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Der Israelit · 1891-11-19 · Heft 90 (19.11.1891) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 90 (19.11.1891)
Date
1891-11-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1685 n ja, da es sich um einen Punkt handelt, der in dem Berichte l, Ich tja»; besonderer Ausführlichkeit, mit Ernit, Gewissenbastigkeit und 0 lillemugenheit bebandelt worden ist und einen breiten Raum in dem- » einen eingenotumeu hat. e -teilvertretender Vorsitzender: Es hat ein Jeder das Recht, zu r ti-Hin Berichte dar- Wort zu verlangen. Ich glaube daher, daß es ' eN'iäudig im Sinne der Versannnlung ist, Ihren Wunsch zu erfüllen.! Herr Tr. H i r s chHilde s h e i mc r: Indem ich von dieser Erlaubnis Gebrauch mache, habe ich mit der Bitte um Entschuldigung zu beginnen, 1 min ich vielleicht Ihre Geduld durch eine längere Darlegung in Üiiwruch nehme. Ich motivire diese, Angesichts der sehr vorgerückten jiinibe vielleicht etwas anmaßend klingende Bitte damit, daß ich als : Mandatar von Hunderttausenden russischer Brüder zu sprechen habe. ' aiüit etwa bloß als der ideelle Mandatar, sondern direct aufgei ordert von den Vertretern jener Hunderttausende, die heute mit gesinnter Auimerksamkeit nach Berlin blicken, nehme ich das Wort, sä, beabsichtige jedoch nicht, die Forderung zu erheben, daß Palästina ttsenige Land sein solle, welches das deutsche Ccntral-Komitec iir die Errichtung seiner Kolonie in Aussicht nehme. Ich erscheine lucti nicht etwa mit dem Verlangen einer directen Beförderung ijckes Kolonisationswerkes. Die Bitte, welche vorzutragen ich mir rlauben werde, ist bescheidener. M. H.! Ich sage, ich bin der Mandataren Hunderttausenden. Dafür kann ich sreitich keine statistischen Daten liizeben. Aber wer wie ich aus unmittelbarer Beobachtung die untilu'iu-c Ausdehnung und Tiefe der sogenannten „Patäslina"-Bewegung!,.Rußland zu studiren in der Lage war, wird mir zustimmen, wenn it, behaupte, das; diele Leute vielleicht nicht nach Hundcrttausenden, andern nach Ncillionen zählen. Diese Bewegung dankt nicht etwa üio man fälschlich annimmt, blos demjenigen Bruchtheil unsere, mü'ischcn Brüder, der sich „orthodox" nennt, ihr Entstehen und ihr Lachsthum, sondern sie ist in's Leben gerufen und wird bis aus den cutigen Tag in hervorragendem Maaße getragen auch von den Vertn-irrn der entgegengesetzten religiösen Richtung. Vielleicht darf ich ,i dieser Beziehung auf eine Person Hinweisen, deren Name auch hier n Berlin einen sehr guten Klang hat, Professor Dr. Mandel stamm ü Jäten); ich nenne außerdem nur noch Dr. Pinster und Rechtsmwalt Margulis in Odessa. Diese Bewegung hat allmälig eine luodelmung angenommen, daß sie unmöglich ignorirt. geschweige denn auch Menschenwitz oder Menschenkraft erdrückt werden kann. Man mag wohl für die Zukunft erwägen, ob Argentinien und Brasilien nid Venezuela geeignete Kolonisationsgebiete sind. Diest Frage hat :icr aufgehört: echandelt sich thatsächlich nicht mehr um das Ob. cnderu nur um das W i e, und die Erwägung muß sich ausdrängen: Hai '.t Westen nicht die Pflicht, dem 'ehr bescheidenen Wunsche dieses Auchtheils unterer russischen Brüder Gehör zu schenken, ihm eine ftgauiiation zu schauen, um sich selbst zu helfen? M. H., diese sogenannte Palästina-Bewegung ist nicht neu. nicht •rft unter der Gluthitze der gegenwärtigen Verfolgungen entstanden. cm datirt - in ihre ersten Anfänge zurückverfolgt-- aus dem Jahre IS^i, ist aber allerdings durch den Druck der letzten Jahre wesentlich tztzeigert worden. M. H., die Folge war, daß eine größere Anzahl wsgewiesener russicher Juden sich nach Palästina gewandt hat. in tauiger Uebereilung. aber in der wohlverzeihlichen Hoffnung, dort!lrbeil zu finden. Diese Hoffnung ist getäuscht worden, und grausiges Sicttb brach über die Unglücklichen herein. Nun, m. H., Hand auf's dcrz, welche Situation wäre etwa in Argentinien oder in Amerika Her sonstwo entstanden, wenn die dort landenden Armen so von der öffentlichen Wohlthätigkeit im Stiche gelassen worden wären, wie diese Leute in Palästina? Und haben Lentere etwa ein minderes Anrecht auf unser Erbarmen, weil sie nicht über unsere Grenze gekommen sind mit der Bitte: „schickt uns für öffentliche Mittel nach Amerika," weil sie nicht nach dem Lande gegangen sind, wo sie Brüder haben, welche ihnen mit materieller Unterstützung helfend an die Seite treten können, sondern mit eigenen Mitteln nach dem Laude sich gewendet haben, wo sie. wie jeder von ihnen wußte, nur mit harter Arbeit durch eigene Kraft sorttommen tonnen? Die Zustände in Palästina mußten kommen mit Naturnothwendigteit, wie sie in Memel hätten kommen müssen, wenn nicht das- Eeutral-Komitee sich der Sache dort angenommen haben würde. Das Elend in Jaffa!>at also mit der eigentlichen „Palästinasrage" nichls zu tlmu. Meine Herren.' Ich beabsichtige nicht, diese Palästinafrage hier aufzurollen: die Erörterung der Frage, ob und wie weit Palästina ein geeignetes Kolonisationsfeld ist, geht über den Rahmen dieser Verhandlung hinaus und ist innerhalb einer Körperschaft, die über 70 Köpfe zählt, unmöglich. Ich gestatte mir nur, die Abschrift eines Schreibens Ihnen vorzulcgen, das eine der allerersten Autoritäten auf diesem Gebiete an den englischen Llloveve-Aon-Verein gerichtet hat, Major Eon der. einer der hervorragendsten Paläslinaforfcher der Gegenwart und Schöpfer jener großen englischen Karte des Westjordanlandes, welche vielleicht den ganzen Raum dieses Sitzungssaales einnehmen dürfte — das Werk fünsjährigcr Thätigt'eit. Das Schreiben gipfelt in dem Satze, daß Palästina, das Westjordanland, sehr wohl zur Ansiedelung sich eignet und eine zehnmal größere Bevölkerung zu ernähren im Stande sei, als gegenwärtig dort ansässig ist. M. H., ich betrachte die Palästiuafrage als etwas Gegebenes. Die Bewegung ist da, mit welcher Stärke, deiftir darf ich vielleicht einige Thatsachen anführen. Im März v. I. hat der Odeffaer „Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Surien und Palästina" die Bestätigung der Regierung erhalten, ein mehr als frappantes Ereigniß: diesen Vorzug rheilt der Verein nur noch mit dem „Verein für Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden". Das Ergebnitz der Sammlungen des Odeffaer Vereins betrug von April bis Dezember v. I. 43000 Rubel. Im gegenwärtigen Jahre wurden vorübergehend Schwierigkeiten seitens der Regierung gemacht, aber trotzdem sind schon jetzt — wie ich höre — circa 40000 Rubel an Jahresbeiträgen und Spenden vorhanden, bis zum Schluffe des Jahres dürften mehr als 50000 Rubel Zusammenkommen. Neben diesem Vereine haben sich im Laute der letzten 1V2 Jahre sogenannte „Agudoth", d. h. Associationen gebildet zum Zwecke der Selbsthilfe, so, daß die Mitglieder dieser Afsoeiationen sich zu einer jährlichen gleichen Leistung verpslichreten, um nach einer Reihe von Jahren gemeinsam eine Kolonie gewissermaßen aus kommunistischer Grundlage zu bilden. Derartige Associationen gicbt es — meine Informationen find vier Wochen alt, die Ziffer ist wohl unterdessen noch gewachsen — 75. Von diesen 75 Associationen haben einzelne sich bereits in Palästina augekauft, und;war — m. H., das sind, wie Kenner der Verhältnisse versichern, autlienrische Ziffern! — im Laufe der letzten */4 Jahre für rund fünf Millionen Frcs. aus eigener Kraft, für ausschließlich eigene Mittel. Ich kann Ihnen genauere Ziffern geben; die IekaterinoslawerAssociation kaufte200000Dunam (11 D. —1 Hektar) für 1 Million Fres., die Bialnstoker 30000 D. für 500000 Frcs., die Riga-Wilna-Kownoer 46000 D. für 520000 Frcs. ec. ec. Diese Ziffern sind beredt genug, find ausreichender Beweis für die Größe und Macht der Bewegung. Und diese Bewegung ist, ich wiederhole, nicht etwa

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