Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1891)
- Date
- 1891-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1686 schließlich auch das Gesetz über die Ausländer in wesentlich milderer Gestalt erscheinen, als es aus der unter Vorsitz des Staatsrats Plehwe arbeitenden Kommission hervorgegangen ist, jedoch wird eine möglichste Erschwerung des Uebertritts von Ausländern in den russischen Unterthanenverband angestrebt. Odessa, 28. Oktober. In einer seiner Predigten während der vergangenen hohen Feiertage hat der Chacham der berühmten Karäitengemeinde von Dschufut Kaleh (Josaphat's Thal Dsnrp pcy) in der Krim seine Gemeinde aufgefordert, stets eingedenk zu sein der Worte des Propheten: Nt>n uwTttt 28, daßKaräiten (owp)u. Rabbaniten (now miDon) nur einen einzigen Stammvater haben und mögen daher Erstere sich jetzt beeilen, den so hart vom Unglücke betroffenen Judenj des russischen Reiches, Hilfe und Trost zu bringen. Zugleich ermahnte er seine Gemeinde nie zu vergessen, daß die Herrscher des russischen Reiches stets den Karäiten wohlgesinnt waren und auch der Czar Alexander IH mache hierin keine Ausnahme, da er auch diese jüdische Secte unter seinen besondern Schutz genommen habe d'ijd nru ^82 uw, so daß alle ihre Mitglieder fortwährend ruhig, glücklich und zufrieden im russischen Reiche leben können und keine Verfolgungen zu befürchten haben. Amerika. Ottawa, 29 Oktober. Der Landwirthschaftsminister hat den ersten Schritt zur Einschränkung der Einwanderung hülfsbedürftiger russischer Inden gethan, indem er den Generalanwalt um Unterzeichnung einer Proclamation ersucht hat, durch welche die Bestimmung des Einwanderungsgesetzes in Bezug auf das Verbot der Landung von hülssbedürftigen Einwanderern in Wirksamkeit gesetzt werden soll. Der Juftizminister hat jedoch vorläufig ersucht, keine entscheidenden Schritte zu thun, bis man die Entscheidung der amerikanischen Bundesgerichte in einem jetzt schwebenden Fall kennt, in welchem der Begriff „armer Einwanderer" (xauper iwwixrant) definirt werden soll. Rach Ansicht des Juftizminifters müßte nämlich ein Einwanderer, um als „Pauper" behandelt werden zu können, erst betteln gehen, und um dies zu thun, müßte er wiederum erst landen, so daß also das Verbot der Landung von „Paupers" (xauper Immigrant) gewissermaßen in der Luft schweben würde. Es ist daher zweifelhaft, ob auf Grund des jetzt bestehenden Einwanderungsgesetzes irgend etwas geschehen kann, und es heißt bereits, daß das Parlament sich damit beschäftigen wird, eine Beschränkung der Einwanderung russischer Juden zu ermöglichen. %$abbatai Demi. Historische Erzählung von Vrn?l Ackn-ar-. (Fortsetzung.) Frühling war's, die Natur war aus langem Winterschlafe erwacht zu neuem frischen Leben, alles grünt und knospet, selbst in den nordwärts gelegenen Ländern wölbte sich ein nahezu wolkenloser Himmel über den lachenden Fluren. In den Laubgängen des Gartens, der sich hinter dem Wohnhause Rabbi Juda Toledo's weithin erstreckte, jubilirten gefiederte Sänger. Auch eine Nachtigall hatte dort ihr Nest gebaut, und oft in sternenhellen Nächten lehnte Tirza in dem geöffneten Fenster ihres Stübchens und lauschte dem süß melodischen Flöten des unscheinbaren Vogels. Jetzt aber saß sie neben ihrer Mutter in der Jasminlaube in traulichen Gesprächen vertieft, während ihre gewandten Finger phantastisch durchbroch-me Blumen auf schneeigem Leinwand zauberten. Das schöne Mädchen war noch schöner geworden, seit wir sie im vorigen Jahre verlassen, ihre Augen strahlten noch sonniger, das Jncarnat ihrer Wangen zeugt von Gesundheit und Frische und um ihre seingespaltenen Lippen spielte weit öfter als ehedem ein heiteres, glückliches Lächeln. Beide unterhielten sich in gemächlicher Weise. Plötzlich erstarb Tirza das Wort im Munde, mit weit aufgerissenen Augen starrte sie nach der Richtung, die zu dem Eingang des Gartens führte. Dort auf dem mit kleinen Muscheln bestreuten Pfade, der zu der Laube führte, schwankte Baruchs schattenhafte Gestalt einher auf des Bruders Arm gestützt. Rabbi Juda, der in den Garten gekommen, eilte den jungen Leuten entgegen. „Willkommen! herzlich willkommen! mein lieber, lieber Junge", sagte er, den Heimgekehrten umarmend, „das heißt überraschen. — Aber die Reise scheint Dich sehr angestrengt zu haben, hast vermuthlich von der Seekrankheit viel gelitten. — Nun, das wird mit Gottes Hilfe bald wieder gut werden. Komm, setze Dich." Auch Dina hat den Neffen freundlich gegrüßt, dieser hatte jedoch die Begrüßung seiner altern Ver-