Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1891)
- Date
- 1891-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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170S den. — Mit den Arbeitender historischen Commission des Gemeindebundes wird sich die „Wissenschaftliche Beilage" des „Israelit" befassen, deren Erscheinen wir hier mit vieler Freude begrüßen. Wir hoffen, daß die Mitarbeiterschaft der Commission sich auf die Personen beschränken wird, welche in ihrem Leben und ihrem schriftstellerischen Wirken die Göttlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre anerkennen, andernfalls HDBro vor Aber auch bezüglich der Vertretung der historischen Commission dürfte eine andere Wahl getroffen werden. Wer sich bemüssigt fühlt, die Zukunft der jüdischen Glaubensgemeinschaft preiszugeben, den sollte das Taktgefühl lehren, keine repräsentative Stellung innerhalb unserer Glaubensgemeinde anzustreben. Wir haben bei den 89er Gemeindewahlen nach diesem Grundsätze gehandelt und hatten die große Majorität der Wähler auf unserer Seite. Ein langjähriger Gemeindevertreter, der nicht freiwillig resigniren wollte, wurde aus angedeuteten Gründen fallen gelassen. — Auf der Tagesordnung der Sitzung stand auch das Verhältniß der hiesigen jüdischen Gemeinde zur „Lehranstalt für die Wissenschaften des Judenthums"; die Berathung dieses Gegenstandes wurde abgesetzt, da der erkrankte Vorsitzende der Repräsentanten-Versammlug den Wunsch äußerte, diese Angelegenheit persönlich zu vertreten. Die „Lehranstalt" erhält eine jährlicheSubvention. Es wäre zu wünschen, daß dem hiesigen orthodoxen Rabbinerseminar eine gleiche Berücksichtigung zutheil werde. A. Berlin, 18. Nov. Die letzten sehr beklagenswerthen Vorkommnisse auf dem Gebiete des Bankwesens haben den Reaktionären und den Judenhetzern nur einen all' zu bequemen Borwand für ihre unqualificirbaren Angriffe auf ganze Klassen unserer Bevölkerung dargeboten. Für jeden unbefangenen Denkenden haben betrügerische Handlungen nichts mit der Zugehörigkeit zu einem Bekenntniß oder zu einem Volke zu thun. HerrLic. Gräbner führt diesen einfachen, aber leider Vielen noch unzugänglichen Gedanken in der soeben ausgegebenen Nummer 4 der von ihm redtgirten „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitsmus" durch. In einem „der Zusammenbruch der Berliner Bankhäuser Hirschfeld und Woiff, Friedländer und Sommerfeld" überschriebenen Artikel heißt es: „Die begleitenden Umstände sind es, welche die Katastrophen in eimm besonderen Lichte erscheinen lassen. In beiden Fällen waren nicht etwa blos verfehlte Spekulationen die Triebfeder des verbrecherischen Treibens, sondern zurj Befriedigung einer raffinirten Verschwendungssucht vergriffen sich die Wolff und Sommerfeld an fremden Geldern. „Ein Abgrund von Verworfenheit that sich hier auf, und was war natürlicher, als daß man den Ursachen des Krachs nachforschte und Vorschläge zur Abhülfe machte. Die Einen befürworten eine Aenderung der Gesetzgebung, wodurch Männern, die gewissermaßen „mit dem Aermel das Zuchthaus streifen", das Handwerk gelegt werden sollte. Andere versprechen sich nichts von einem legislatorischen Einschreiten. „Anders die Antisemiten. In echt demagogischer Weise fallen sie, weil die Wolff und Sommerfeld Juden sind, über das Jndenthum her und wiederholen ihre Forderung: Die Juden entweder aus dem Lande jagen oder sie zu Bürgern zweiter Klasse degradiren. Eine gewisse Gattung antisemitischer Blätter, welche ihrem Leserkreise nicht Alles bieten dürfen, versteigt sich zu so extremen Schlußfolgerungen nicht; aber durch den mehr oder weniger versteckten Hinweis auf die jüdischen Bankiers wollen sie wieder den Beweis erbracht haben, daß an allem Unglück jüdische Korruption u. s. w. schuld seien. „Einem christlichen Bankhause, schreibt ein Antisemitenblatt, kann so etwas nie passtren, weil das Geschäftsgebahren der zusammengebrochenen Bankiers nur unter sorgfältiger Vermeidung alles dessen möglich ist, was wir deutsche Ehrlichkeit, deutsche Gewissenhaftigkeit', deutsche Treue nennen." Waren denn aber die Schnöckel, R^iff in Berlin, Scholz in Lüben, Thiel in Haynau, Jerusalem, Winkelmann in Leipzig nicht Christen? Damit ist selbstverständlich die Liste der christlichen Bankhäuser, welche es an deutscher Ehrlichkeit, Gewissenhafigkeit, Treue haben fehlen lassen, nicht erschöpft. Wenn die antisemitischen Agitatoren es dennoch wagen, Behauptungen, wie die oben citirte, unter die Massen zu werfen, so thun sie es in dem Bewußtsein, daß manche ihrer Anhänger nicht in der Lage sind, jene Behauptungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, Andere die antisemitischen Lügen ruhig passtren lassen vor Freude darüber, daß den Juden wieder etwas am Zeuge geflickt wird. „Wie gewissenlos die antisemitische Presse bei ihrer Schilderung der jüdischen Schlechtigkeiten, speziell im geschäftlichen Leben, verfährt, hierfür nur ein Beispiel: Die „Antis. Korresp." führt aus dem letzten Jahrzehnt einige „Juden-Groß- Konkurse an, darunter Born in Dortmund, Dr. Jerusalem in Leipzig. Beide sind aber Christen. Die Herren von der „Antisem. Korresp." geniert das natürlich nicht. Macht man sie auf den „Jrrthum" aufmerksam, so werden sie sagen: