Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1891)
- Date
- 1891-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1706 an vorgekommenen Fällen nachzuwcisen, daß nicht bloS Israeliten von der Behandlung in den öffentlichen Krankenhäusern zurückgewiesen werden, sondern sogar Christen, wenn sie zufällig eine „jüdische Physiognomie" haben, was doch Erfteres um so schärfer hervortreten läßt. Nunmehr haben wir ein offtzielles Zeuguiß darüber, daß die christlichen Spitälern gegen die Israeliten „unmenschlich" handeln. Das beisitzende Mitglied im Obersten Gesundheitsrath von Bukarest, Dr. Buicltu, inspkzirte kürzlich das städtische Spiridon-Hospital in Jassy und in seinem Bericht darüber bemerkte er u. A.: „es wäre human, daß man auch die israelitischen Kranken in den, dessen Gesammlverwaltung unterstehenden Hospitalen (auch in Botoschani, Roman u. s. w.) aufuehme . . ." Demnach ist dies bis jetzt nicht der Fall. Dies Zeugniß ist nicht anfechtbar. Die Behandlung von Israeliten in den christlichen, d. h. öffentlichen Krankenhäusern ist zu Zeiten um so nothwendiger, als, wie z. B. gerade jetzt, durch eine plötzliche Uneinigkeit bei der Wahl des israelitischen (Schein-) Gemeindekomitös, die Schächter auf Veranlassung der einen oder anderen Partei ihre Thätigkeit einstellen, und da das israelitische Spital nur durch die „Fleischtaxe", d. h. durch eine Abgabe vom Schächten unterhalten wird, so muß das Krankenhaus natürlich eiugchen oder schlecht sunktioniren, wenn durch den Streik der Schächter in seinen Einnahmen ein Ausfall entsteht. So ist es wie gesagt, jetzt in Jassy. — Wie in der Hetzjagd gegen die Israeliten vorgegangen wird, zeigt nachstehender Fall vom Städtchen Pujeschtt. Daselbst.erhielt die Bürgermeisterei von dem Bezirkspräfekten den Befehl, eine Lifte der im Städtchen wohnenden „fremden Juden" einzureichen. Der Gemeinderath, welcher seine Einwohner kennt, antwortete, daß es keine solcher gäbe. Aus diesem Grunde aber wurde der Gemeinderath in R. vom Präfekten, der sich mit seinem „Diensteifer" wie die anderer Bezirke ebenfalls hervorthun wollte, aufgelöst und durch eine interimistische, von ihm ernannte Kommission ersetzt, welche denn auch auf sein Geheiß herausfand, daß von 70 israelitischen Familien 32 „Fremde" wären, und diese wurden ausgewiesen, troßdem sie im Lande geboren, in der Armee gedient habende. Die Pujeschter Gemeinde schickte nun eineDeputatton an denMinister des Innern, Catargi, der, aus den produzirten Dokumenten die Ungerechtigkeit erkennend, den Befehl ertheilte, die 32 Familien in Ruhe und weiter wohnen zu lassen. — In der Nähe des DorfesBuhalnitza,Bezirk Neamtz ist wieder an einem Israeliten ein Mord begangen worden. Es betrifft einen Schlome den Kürschner, welcher auf den Dörfern alte Pelzwaaren auskaufte und vom Mörder, einem Bauern, auch seiner geringen Baarschaft beraubt wurde. Rußland. Wilna. Wie den polnischen Blättern aus Wilna berichtet wird, ist der Gouverneur von Litthauen, Gräwenitz, welcher bisher die Juden seines Verwaltungs-Bezirkes in unmenschlicherWeise verfolgte und viele hundert Judenfamilien an den Bettelstab brachte, infolge Anzeige eines auf sein Betreiben entlassenen Beamten wegen verschiedener Veruntreuungen und Ungehörigkeiten in Untersuchung gezogen worden. Der Gouverneur soll insbesondere kaum ein Drittel der gebührenden Grundsteuer von seinem Gute entrichtet und viele ihm unterstellten Beamte bei Bewirthschaftung seiner Besitzungen verwerthet haben, wodurch dieselben verhindert wurden, ihre eigentlichen Obliegenheiten zu erfüllen. Die Sache erregt nicht geringes Aufsehen. Habbatai Aewi. H i st o r i s ch e Erzählung von Vvusk Gcknuar?. (Schluß.) Ein unnennbares Grauen bemächtigte sich des jungen Mädchens, als sie an der Sette ihrer Tante in das Krankenzimmer trat. Mit fieberglühenden Wangen und geschlossenen Augen lag Baruch auf dem Bette, die abgezehrte Rechte zur Faust geballt, drohend erhoben stieß er wilde Verwünschungen aus. „Elender!" knirschte er zwischen den Zähnen, „er hat mein Lebeusglück zerstört — verflucht sei sein Name bis in's tausendste Geschlecht! — Tirza!—" fügte er wimmernd hinzu, „Tirza! —" Jakob saß am Bette seines Bruders, unablässig bemüht, die glühende Stirn des Fiebernden zu kühlen. Als die Frauen in das Zimmer traten, erhob er sich und trat zu ihnen. „Gott sei Dank, daß Du gekommen bist, Tirza", sagte er mit leiser lebender Stimme, „er ruft beständig nach Dir, vielleicht, daß Deine Gegenwart ihm Linderung bringt." Das junge Mädchen, mächtig erschüttert, stand mit fest aufeinander gepreßten Lippen mitten im