Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1891)
- Date
- 1891-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1722 verstorbenen Sohn Karl eine „Karl Beer-Stiftung" zu begründen. Die Zinsen aus diesem Kapitale sollen an 3 bedürftige und talentvolle Jünglinge jährlich vertheilt werden und zwar soll der Genuß eines solchen Stipendiums höchstens drei Jahre hindurch erfolgen. Berechtigt sollen sein Söhne von Eltern, die in Rheinland-Westfalen, speciell in der Stadt Essen, wohnen und zwar ohne Unterschied der Konfession. Bevorzugt sollen solche junge Leute werden, die nach beendeter Lehrzeit zu ihrer weiteren Ausbildung noch eine Kunstschule besuchen wollen, wie z. B. die Kunstschule in Iserlohn, eine Hütten- oder Bergschule, ein Technikum, eine Landwirthschaftsschule rc. Die Verwaltung wird durch ein Kuratorium geschehen, bestehend aus dem Oberbürgermeister der Stadt oder dessen Stellvertreter, aus dem Stifter, oder dessen Schwiegersohn, bezw. Sohn, und 3 Bürgern der Stadt. Der Herr Oberbürgermeister erklärte, daß er die Schenkung dankbar annehmen werde, wenn auch zu bedauern wäre, daß die Veranlassung für dHn Stifter eine überaus traurige sei. Die Herren Stadtverordneten ermächtigten den Herrn Oberbürgermeister die Allerhöchste Genehmigung für die Stiftung nachzusuchen. Durch Erheben von den Sitzen dankte das Kollegium dem hochherzigen Geber. Budapest, im November. Abgeordneter Moritz Wahrmann ist zum Präsidenten der Budapester Handelskammer gewählt worben. Odesta. Das hier erscheinende Journal „Odeski Listok" schreibt: „Während der jüngsten Feiertage wurde in allen jüdischen Synagogen Hierselbst eine Kollekte zu Gunsten der von der Hungcrsnoth heimgesuchten Bauern veranstaltet, welche nahezu 2000 Rubel aufbrachtc. Das Resultat der öffentlichen, zu demselben Zwecke abgchaltenen Collekte war ein unerhebliches, da die Russen in der Regel nicht wohlthätig sind. Die größten Beitrage wurden nach Ausweis der Subscriptionslisten auch hier von den Juden geleistet. -e Werrlschey. S- Novelle von N. Lebermaun, stud. phii. In den Salons des reichen Kommerzienraths Steinberg in Wien war heute eine kleine, aber auserlesene Gesellschaft versammelt, um den 19. Geburtstag der einzigen Tochter des Hauses, Klara, zu feiern. Unter heiteren Gesprächen und Scherzen, begeisterten Toasten auf das Wohl des „Geburtstagskindes" und deren Eltern war der Nachmittag verbracht worden. Alle Welt bewunderte die Schönheit und den Geist der jungen Klara, und namentlich die anwesende männliche Jugend wetteiferte darin, der Gefeierten auf jede Weise zu huldigen, was diese mit der Miene einer Königin als etwas Selbstverständliches hinnahm. Nur hinten an der Ecke saß ein schlanker, blasser Jüngling mit ausdrucksvollen Augen, der an der Freude der Gesellschaft keinen Antheil zu nehmen schien und finster auf die Gruppe schaute, die sich um Klara gebildet hatte. „Lassen," mnrmelte er zwischen den Zähnen, „ich begreife nicht, wie Klara diesen nichtssagenden Schmeichelworten Geschmack abgewinnen kann". Aber erröthend wandte er das Haupt, als sich eine Hand auf seine Schulter legte, und er schaute in das lachende Gesicht des Kommerzienraths. „Aber, mein lieber Freund, warum denn so finster, während alles heiter ist? Seien Sie doch fröhlich mit den Fröhlichen, und ertränken Sie Ihre trübe Gedanken im Wein." Und seinen Arm in den des jungen Mannes schiebend, schickte er sich an, mit jenem zum Buffet zu eilen, blickte aber erstaunt auf, als der Jüngling keine Miene machte, den Platz zu verlassen. „Herr Lilienfeld, wollen Sie nicht mir, Ihrem väterlichen Freund, Ihren Kummer anvertrauend Sie wissen, ich habe Sie schon einmal von einer Krankheit befreit, vielleicht bin ich wieder im Stande Ihr seelischer Arzt zu sein." „Krankheit", lachte der junge Mann bitter, „ja, wenn Sie die Liebe einer zärtlichen Mutter, eines treuen Vaters, die Anhänglichkeit eines Jugendfreundes und —, wenn Sie das eine Krankheit nennen, allerdings davon haben Sie mich dann befreit. Doch verzeihen Sie." fuhr er fort, als er den erstaunten Blick des Kommerzienraths wahrnahm, „es ist ja richtig, daß Sie mich der Treue zu unseren heiligen Gesetzen entrissen haben, daß Sie mich von dem unnützen lächerlichen Ballast von veralteten Gebräuchen, wie Sie es nannten, befreiten, aber wie kann ich jetzt meinen treuen Eltern unter die Augen treten, wie kann ich auf ihre Liebe Anspruch erheben! Fluchen würde mir der greise Vater, erführe er meinen Lebenswandel, fortstoßen würde er mich und mein Bild aus seinem Herzen reißen." Der Kommerzicnrath hatte ihn während dieses Gesprächs starr angeschaut und schien sich von seiner Verwunderung gar nicht erholen zu können. „Also Vorwürfe verdiente ich," brauste er jetzt auf, „Vorwürfe, mir Ihrem Wohlthäter, der Ihre Seele dem Dunkel des Aberglaubens entriß und der Vernunft zurückgab. Gehen Sie doch nach Hause, und lassen Sie sich von der Mutter am Gängelbande führen, lassen Sie sich von Ihrem Vater vorschreiben, was Sie denken, was Sie glauben und verwerfen sollen. Ja, ich sehe es, ich habe meine Lehren an einen Unwürdigen verschwendet, an einen Undankbaren" — „Herr Kommerzicnrath", unterbrach derJüng-