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Der Israelit · 1891-11-26 · Heft 92 (26.11.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 92 (26.11.1891)
Date
1891-11-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1724 Schönheit, seines sprudelnden Witzes, seines weltmännischen Betragens. Arm, wie er war, suchte er seinen Unterhalt durch Musikunterricht — denn er war Meister in diesem Fach — zu bestreiten, und er fand solchen auch reichlich. Damals war es auch, als er in das Haus des Kommerzienraths eingeführt wurde, um der hübschen siebzehnjährigen Klara Musikstunden zu ertheilen. Sein feuriger Geist wurde durch die Reize seiner Schülerin gefangen genommen, und diese benahm sich ihm gegenüber so, daß er der Liebe von ihrer Seite völlig gewiß zu sein glaubte. Jetzt wußte er freilich, daß er nur ein Spielball in den Händen einer Kokette gewesen war. Vielleicht hätte er Milderungsgründe für ihre Handlungsweise gelten lassen, wenn er geahnt hätte, daß der junge Lieutenant, Freiherr von Wendelstein eben heute um ihre Hand angehalteu hatte, um mit dem Gelde ihres Papas seine etwas herabgekommenen Finanzen zu renoviren. Allein, das wußte er ja nicht. Und wie hatte er sie geliebt, und was hatte er für sie geopfert! — Willig hatte er das Gist der Lehre des Herrn Kommerzienraths in sich ausgenommen, es hatte ihm eingelcuchtet, daß die „starre vernunftlose Orthodoxie" für unser aufgeklärtes Jahrhundert nicht mehr passe, daß es endlich Zeit sei, das Judenthum von seinen „verrotteten, veralteten Institutionen" zu befreien, daß man endlich einmal mit dem christlichen Bruder aus einer Schüssel essen müsse, und dergleichen Irrlehren mehr. Auch jetzt noch war er fest von diesen Irrlehren überzeugt, nur haßte er sie, weil sie ihm die Liebe seiner Eltern, die noch treu und wahr an ihrem Glauben hingen und ihren Sohn auch in diesem Sinne erzogen hatten, entziehen rnußten, sobald sie von seiner religiösen Wandlung Kenntniß erhielten. Und all' das opferte er ihr zu Liebe, um sie zu verdienen, weil er ja wußte, daß sie nie einem von ihr verachteten „Orthodoxen" angehören würde. Und jetzt sah er sich so verhöhnt, verachtet, verspottet, zurückgestoßen, er, der doch so fest an sie geglaubt, der mit allen Fasern seines feurigen Herzens an ihr gehangen hatte. O, wie ihn das kränkte, wie das seinen Stolz verwundete! O, wie diesem furchtbaren Leid entfliehen, wie dem rasenden Schmerz, der sein Herz zusammenkrampfte, entgehen! Ja es giebt noch ein Mittel, „der Tod." Fester und fester wurde bei ihm der'Entschluß zu sterben und in demselben Maße wurde tv ruhiger. Längst bedeckten schon die Sterne das Himmelszelt, als Adolf Lilienfeld sich aufrichtete und seiner Behausung zueilte.Dort angekommen warf er sich auf's Sopha, um die Ausführung seines entsetzlichen Vorhabens zu überdenken. Früh morgens als die goldene Sonne über der Kaiserstadt aufging, da beschien sie einen bleichen unglücklichen Menschen, der vor Kummer und Schmerz medergebeugt, die Nacht wachend verbracht hatte. Aus dem starren Hinbrüten, in das er die ganze Nacht versunken gewesen war, wurde er erst aufgeschreckt durch wiederholtes Pochen an seiner Thüre. Auf seine Aufforderung einzutreten, erschien seine Zimmerfrau mit einem Briefe, den sie schon gestern für ihn erhalten hätte. Mechanisch öffnete er den Verschluß, fuhr aber betroffen zurück, als er kaum öie_ ersten Zeilen gelesen hatte. „Vater todt, Mutter schwer krank," flimmerte es vor seinen Augen, „komme, wenn Du zum letzten Male ihren Segen empfangen willst." Jetzt galt cs keine Zeit zu verlieren, er mußte fort zu der todtkranken Mutter, die er so innig, so unaussprechlich liebte. _(Fortsetzung folgt.)_ .JSraelit" imb„Jeschurrm* erscheintwöchentlich zweimal,Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens L Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland IS Reichs-Mar?. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Leu KuchhunLet pt bestehe» bei S. F. Strtnacker, Leipzig, Uoßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang fiir Deutschland mk Ocherreich 14 SkichS-Mark ofetc » fl. österr.« fär*8 Ausland 1« Reichs-Mark, «* die »r-ckiti—, fwwto ctBytfrnfcm. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das deutsche Centralcomitä und die Delegirten-Versammlung.' Von Isaak Hirsch.-Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Trier. Fürth. Straßburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Amerika: New-Jork. — Vermischtes. — Feuilleton: Menascheh. Novelle von N. Lebermann, stud. phil. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Eine allgemeine Encyklopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthnms. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. -- Oesterr.-Ungar.'-. Monarchie) > Budapest. — Rumänien: Bukarest. — Rußland. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu: Deutschland: Darmstadt. Breslau. Karlsruhe. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Nedacrion: OscarLehmann in Mainz. — Expeditton des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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