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Der Israelit · 1891-11-23 · Heft 91 (23.11.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 91 (23.11.1891)
Date
1891-11-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1712 Verdienst erwarb er sich durch die Reise nach Oberschlesien 1848 zur Zeit des dort grassirenden Flecktyphus als Leibarzt des Standesherrn Karl Prinzen von Cnrland — eines der edelsten Menschen, der sein Leben dem Gemeinwohl weihte, und leider, in Oberschlesien angefteckt, am Typhus in Breslau starb — und beauftragt von dem Comitö zur Bekämpfung der Epidemie, an dessen Spitze Karl Prinz Biron von Kurland, Profossor Kuh und Fürstbischof Kardinal von Diepenbrock standen, errichtete er in Oberschlesien Kranken- und Waisenhäuser, Speiseanstalten, Begräbnißplätze, zog er Kollegen hin zum Ersatz für die erkrankten oder verstorbenen Aerzte und bot im Verein mit Anderen Alles auf, das grenzenlose Elend zu lindern. Berlin. Das Hildesheimer'sche Rabbinerseminar wird gegenwärtig von 50 Hörern besucht, von denen 33 aus Deutschland, 14 aus Oesterreich und je 1 aus Rußland, Holland und Italien sind. Welche Früchte die wiederholt in Düdelsheim stattgehabten antisemitischen Volksversammlungen nach und nach zeitigten, mag die Thatsache beweisen, daß kürzlich bei Gelegenheit eines jüdischen Begräbnisses die dortige Jugend in roher Weise die religiöse Handlung zu stören suchte. Kein Wunder! Denn es ist zu bedauern, daß es gerade Schulkinder und kaum der Schule entwachsene Jungen sind, die in nicht geringer Zahl das Auditorium der antisemitischen Volksversammlungen bildeten und den üblichen Radau dabei mitmachten. Auch die pflicht- und berufstreuesten Lehrer, wie sie die Gemeinde Düdelsheim besitzt, sind darum Ausschreitungen gegenüber, wie oben erwähnt, ohnmächtig, wenn nicht die maßgebenden Behörden und vor allem die Eltern Hand in Hand milwirken, wenn es gilt, die leicht empfängliche Jugend vor jeder Verrohung und Entsittlichung zu bewahren und zu schützen. Paris, 12. Nov. Eine Interpellation des Herrn L au r pflegt die Mehrheit und die Minderheiten in der Kammer zu entwaffnen. Man kennt die These des lebhaften und paradoxen Jnsgenieurs; es ist die These Drumonts : die jüdischen Bankiers in Frankreich, obenan die Rothschild, begnügen sich nicht damit, gute Geschäfte machen zu wollen, wie die christlichen Bankiers und wie alle Geschäfts-Unternehmer, sondern ihres deutschen Ursprungs eingedenk, sind sie, obwohl Mitglieder der ersten Pariser Cercles und sogar des Instituts, doch im Herzen stockdeutsch geblieben; sie betrachten die Franzosen, in deren Mitte sie leben, als den Erbfeind, als das Carthago delenda; sie empfangen ihr Losoungswort ans Berlin, früher von Bismark, jetzt von Caprivi und wenn sie glücklich den letzten Franzosen aufs Stroh gelegt und den letzten Louisd'or aus dem Lande gezogen haben, dann lassen sie einen Expreßzug anfpannen und fahren nach Berlin „heim", wo sie mit offenen Armen empfangen und zu Commerzienräthen ernannt werden. Es war keine Kleinigkeit, einen so diabolischen Plan zu ersinnen; noch schwieriger, ihm auf die Spur zu kommen, und vollends eine gewaltige, sprudelnde Beredsamkeit gehört dazu, ihn auf der französischen Tribüne zu enthüllen und zu denunziren. Dies thut Herr Laur jährlich zweimal. Dazu hat ihn Neuilly, das durch eine ganze Bande von Bankiers so schwer heimgesucht wird, daß man dort keinen Meter Grund und Boden unter 300 Fr. haben kann, ins Parlament geschickt. Wenn die Kammer sich müde gearbeitet und gezankt hat, wenn die Volksvertreter zu erschlaffen drohen, so setzt man die sorgsam aufgehobene Interpellation Laurs auf die Tagesordnung und die Physiognomie des Hauses ist im Nu verwandelt. Die erhitzten Parteien besänftigen sich: Alles lauscht dem Redner, und noch hat er nicht drei Sätze gesprochen, so lacht die Rechte, die Linke, die Mitte, die Ministerbank, der Präsident, die Galleriennd die Journalistentribüne. Herr Laur versteht es nämlich, wie kein Zweiter, seine These, während er sie entwickeln will, auch selbst zu widerlegen; die Bemerkungen, mit denen er seine vom Hundertsten ins Tausendste ausschweifende Rede spickt, gerathen seinem Raisonnement gewissermaßen zwischen die Beine, und je weniger er selbst sich daraus zu machen scheint, um so unwiderstehlicher ist der komische Effekt, den er damit hervorbringt. Wäre der Vergleich nicht zu trivial und auf die hübsche, elegante Persönlichkeit Laur's durchaus unangebracht, so möchte seine rednerische Leistung an die des berühmten Circus-August erinnern, der sich ebenfalls mit außerordentlicher Geschicklichkeit ungeschickt zeigt. Wie soll man aber einen Politiker ernsthaft nehmen, der damit anfängt, wegen des Goldabflusfes aus Frankreich zu interpclliren, und darauf hinauskommt, daß auch aus allen anderen Ländern das Gold abfließt — wohin? —, und der zum Schutze gegen den Goldabflutz einen Ausfuhrzoll, wie ihn die Vereinigten Staaten haben, vorschlägt, in demselben Athemznge, in welchem er darlegt, daß der Zoll den Abfluß aus Nordamerika nicht im Geringsten hindert. Das Intermezzo hat dem Hause eine angenehme Stunde und dem Finanzminister eine Mehrheit von 431 Stimmen verschafft. Wenn Herr Laur diese Wirkung seiner Interpellation beabsichtigte, so kann er sehr zufrieden sein. Lvnövn, 6. Nov. Zum jüdischen Neujahr hat in der hauptsächlich von ärmeren polnischen Juden besuchten Synagoge des Beth-Hamidrasch, 19, Churchlane E. eine eigenthümsiche Kundgebung stattgefunden, welche armen Leuten Gelegenheit gab, ihre Dankbarkeit für die englische Unterstützung zu bezeugen. Die Leiter der Gemeinde hatten nämlich nicht nur ihren Glaubensgenossen, sondern auch hervorragenden Christen ihre Glückwünsche übermittelt. Es wurden nun in dem Tempel unter dem größten Enthusiasmus und den Segenswünschen der 1800 anwesenden armen Juden die Antworten verlesen, welche von der Königin, dem Prinzen von Wales, fast allen Bischöfen, Lord Salisbury, Gladstone, Lord Rosebery und vielen anderen bekannten Staatsmännern und Politikern eingelaufen waren. Die Scene war, wie ein Berichterstatter der „Daily-News" meint, wohl einzig in ihrer Art. Wochen - Kalender. Freitag, 27. November, 26. Cheschwan. Sabbat-Anfang 3 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 28. November, 27. Cheschwan. "fl Sabbat-Ausgang 4 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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