In Pozarevatz (Serbien) hat die Stadtgemeinde einen weiblichen Arzt Dr. Anna Epstein aus Rußland, als Stadtarzt angestellt. Briefkasten der Expedition. Zablotower Abonnent. Ein gutes Enthaarungsmittel ist durch die Löwen-Apotheke in Fulda, Inhaber: Dr. G. L. Hübner, zu beziehen. Dasselbe ist unseres Wissens für die Gesichtshaut nicht schädlich. Für den folgenden Theil ist die Ncdactioil nicht verantwortlich.

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