Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1891)
- Date
- 1891-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1-19 glücklichen „gesperrt" werde, und namentlich an denjenigen Punkten, welche noch nicht genügend geschützt sind, eigene private jüdische Sperr-Büreaus zu errichten, „um die Grenze zu sichern!" Und dieses Alles als Einleitung und im Namen des jüdischen Liebeswerk's! (Fortsetzung folgt.) Anmerkung der Redaktion. Wir müssen sagen, daß wir nicht in allen Punkten mit dem geehrten Herrn Mitarbeiter übereinstimmen, wir halten es jedoch für unsere Pflicht, die von einer echt jüdischen Gesinnung eingegebenen und von edelster Begeisterung getragenen Worte des Herrn Verfassers, die so viel Beherzigenswertes enthalten, unseren Lesern mitzuthetlen. Es wäre uns sehr erwünscht, wenn uns auch von anderer Seite Urtheile über die jetzt offenliegende Wirksamkeit des Central-ComiteS zugehen würden. Zeitungsnachrichten nud Correspoudenzeu. Deutschland. Fürth, 10 November. Die hiesige Stadt gehört zu jenen, in welchen das Verhältniß der Israeliten zu ihren christlichen Mitbürgern selbst in der Hochflut des Antisemitismus ein durchaus friedliches geblieben ist. Um so mehr ist man empört über das Treiben des Redacteurs des „Freien Beobachter" und „Begründers des süddeutschen antisemitischen Volksbund", Johann Adam Weber hier. Was von unserer „Zierde des Antisemitismus" zu halten ist, erhellt aus der Sitzung des hies. Magistrats vom 29. Oktober er., in welcher die Ausweisung W.'s behandelt wird. Der Referent Herr Rechtsrath Kaufmann, äußerte: Weber ist vom oberfränkischen Schwurgericht zu 2 Monaten Gefängniß wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit verurteilt und seine Revision verworfen worden. Diese Bestrafung bietet die Handhabe zur Ausweisung. W. ist 28 mal vorbestraft, darunter 3 mal wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit, 1 mal wegen Vergehens gegen die Religion und 1 mal wegen Betrugs. W. ist Herausgeber einer Zkitschrift, die in jeder Nummer den Klaffcnhaß gegen einen hochachtbaren Theil der Bevölkerung in dämonischer Weise predigt und hiezu unbedeutende Familieneretgnisse in aufgebauschter Weise benützt. StraßLurg im November. Unter dem Titel „Israel in den Reichslanden". findet sich in Nr. 26 der Beilage zur Zeitung „Das Volk" vom 10. November 1891 ein Artikel, in welchem 1) über die auf verschiedenen Gebieten sich zeigende „Verjudung" von Elsaß-Lothringen und 2) über die politischliberale Gesinnung der meisten reichsländischen Beamten und über den kirchlich-liberalen GeO der' elsässischen Geistlichkeit laute Klage geführt und dem gegenüber 3) gefordert wird, daß die Christlich- Deutsch-Sozialen nicht länger mehr zaudern möchten, „die antisemitische Agitation in unser Reichsland zu tragen." „Es ist die höchste Zeit", ruft der Verfasser aus, „daß die Macht der Juden und ihrer Genossen dort gebrochen und endlich Elsaß-Lothringen auch wirklich deutsch wird. Nur ein einziger Vortrag in den größeren Städten würde zahlreiche Gesinnungsgenossen zu muthigem Kampfe gegen das internationale Judenthum erwecken." An und für sich verdient der Artikel freilich kaum eine Erwähnung und Widerlegung; denn er verräth eine solche Unkenntniß von Land und Leuten, von Verhältnissen und Vorgängen, daß man es für unmöglich halten müßte, wenn er es nicht ausdrücklich versicherte, daß der Verfasser dieses Artikels „über 16 Jahre in den Reichslanden gelebt habe." Manches in demselben ist für den Kenner der hiesigen Menschen und ihrer Beziehungen zu einander und zu den politischen Eretgniffen der jüngsten Vergangenheit von geradezu unwiderstehlicher Komik; so wenn die Aufstellung „unseres alten Moltke bet den Septennatswahlen" den „wenigen conservativen Deutschen" zu gut geschrieben wird, während hier männiglich bekannt ist, daß diese Aufstellung Moltkes, die übrigens nicht bei den Septennatswahlen, sondern erst einige Monaten später anläßlich einer Nachwahl stattfand, wesentlich das Werk von liberalen und „judenfreundlichen" Männern gewesen ist, die sich dafür wie üble Revolutionäre mußten ansehen und behandeln lassen; mit dem Gegensatz von conservativ und liberal aber hatte die ganze Angelegenheit schlechterdings nichts zu thnn. Und ebenso komisch wirken die Ausführungen darüber, daß „die Kaiser-Wiihelms-Universität verjudet sei von A. bis Z." Hier beweisen Zahlen: Unter den Mitgliedern der einzelnen Fakultäten sind nicht nur in der theologischen, sondern auch in der mathematischen und naturwiffenschaftlichen Fakultät überhaupt keiner, in der philosophischen einer, in der juristischen und staatswissenschaftlichen Fakultät zwei und in der medizinischen ebenfalls nur zwei, also im ganzen unter 63 ordentlichen Professoren nur fünf von semitischer Herkunft, und das nennt dann dieser Kenner der Universitätsverhältniffe „verjudet von A. bis Z." Einig dagegen bin ich allerdings mit ihm in dem Glauben, daß auf der hiesigen Hochschule „für den Antisemitismus vorläufig nichts zu hoffen ist." In kirchlichen Kreisen erregt weiter die Behauptung, daß der „Consistorialpräsident Dr. Ad. Schaffer in Colmar als Führer der liberalen" Geistlichen des Landes gelten könne, vielfache Heiterkeit. Offenbar ist der Gesichtskreis des Artikelschretbers