Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1891)
- Date
- 1891-11-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1682 versebenen Emigranten von diesem Landstriche bznrathen. Als unsere Ausgabe haben wir nur betrachte:: das fand beranszufinden. wo int ~ die von nuferem Eenrral-Komiiee : ngestrebte Kolonifaiion rcKuir ain besten durchnihren ließe. Die - icsichtspunkte. die uns geleitet haben, sind felgende: Den vornherein . usgeschlessen baben wir jene Länder, we bereits andere geteilte .'räfte eine Emigration rufst fei'er Hilden einstreiiten lasten, welche die 'ufnahmefäbigkeir jener Länder an Juden voraussictnÜch ersitöpfen garste. Ebenso haben wir ron jenen Ländern abaefeben, welche bereits von einer an Zahl oder Milteui starken Indensitaft beweont . nd, der aucb die Leitung einer solcher: Emigration in das betrestende and zu überlasten wäre. Endlich haben wir auch jene Länder ausefchloffen, welche politisch als Kolonien :e. neu den eben genannten ändern abhängig find. Bei der Sichtung der übrig gebliebenen Läner waren felgende Gesichtspunkte entscheidend: i. Möglichst geringe ntisemitische Strömung. 2. Möglichst geordnete und günstige politische 'erhältniste, Sicherheit des Lebens und des Eigenthums. 5. Mögchft geeignetes Klima, g,. Möglichste Wahrscheinlichkeit, die Leute ei geordncrem dauerndem Erwerb durch Bodenkultur und Diebzucht u erhalten. 5. wir suchten solche Länder zu finden, wo für die Bodenkultur ein Aufwand von körperlicher Kraft genügt, welche schon on der ersten Generatioti gefordert werden kann; also namentlich zartenkultur oder solche Bodenkultur, welche dieser zunächst verwandt 't. Ausgeschlossen mußten dabei jene Länderstriche bleiben, wo dem saupterwerbszweig oder der Paupternährung rituelle Bedenken nlgegenftehcn, wo also dcr wichtigste Lrwcrbszweiq die Schweinezucht nd das einzige billige Fleisch das Schweinefleii'ch ist; ferner jene ander, wo nur der Großbetrieb der Landwirthfchaft, namentlich die Mahinenlandwirthschaft möglich ist. Unser Ziel gebt aus Schaffung ines felbständigeit, tüchtigen Baucrtlsta tldes. 6. Ausibrbabrkeit des projects in materieller Beziehung, nicht allzu ehe Transportkosten, billiger und reichlicher Boden. Unter diesen Gesichtspunkten erfolgte unsere Sichtung. Pier ihr Lrgebniß. Ich abe die einzelnen wclttheile in der weise geordnet, daß ich von den är unsere Zwecke unwichtigeren zu den wichtigeren aufstcige. Am lenigsten genannt wird Europa. Natürlich mit vollem Recht. Ernstaste-- zu nehmen waren Projekte bezüglich einer Lolonisation in der uropäischen Türkei. Aber gegen diese sprach zuriächst schon die Haltung der türkischen Regierurig der jüdischen Einwanderung gegenber. Auch ist ja die europäische Türkei bereits relativ stark besiedelt, er Grund und Boden durchaus nicht billig. Ferner schienen uris ene Erfahrungen, welche andere, namentlich deutsche Eolonisten dort emacht haben, gleichfalls bedenklich; sie gingen hauptsächlich an der Dillkür des Beamtenthums, dem Mange! an Rechtsicherheit zu Grunde. Endlich die Unsicherheit der politischen Zukrinst dieser Landstriche!!echt oft wurden wir auch aus die römische Lampagna aufmerk, tm -gemacht.!vir waren der Uleinung, wenn das ginge, so müßten s unsere italienischen Freunde machen, nicht wir. Sehr tiachdrücklich ourde endlich von piner Seite Spanien einpsohlcn. Aber die Derren lntragsteller gingen weniger von sachlichen Gründen aus, als weil e darin eine Art Witz der Weltgeschichte fanden: gerade weil die ^uderi einst aus Spanien verjagt worden sind, sollten sic nun dort ii:e peimath finden. Run, m. 6., ich glaube, es ist sehr schön, wenn ie Weltgeschichte spontan einen solchen Witz inacht; aber ,nan soll hn nicht mit dem Gut und Blut anncr Leute künstlich insceniren vollen (Beifall). Uns scheint Spanien vollkommen ausgeschlossen, chon im pinb'iick aus eine Reihe materieller Derhältnisse, noch inehr, oenn wir die überaus starke antiseiiiitische Strömung erwägen, die creits beute' dort besteht, wo die Zahl der Juden eine geringe ist md trotz des makellosen Dcrhaltens dieser wenigen. Diel häufiger .Is unser Et^dlbeil wird Australien genannt, und die Gründe, welche ie Freu.i'lüe dieses Projects aiiführen, stild nicht kurzweg abzuwei>en. Iber. ,'oezüglich Australiens glauben wir, daß es unsere englischen freunde dort ernstlich versuchen feilten, wir können's nicht. was Ifrika betrifft, so haben wir a» Tripolis und Marokko, wie Sie ich denke:: könucil, mein gedacht. Wiederholt wurde uns Algier und Lunis propouirt.!venn dorr etwas zu machen ist. so kami es nur on Paris aus geschehen. Roch öfter wurden wir auf Aegypten angewiesen, aber auch in diesent Lande köwiten nur die Juden jenes Reiches operireu, dessen Schutzgebiet cs ist, also die Engländer.! Madiaii hat bereits seinen Pfleger gefunden — mit welchem Erfolg, i wird die Zukunft lehren. Richt übergehen will ich die Empfehlung! für die Barka, die alte „Eyreuaica", die der Türkei untersteht. Dieie Empfehlung kam von so ernstlich wohlmeinender Seite, daß wir uns näher infocmirteu. Das Resultat war nicht günstig. Es herrschen da sehr traurige Wirthschafts- und Rechtszustände. Ferner könnte nach Einsicht von Autoritäten dort die Landwirthschast nur bei ganz ungemeiner Erfahrung und Tüchtigkeit der betreffenden Ansiedler nutzbringend sein. Endlich aber ist der Boden schon jetzt trotz aller Derwahrlosung ein ziemlich tbeurer; wenn man gut kauft, kostet 1 pekiar etwa 8» Mark. Gegen Mittel-Afrika spricht selbstverständlich das Klima fein Dero; betreffs Süd-Afrika's hingegen find wir allerdings der Meinung, daß dies Land ernstlich in Betracht zu ziehen wäre, doch könnte auch dies entschieden nur von England aus geschehen. Run zu Asien. Das ineistgenannte Land ist Palästina und Transjordanien. Um dieses Eolouisationsziel ist ein überaus heftiger Streit entbrauut. Ls ist dies ein Kampf der weltauschauung, der gesammten religiösen, politischen, nationalen Anschauungen unter den Juden geworden. Ich habe hier, in minner Eigenschaft als Referent, nicht das Recht, in diesen Kamps eiiizutreten. Aber es ist meine Pflicht als Referent, Ihnen zu sagen, warum unsere Kommission es abgelehut hat, die Frage überhaupt unter dem Gesichtspunkte der Weltanschauung zu behandeln. Erstlich deshalb, weil ein Kampf der Weltanschauungen ein niemals zu schlichtender ist. Pier giebt es kein vermitteln, kein Aeberzeugen. wir aber wollten einträchtiges wirken. Zweitens sind wir überzeugt, daß da. wo die Weltanschauung in's Spiel kommt, die (Objektivität in der Beurtheikung der rein fachlichen Momente gefährdet ist. wer wollte leugnen, daß heute Unzählige von vorn herein für Palästina und gegen Palästina find, eben well cs sich um die einstige religiöse und politische Stammesheimath handelt, die es nach der Anschauung Vieler wieder werden sollte? Ein blindes Für oder Gegen aber erschwert die Beurtheilung der rein sachlichen Momente. Drittens glaubten wir deshalb, eine Ansrollung der gesammten palästinensischen Frage in unserer Kommission vermeiden zu sollen, aber auch vermeiden zu dürfen, weil wir nicht mit der Beantwortung der Frage beauftragt sind, ob Inden etwa aus eigene Kosten nach Palästina auswandern sollen oder nicht, sondern einzig mit der Beantwortung der Frage: Ist Palästina jenes Land, welches wir unfern Auftraggebern als das für Anlegung fein er Ko lonie bestgeeignete empfehlen können, oder müssen wir ein anderes Land für diese Kolonisation vorziehen? wir haben die Antwort sehr sorglich erwogen, ihrer Wichtigkeit. wie des äußeren Umstandes wegen, weil zahlreiche Petitionen russisch-jüdischer vereine, Palästina betreffend, an uns gelangt sind. Die Aufmerksamkeit, mit der wir dieselben prusten, war deshalb keine geringere, weil die Voraussetzungen, unter welchen der größte Theil der Petitionen gerade au uns gelangte, irrige waren. Die Petenten waren nämlich dcr Meinung, daß wir der gesammten Iudenschast bezüglich der Kolonisationssrage Anträge zu unterbreiten beauftragt seien, daß es sich dabei nur um die Frage: „Rordamerika oder Palästina" handle, daß sich die gesammte doutscve Iudenschaft für Rordamerika entschieden, und daß es sich irr letzter Stunde darum handle, dieses Projekt über den Pausen zu werfen und Palästina an seine Stelle treten zu lassen. Dieser Irrthum war zum Theil durch eine dreiste, fette Zeitungsente hervorgerufen. Knapp nach der ersten Dclegirten-Derfammlung vom 9. Juni brachte nämlich ein sonst sehr vorsichtig redigirtes Berliner Blatt einen höchst kuriosen Bericht über den verlaus dieser Versammlung. Dort wurde u. A. erzählt, daß die palästinensische Frage der Pauptgegenftand Ser ersten Konferenz gewesen und daß die Dinge sich so gestaltet: die Engländer und Franzosen hätten mit aller pingebung. aber ohne jeden Erfolg für Pa lästina gestritten, während die Deutschen mit Ungestüm dagegen zu Felde gezogen wären. Aber dieser Sieg der Deutschen sei kein vollständiger gewesen, well die Engländer und Franzosen die Einberufung einer zweiten Konferenz dnrchaesetzt Härten, welche erst desinitiv darüber entscheiden werde, ob Jerusalem oder Row-Pork das Endziel fein hlle. Run, m. p., diejenigen von Ihnen, die dem ersten Dclegirtentage angewohnt haben, wissen, daß der Verfasser dieser Zeitungsnotiz sich da nicht als Berichterstatter bewährt hat, sondern als Fabeldichter. Ls ist von all dem auch nicht eine Silbe wahr. Pa-