Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1891)
- Date
- 1891-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1726 auf die biblische, sondern anch auf rabbinische Litteratur ausdehnen wird. So wünschen wir dem Werke einen guten Erfolg, den es gewiß haben wird, wenn die Punkte des Circulars die stete Richtschnur für die Ausführung bleiben werden. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin. Gymnasial-Oberlehrer Dr. S. Herrlich schreibt an die „Nationalzeitung" : „In der Sitzung des Reichstages vom 17. d. M. hat, nach dem Bericht der „Nat.-Ztg.", der Abg. Liebermanu von Sonnenberg u. A. behauptet, „daß die Inden auch schon im alten römischen Reich Wucherer gewesen sind." Nur wegen des Orts, an dem diese in der Antisemitenpreffe öfters anftretcnde Behauptung erfolgt ist, erlaube ich mir, darauf hinzu, weisen, daß sich unter den ziemlich zahlreichen Stellen römischer und griechischer Schriftsteller, welche sich auf die Juden beziehen, meines Wissens anch nicht eine einzige befindet, in der gegen die Juden der Vorwurf des Wuchers erhoben wird. Menschenhaß, Aberglaube und gleichzeitig — vom heidnischen Standpunkt aus — Unglaube, Proselytenmacherei und Anderes wird den Juden bei Horaz, Plinius, Seneka, Quintilian, Tacitus, Juvenal vorgeworfen, vom Wucher ist durchaus nicht die Rede. Und doch ist ja jedem Geschichtsknndigen bekannt, in wie entsetzlicher Weise im Römerreiche der Wucher betrieben wurde und zwar von Mitgliedern der beiden vornehmsten Stände, den Senatoren und den Rittern. Falls daher der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg für seine Behauptung keine mir bisher unbekannt gebliebene Beweisstelle eines antiken Autors anführen kann, so erscheint dieselbe als thatsächlich unbegründet und unwahr." Aus Breslau wird gemeldet, daß auf dem konservativen Parteitage Schlesiens, der besonders vom Landadel besucht ist, der Abgeordnete von Jtzenplitz den Antrag des Freiherrn v. Richthofen, betreffend die Aufhebung der Juden- Emanzipation unterstützte. Der Antrag Nichthofen hat nach der „Schles. Morgenzeitung" folgenden Wortlaut: . „Die Konservativen Schlesiens erweitern ihr Programm dahin, daß dieselben mit allen gesetzlichen Mitteln den Kampf gegen das übermächtige Judenthum aufnehmen und von ihren Abgeordneten erwarten, dieselben werden dahin wirken, daß die Emanzipation der Juden aufgehoben und dieselben unter ein Fremdengesetz gestellt werden, daß ferner von staatswegen eine Untersuchung resp. eine lieber« setzung des Talmuds vorgenommen werde, um daraus zu entnehmen, ob ein Volk mit einer Morallehre, wie sie in der seiner Zeit erfolgten Uebersetzung des Talmuds durch den Professor Rohling tu Prag sich darstellt, überhaupt in unserem Staate ferner geduldet werden kann." (Der Antragsteller und mit ihm der Abg. von Jtzenplitz haben wohl die Schrifteu von Delitzsch und Kopp, in welchem Rohlings Lügen und Fälschungen über den Talmud schon laugst widerlegt und erwiesen find, nicht gelesen, sonst hätten sie wohl diesen ungeheuerlichen Antrag nicht gestellt. Red.) Breslau,' 24. November. Der konservative Parteitag in Schlesien, auf dem die Agrarier in der christlich-sozialen Maske auftraten, hat den bereits erwähnten Antrag auf Aufhebung der Judenemanzipation durch folgenden Besckluß erledigt: „Der immer mehr auch über Freislim und Sozialdemokratie hinaus wachsende jüdische Einfluß mahne im besonderen die konservative Partei Schlesiens, aber anch alle deutschen Männer, mit aller Kraft nnd allen gesetzlichen Mitteln den Kampf gegen den unser christliches Volk schädigenden jüdischen Geist mtd die jüdische Uebermacht ausznnehmcn. Demzufolge beschließt die Deligirtenversammlung, die Parteileitung der dentschkonservativen Partei zn ersuchen, das Programm der Dentschkonscrvativcn vom 12. Juli 1876 so zu erweitern, daß es ans die gegenwärtig hervortretenden Bedürfnisse der inneren plitischen Lage näher eingeht nnd insbesondere anch zn der brennenden Indenfrage Stellung nimmt." Trier, 18. Nov. Das Borgehen gegen die Wahl eines jüdischen Krankenkaffen-Arztes seitens der katholischen Geistlichkeit und der katholischen Stadtverordneten läßt cs interessant erscheinen, einen Vergleich mit den Verhältnissen anderwärts zu ziehen. In Bonn, daß zu 7/i0 katholisch ist, wurde s. Z. auch von der Ortskrankenkasse ein kath. und ein jüdischer Arzt gewählt: es ist niemandem eingefallen, gegen diese Wahl zu agitiren, und beide Theile sind zufrieden. Weshalb vermag ein Vorkommniß, das zu Bonn anstandslos hingenommen wurde, in Trier solchen Staub aufzuwirbeln? Oeste rjr. -Ungar. Monarchie. Budapest. Das hierländische jüdisch-orthodoxe Hilfskomits zur Unterstützung unserer russischen Glaubensbrüder wurde durch Sr. Ehrwürden den Preßburger O b er r ab bin er für den 17. und 18. d. Mts. zu einer Plenarversammlung nach Budapest einberufen. Herr Oberrabbiner Schreiber unterbreitete bei dieser Gelegenheit seinen Bericht über das bisherige Resultat der Sammlung. Es war dies jedoch nicht der eigentliche Zweck der Zusammenkunft, zumal die Spendensammlung Hierlands noch nicht abgeschlossen und in den meisten und bedeutenderen orthodoxen Gemeinden erst jetzt