Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1891)
- Date
- 1891-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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In den Ländern des Eixls, in welchen man zweifelshalber zwei Feiertage begeht, ist, was am ersten Tage verboten ist, auch am zweiten Tage verboten. Man spricht den Bann über Denjenigen aus, der ihn geringschätzig behandelt u. s. w. §. 2. Es ist kein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Tage, nur hinsichtlich einer Leiche, und betreffend des Bestreichens der Augen u. s. w. Sie sehen, wie wenig Sie auch mit Rabbi Joseph Karo in ihrem „Neu-Sphorod" anfangen können; Ihr Mann ist das nicht. Es gehört doch eine große Unkenntniß dazu, und eine Spekulation auf die Leichtgläubigkeit des Publikums, Rabbi Joseph Karo auf Kosten des Rabbi Moses Jsserlis herauszustreichen. Ja, Sie sind vom Regen in die Traufe gekommen, und werden selbst sofort einsehen, daß ein Reformator Ihres Kalibers in vorliegendem Falle besser mit dem als dem Verf. des iny gefahren wäre. — Während nämlich Rabbi Joseph Karo am 2.Feiertage nur die Bestreichung leidender Augen ausdrücklich gestattet, fügt k"b-, im Namen des an der betr. Stelle noch jede Krankheit hinzu, mit der keinerlei Gefahr verbunden ist! Vielleicht veranlassen diese Zeilen den Reformator der Hazephirah die Worte der Männer, über die er schreibt, sich einmal ein wenig anzusehen. Dann wird er sein ym n^y Töfcn nw» selber einsehen, und überhebt uns der Nothwendigkeit ein weiteres Wort darüber zu verlieren. N. H. Dyskin. Amerika. Caracas im Staate Venezuela. Der Minister des Auswärtigen unserer bescheiden kleinen Republik, die bekanntlich fast durchwegs von strengkatholischen Spaniern bewohnt ist, Dr. Montenegro, hat über eine Anfrage amerikanischer Israeliten an ihn die Erklärung abgegeben, daß seine Regierung unter gewissen Bedingungen bereit sei, russischen Juden die Ansiedelung auf ihrem Gebiete zu gestatten und habe sie zu diesem Zwecke sogar einen besonderen Fond im Betrage von 30,000 Pfund Sterling ausgeworfen. Die wenigen hier lebenden Juden haben während der vergangenen hohen Feiertage in einem gemiethetcn Locale ihre Andacht verrichtet und ertönte dabei zum ersten Male seit der Entdeckung Südamerikas das Schofarhorn. Es zeugt dies von der Duldsamkeit der hiesigen Bevölkerung. Syrien. Damaskus, 2. November, 'n Ta w nbsj Eine Karawane, die aus Aleppo hier etntraf, soll die Cholera, die seit einigen Tagen hier? wüthet und täglich immer mehr Opfer fordert, in unsere Stadt eingeschleppt haben. In Wirkkichkeit aber dürfen die vielen Melonen, die täglich hier verzehrt werden, in Verbindung mit unserem bekanntlich sehr schlechten Wasser die furchtbare Krankheit erzeugt haben. Auf Befehl unseres Vali (Statthalters) mußten nun alle Schulen hier, sowohl die mohamedanischen, wie die christlichen und jüdischen geschlossen werden, worauf unser verehrter Chacham- Baschi auch einige in ungesunden Localen untergebrachte Bothe-Midraschim (Lehrhäuser) sperren ließ. In unseren Straßen wimmelt es jetzt den ganzen Tage von herumlungernden Knaben, die oft mit eigenen Augen anschauen können, welche Verheerungen diese böse Krankheit hier .anrichtet. Die Menschen fallen nämlich oft, während sie über die Straße gehen, nieder, bekommen heftige Krämpfe, winden sich in furchtbaren Schmerzen hin und her und hauchen dann unter freiem Himmel ihre Seele aus. Aus Befehl des Chacham Baschi wird daher Früh und Abends ein besonderes Gebet wegen baldigen Aufhörens der Seuche eingeschaltet. Auch hat unser Cultusvorstand schon die nöthigen Maßregeln ergriffen, damit unsere Armen in dieser trostlosen Zeit entsprechende Unterstützungen erhalten sollen. .kbui 'n uwi Vermischtes. °ch- Berlin, 5. November. Heute feierte der zur Zeit älteste Arzt in Deutschland, Geheimer Sanitätsrath Dr. Martin Steinthal hier sein siebzigjähriges Doctorjubiläum. Steinthal ist am 22. Oktober 1798 in Stendal geboren und hat seit 1818, d. h. seitdem er die hiesige Universität bezog, in Berlin gelebt. Seine vor 70 Jahren erschienene Dissertation ist einem früheren Lehrer Steinthals, dem damaligen Schuldirector Haake in Stendal gewidmet. Steinthal war mehrere Jahrzehnte lang Vorsitzender der Hnfelandschen Gesellschaft und Begründer und bis vor weniges Jahren Vorsitzender des medicinisch-pädagogischen Vereins. In früheren Jahren war er auch mit Erfolg literarisch thätig. Berlin, 7. November. Gestern beging der seit etwa 5 Jahren hier lebende Kreis-Physikus a. D. Dr. Moritz Alt mann sein övjähriges Doktor-Jubiläum; länger als 45 Jahre wirkte er als praktischer Arzt und fast 40 Jahre als Physikus in Wartenberg bei Breslau; in humanster Weise stand er einer großen Praxis vor und sorgte mit großem Erfolge für eine gute Hygiene in dem ansgebreiteten .streife Wartenberg. Wie schwierig diese doppelte Aufgabe war, kann man daraus ermessen, daß sowohl die Wege des Kreises, wie die Verkehrsmittel meist schlecht und unzureichend waren, die Hygiene aber sich damals erst in den kleinsten Anfängen befand. Als der Jubilar vor 5 Jahren Amt und Beruf niederlegte, um hier einige Jahre der wohlverdienten Ruhe zu genießen, ehrte ihn die Stadt durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts; nnteressiren dürfte auch die Thatsache, daß er, nach der B. Z., der erste jüdische Physikus war, denn schon 1848 übernahm er interimistisch, 1849 endgiltig das Physikat seines Heimathkreises. Ein größeres