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Der Israelit · 1891-11-19 · Heft 90 (19.11.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 90 (19.11.1891)
Date
1891-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1684 ebenden deutschen schritt stell er ans Mcw Insel binacwiesen. 'Eine größere Kolonisation könnte dort freilich nicht stcmffnden, da die "Insel im Ganzen einen chlächenranin von 177, t?)uadrarn:eilen bat, Ilber sie stobt derzeit unter cna!i>'cher Scbntzbobei^ ivas für die Sache .spricht. Indessen ist selbst an die Al leginig einer lleinen Kc-loine "-uach einhelliger Ileverzougnng un''erer Konnnisifon nicht entlernr zu senken. IlMf A in erik a anbeirint, so betrachten wir Ga na da als Arbeitsgebiet der Engländer, 11 erdainerika als das unlerer dortigen pßlaubensbrüder, HTerieo würde gleichfalls am praktischsten von -Amerika aus zu bearbeiten fein, Besonders lebbafr anaeiragen wurde i ins Lo ftariea. wir laben dauern ab; die katbolistüe Staatsreligion bird nicht ebne Ianatisiiilis gebandbabt, auch ist das Land relativ chcurer, als anderwärts, der Hektar stellt fich auf 7,0 Dollars, was 5üd-Amerika betrifft, fo kennen Sie ja alle die ttaurigen politischen Verhältnisse an der Westküste. Hinten in die wirren bereits us gebrochener oder drohender Bürgerkriege glaubt eil vir unsere Schützlinge ilicht führen zu tollen, Auch ein aideres llloment bewog uns, von diesen westlichen Staaten, die — Iruguav und Argentinien an der Mstküste — von Spanien aus kolostsirl werden sind, abzusebeu; es ist dasselbe, welches ich bei Eoftarica genannt: der religiöse Iaiiarisinns. Gr ist an der Mstküste, soweit;e von Portugiesen kolonisirt wurde, nainentlich in Brasilien, viel geinger. Im Bergleich zu den amerikanischen Abkömmlingen der 'Panier sind jene der Portugiesen ein in Glaubenssachen viel toleranteres öolk. Schon dieser Gesichtspunkt, der für unser Unternehmen einer ier gewichtigsten fein must, bat uns Brasilien den Vorzug geben lassen.;s besteht ein starkes Vorurtheil gegen Brasilien; es bestand urprünglich aucb in unserer Witte, worin wurzelt es? Hauptsächlich -i einem Erlaß der preußischen Regierung, der zur Zeit, als Herr v. . Hevdt paudelsitliiiister rvar, gegeben wurde, der sogenannte 'Hepdtstche Erlaß. Es wurde darin die Agitation zur Auswanderung ach Brasilien verboten und unter Strafe gestellt". Redner entwich'clt ie Geschichte dieses Erlasses, tbeilt gutachtliche Aeußernnaen von achverständigen mit, auf Grund deren die Kommission ihre Projekte sttworfen bat, und setzt sodann in eingcbender, von genauem Studium mgender Darlegung dieses Projekt selbst auseinander. Sehr triftige Künde hätten bestimmt, von den Südstaaten Brasiliens abzusebeu Itd die Provinz Sao Paolo swittelbrasilien) in's Auge zu fassen, wo Ar deir Körxcrkräften der bisber vorwiegend in Städten attsäfsigen äffischen Juden entsprechende Kaffebau möglich, das Klima gut, .e politischen Verhältnisse relativ befriedigend, die Erträgnisse der Bodenkultur und Itidustrie in rapidem wachsthuin begriffen feien, as pwjekr geht dabin. eine bereits im Betrieb befindliche Kaffeelanrage anzukaufen und daselbst die ersten hundert I'antilieit, zunächst s Arbeiter anzufiedelti, welche dann nach ihrer Ausbildung durch nftrueloren auf einem gleichfalls erworbenen und von Eingeborenen rsgerodeien Urwald als pächler, dann als Erbpächter, endlich als igenthnmer die Kaste-Kultur forifetzen. Die Kosten für 100 stamilien 6 Köpfen stellen sich auf 000000 111., d. b. 1000 Dt. pro Kopf; erzu kommen die Kosten für das Urwaldterrain, 7,0 Hektare a 20 111.) r jede Familie. „111. H., darüber scheint mir kein Zweifel: unser lau ist unter allen llrnständen ernsthaft zu nehmen, weil er I sich vernünftig ist und das Gutachten sehr eritsthaster und lbstloser Leute jür ihn lautet. Aber andererseits scheint es ir gewiß, daß die Durchführung dieses Projektes leider nicht rfere erste Sorge lein kann. Ich habe aber auch nur — und .5 thue ich mit bestem Gewissen — den Antrag des Komitees zu rtreten: „das Eemral-Kontitee widmet seine Fürsorge zunächst der rforschung der Kol onisationsverhältnisse in Brasilien und entncll" — d. h. wenn sie!' alle llachrichlen als günstig herausllen, wenn alle Bedenken, welche die äußerste Vorsicht stelleit kann, prüft sind, und bis dahin werden wir 7—4 internationale Konferenzen den — „die Anfiedluiig daselbst." Auf diesen letzteren Satz also legen -r praktisch keinen Werth. Die Hauptsache für jetzt ist, daß der .lformationsapparat nicht stockt, daß wir ruhig weiter arbeiten und is Projekt nicht aufgegeben wird, weil sich jetzt die Sorge uni Bordtnerika in den Vordergrund drängt. Die Situation gestattet niä't, II en Gaul im Stall zu haben. Der Gau! konnte uns abwerfen . ii) dann lägen wir hülflos am Boden, wir tirüsfen nach verst ederien Richtungen unsere Fäden spinnen. Diejenigen, welche durch ihre Informationen zu andern Zielen gelangt sind, sollen ihre Bebel anderswo anfetzen, wir aber wollen in Brasilien arbeiren, um da unfern Glaubensgenossen ein Asyl zu schaffen. Lassen Sie mich mir einem IVunstche schließen, der boffentlich fein pium desideriuni bleiben wird l wir haben ein Gebiet betreten, auf welchem sich die Gegensätze unendlich scharf gestaltet haben, lllöge nur ein Wetteifer unter uns fein: iver das Illeiste dafür leistet, daß jenen Unglückliche!', geholfen ivird. Und glaubt Jemand, daß der Andere auf keinen, j ganz vollkommen richtigen Wege ist, hält er nur den eigenen IDee für den richngen, dann sage er es. Aber er fei nicht unduldfain, geschweige denn gehässig gegen die fremde Ueberzeugung. ..In Omnibus cliaritas!“ «Lebhafter, langanbaltender Beifall.) Aacbdeni der nellverlr. Vorsitzende Herr Äonimerzienrath Goldberger zwei iebr günstige Atittheilungen des Herrn Bo rer verlesen, ergreift das Wort Herr Dr. (stoldinann: Al. H. Wenn ich zu dem Anträge, der hinsichtlich der Kolonisationsprojette gestellt ist. einige Worte läge, so Ihne ich erdeshalb, weil ich glaube, daß wir in Amerika fiele" Erfahrungen im Kotonisiren haben, und ich vieltelcht einige triftige (stesichtSpunkre geltend machen kann. M. H. Wir stehen vor der Tharfache, daß wir es mit der Auswanderung von Tausenden, vielleicht bald von Hunderttauiendcn zu thun haben. Es handelt sich nun daritnr, zu entscheiden, wie wir für diese Hunderttausende eine Heimatli und ein Unterkommen finden können und zwar sofort. Wir in Nordamerika haben seit dem Jahre 1881 mindestens zehti b e r i ch i e d e n e K 0 l 0 n i 1 a t i 0 ir s v e r i ti ch e gemacht, und a ll e m i t Auvnal)me eines einzigen sind fehlgeschlagen, und zwar deshalb, weil die Mittel nicht ausreichten und die Schwierigkeiten beinahe unüberwindlich waren. Wenn Sie sieh mit dieser Frage eingehender beschäftigen, so werden Sie finden, das; Sie es mit Problemen zu thun haben, bon denen Sie, glaube ich, reine Ahnung haben. Es lasst sich io einfach, auf künstliche Weiic nicht kotonisiren, wie wir das aus I,eilungen. Schriften und .sieden vernehmen. Sie haben es mit enormen Summen zu thun. Woher wollen Tie Meie Mittel bekommen? Wie wollen Sie, wenn Tie die Mittel, die Ihnen jetzt zur Verfügung istehen, auf Kolonisation verweiiden, für diese steute, die kein Bro'd haben, sorgen'k Wie wollen ^ie aus eine Entfernung von 400«» Meilen die nöthige Kontrole ausüben, wo Sie die st eure zu ermuntern, durch Vorbilder zu zwingen Habens I,udem wird eben cin Veriuch gemacht, zu kolonisiren. und zwar in Argentinien. Warten Sie den Versuch ab. Es giebt viele stente, und ich darunter, die große Zweifel hegen, ob das Argentinische Projekt des Herrn Baron von Hirsth großen Erfolg haben wird, doch niögen wir uns irren. Was die Folge eines siückstoßes fein wird, wenn das Projekt nicht gelingt, daran will man nicht denken, sinn, m. H., ein Kolonisations-Projekt ist vor allen Dingen nicht aufzufassen als eine Art der Wohlthätigkeit, sondern als eine reine Geschäftssache. Alle unsere Versuche sind fehlgeschlagen, weil wir dieselben nicht als Geschäftssache betrachtet haben, weil wir die Erfahrung nicht hatten. Das Kolonisiren ist schwieriger, als man glaubt, Man glaubt, die richtigen st eine dazu zu haben, und wenn man sie auf's stand gebracht l,al, sind sie es nicht. Wir haben steute ausgewählt, und fast jedesmal mußten die ersten wieder zurückgefchickt werden oder haben ans eigenem Antrieb das stand verlassen Was die Muffen betrifft, so glaube ich, daß sie bei richtiger steirung und Behandlung und rvenn ihnen genügend Mittel zu Gebote stehen, sich wohl zu Ackerbauern eignen itnd Erfolg haben werden: auch meine ich, daß der Ackerbau ein Ideal russischer Juden ist. das möglichst unterstützt werden soll, aber nicht blindlings, nicht mit ungenügender Vorbereitung und mit zu geringen Mitteln. M. H., wenn es mir gestern gelungen ist. Ihnen ein Bild der Verhältnisse der russifchen Juden in siew-siork zu geben, so hoffe ich, daß Sie damit einverstanden fein werden. Amerika, mit den Mitteln, die Ihnen jetzt zu Gebote stellen, zu helfen. . . stellvertretender Vorsitzender Herr Kommerzienrath G 0 ld b er gex: Wir sind in der Diskussion über den Bericht und Antrag Franzos: wir müssen zunächst hierüber einig sein, erst dann werden wir dem von Ihnen angeregten Vorschlag näher treten können. Herr Dr. Hirfch Hildesheimer: M. H., ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf Palästina lenken und bitte um Aufschluß darüber, ob ich das siecht habe, nach den eben gehörten Worten des Herrn Vorsitzenden auf diesen Punkt des Berichtes näher einzugehen. Ich

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