Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1891)
- Date
- 1891-11-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1686 ■ Pt künstlich erzeugt worden, so daß sie jetzt künstlich erdrückt werden könnte; - sie ist spontan entstanden und hat gegenwärtig einen Umfang erreicht, ' i daß sich selbst diejenigen, welche Bedenken gegen dies Kolonii'ationscj werk hegen, wohl die ernste Frage borlcgen müssen: Drängt sich nicht vielleicht Uebcrschwang, vielleicht manch' ungesunde Voraussetzung in - dieses Beginnen, und ist cs nicht deshalb geradezu die Pflicht « der skeptischen Bcurtheiler, für diese so in's Ungeheure wachsende j Bewegung Grenzen zu schaffen, welche — ich stelle mich auf 5; den Standpunkt der Gegner, den ich durchaus nicht thcile — ■ j dieses vermeintliche „Uebel" wenigstens einengcn und mildern?!; Unsere russischen Brüder haben selbst das Verlangen empfunden, ’ diese ordnunglose Emigration in eine Organisation zu bringen. Sie i konnten sich selbst diese Organisation nicht schaffen. Denn die Ber-; sammlungen und Besprechungen, zu denen sie sich zusammennndcn, i müssen sie im Dunkel der Nacht verbergen, weil, wenn sie ausgegrinen I werden, ernste Gefahren ihnen drohen. : Bor etwa fünf Monaten wurde ich von den Vertretern des gei nannten russischen Vereins und der oben bezcichncten Associationen ) ausgefordert, ihnen behilflich zu sein bei ihren Bemühungen, im Westen eine Organisation für das palästinensische Kolonisationswerk zu; schaffen. Ich habe cs als meine Pflicht betrachtet, diesem Wunsche l Folge zu leisten, umsomehr als ich thatsächlich diesen Zweig des Emigrationswerkes für nichts anderes ansehe, denn als einen Zweig der großen russischen Hilfsaction, und zwar ist das nicht meine private Ansicht, sondern ich begegne mich darin niit den maßgebenden Häuptern l jenes Vereins und jener Associationen. Meine Herren! Es ist grnnd-; falsch, anzunehmcn, daß Letztere etwa die Alternative stellen: hie Palästina, hie Argentinien, hie Amerika. Das Umgekehrte ist der Fall: „neben diesen Ländern auch Palästina", so lautet ihr Programm, i Es ist ebenso salsch, anzunelnnen, daß unsere russischen Brüder, so- ./ weit sie diesen Bestrebungen huldigen, nur an Palästina denken: sie denken vielmehr ebenso sehr an Syrien, an Kleinasicn und die anderen Länder der asiatischen Türkei. Endlich ist es eine Verkennung der thatsächlichen Verhältnisse, wenn man meint, daß unsere russischen Brüder überhaupt die Absicht haben, eine künstliche Emigration nach den genannten Ländern zu fördern; sie wollen thalsächlich nichts weiter als denjenigen, welche aus eigener Krait oder mit nicht gan z genügenden Mitteln hingehen wollen, die Möglichkeit hierzu oerschaffen. Und. m. H., maßgebend ist doch wohl diese Auffassung der berufenen Leiter und Häupter, nicht dasjenige, was einzelne Schwärmer als ihr i Ideal verkünden. Die meisten der Briefe, welche der Herr Referent charak- Z terisirte, sind zudem hebräisch geschrieben, und wer die bilderreiche, ‘ häufig mehr die Form als den Inhalt berücksichtigende Sprache derartiger > Schreiben kennt, wird ihr Gewicht sicherlich nicht überschätzen. Meine . Herren! Es ist hier von einem Ferman die Rede gewesen, der die Einwanderung russischer Juden in Palästina verbietet. Ich bemerke dazu, behufs faktischer Berichtigung, daß ein Ferman überhaupt nicht vorliegt, sondern nur eine administrative Maaßregel, die bereits vor einigen Jahren einmal erlaffen und dann aus administrativem Wege aufgej hoben wurde. Wundert es Sie, m. H„ daß diese Administrativ-Maatz-!; reget überhaupt erlaffen wurde? Was, denken Sie, würden die Ver-;; einigten Staaten oder Brasilien oder Argentinien machen, wenn Tau-! sende armer Ruffen erscheinen, um die sich kein Mensch kümmert und 1 die deshalb, zahllosen Kalamitäten ausgesetzt, der öffentlichen Wohl- ■i ihätigkeit anheimfallen? Würde es in einem solchen Falle nicht auch jedes andere Land für ganz selbstverständlich erachten, einen Akt der ge;: m ii i de Nothwehr zu unternehmen und seine Grenzen gegen diese Ankömmling zu sperren? Das gegenwärtige Verhalten der türkischen Behörden also mit der vorliegenden Frage selbst absolut nichts zu thun; eö kein Beweis für die prinzipielle Abneigung der Pforte, russische IM auszunehmen, vielmehr nur ein Repreffivmaßrcgcl gegen denZiiim« Armer, welche, von der Mildthätigkeit im Stiche gelassen, eine Ge'ak für die sanitären Verhältnisse des Landes werden. Ja, cs ist vicllüll ein Glück zu nennen, daß gegenwärtig der Einwanderung Mittellos ein Damm gesetzt ist, und man darf vielleicht wünschen, daß die Schwierigkeiten fo lange fortdauern, bis die Einwanderung aui sunderer Basis, in wohlerwogener Organisation sich vollziehen kann Ilm diese Organisation zu schaffen, wollten die Leiter jener Be strebungen sich zunächst an diejenigen Instanzen wenden, welche i Europa als die kompetentesten Bcurtheiler dieser Verhältnisse ane kannt und gefeiert sind. (Redner berichtet in eingehender Darsiellun über die in jeder Hinsicht erfolgreichen Verhandlungen, welche er pi Zwecke dieser Organisation mit den maßgebendsten Körperschaften g pflogen, und fährt hierauf fort:) Meine Herren! Die praktische Duril führung der Angelegenheit ist einzig und allein eine Geldfrage. 3 habe mich bemüht, die erforderliche Summe aufzubringen, und bin glücklich, daß das Frankfurter und das Hannoveraner Comitcc m dem Ausdrucke wärmster Sympathie für das Projekt Geldbewilligung bereits ausgesprochen haben. (Stellvertretender VorsitzenderKommerzin rath Goldberger: Das Frankfurter Kommitee unter ausdrücklichci Vorbehalt der Verständigung mit uns!) M. H., ich erscheine nicht in der Bitte vor Ihnen: Helfet Palästina kolonisiren! Meine Bitte gsi vielmehr nur dahin: Helfet eine Organisation schaffen für diejenige: welche aus eigener Entschließung mit eigenen Mitteln in Ländern der asiatischen Türkei sich niederlaffcn wollen! Die Vo aussetzung hierfür in der oben auseinandcrgesetztc Plan, d> nicht ein waghalsiges, problematisches Unternehmen ist, sonder nach der Ansicht der berufensten Bcurtheiler sicheren Erfolg verbeiß M. H., es ist wahrlich nicht unbescheiden, wenn von unseren rusidclie Brüdern getagt wird: „Laßt uns nicht die ganze Summe, die fü diese Voraussetzung der Organisation erforderlich m, allein nobis tragen. Wir werden auch hierfür das Unfrigc beisteuern; hc! uns, daß wir nicht Alles leisten müssen!" Diese Bitte wird Jhncr m. H., um so weniger unbescheiden erscheinen, wenn Sie erfahren, de unsere ruffischen Brüder bereits 50000 Frcs. für dielen Zweck amge bracht haben, und das ist wahrlich mehr als anerkennenswerth, wen Sie bedenken, wie sehr die Leistungsfähigkeit der russischen Judenbei erschöpft ist und wie große Opfer sie gerade nach dieser Richtun bereits gebracht hat und bringt. M. H.! Es ist wunderbar Herzerhebendes im Lause der letzm sechs Monate geleistet worden, und es gehört sicherlich angesichts de trüben Erscheinungen der Gegenwart zu den herzcrfreuendsten Licbi blicken, daß der jüdische Opsersinn wieder einmal Großthaten übt Wohlthun und Gerechtigkeit gibt im Hebräischen dasselbe Wort 2s6obo!i wieder, weil es nach jüdischer Anschauung dieselben Begriffe sind. Mi Gerechtigkeit im Wohlthun ist es, was dieser Bruchtheil unserer ruff schen Brüder von Ihnen erbittet. Es sind nicht die schlechtesten Ele mente, die durch meinen Mund als die Bittenden vor Ihnen erscheinen es sind diejenigen Elemente, welche gewillt sind und in Tyaten Zeug niffe dieses ihres Willens gegeben haben, trotz des Jammers de! Verhältnisse mit den Trümmern ihrer Habe sich selbstthätig au eigener Kraft zu helfen. Das Vertrauen, das ich hege, theilcn unser« hdi di