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Der Israelit · 1891-11-16 · Heft 89 (16.11.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 89 (16.11.1891)
Date
1891-11-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1675 Berlin. Die Gebetbücher für die Neue Synagoge in der Lindenstraße sind, wie der Synagogenvorstand in hiesigen Blättern veröffentlicht, bei einem Herrn Jnlius Sittenfeld zu haben. Unsere hebräischen Buchhandlungen, die Sonnabends geschloffen haben, leiden nicht an Ueberfülle von Beschäftigung, könnten also auch diese Besorgung übernehmen. Allerdings haben sich die Herren Sittenfeld um unsere Glaubensgenossen vielfache Verdienste erworben. Einer der Herren war Schatzmeiftcr des Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger Christen aus Israel. N. Altona, 3. November. 12 mittellose israelitische Rückwanderer trafen heute Nachmittag mit dem Dampfer „Capella" von Newyork über London hierein. Die Leute wurden vom Hülfscomitö übernommen und bis zu ihrer Weiterbeförderung in die Heimath in einem Logirhause untegcbracht. Oldenburg. Sr. Kgl. Hoheit der Großherzog von Oldenburg hat den Großherzogl. Landesrabbiner Dr. Mannheimer in halbstündiger Audienz empfangen, und sich sehr eingehend über die jüdischen Verhältnisse im Großherzogthume erkundigt. Schwabach, 4. November. Heute ist Herr- Gr ü n b a u m, Cultusvorstand hier, nach Nürnberg übergesiedelt und wird der Verlust dieses Mannes hier allgemein empfunden und bedauert. Denn Herr G rü n b au m , ein Mann von scharfem Verstände und eminenter Arbeitskraft, ist ein non rb'M tya und d'b» n*vi rvnn p im cigentl. Sinne des Wortes, der jedem mit Nalh und That beiftand. Er ist bma unb war seit mehreren Jahren nVen byi an den ,0'K-flan ebenso ypn ^; seit mehreren Jahren war er Kassier, dann Cultusvostand hier und Vorstand des y>vbv rva bv b'b* und versah alle diese Aemter mit Umsicht, Gewissenhaftigkeit und in selbstloser Weise. Als Cultusvorstand verdankt ihm die Israel. Gemeinde hier materiell sehr Vieles und er bewirkte cs, daß die städtische Gemeinde für den Religionsunterricht Lokal und Beheizung stellt und einen jährlichen Beitrag von Mk. 100 an die jüd. Gemeinde beisteuert. Durch Klugheit, Offenheit und unparteiisches Vorgehen ist cs ihm gelungen den Frieden in der Gemeinde während der ganzen Zeit seiner Vorstandschaft aufrecht und Ruhe und Ordnung während des Gottesdienstes zu erhalten. Sein Verdienst war cs zunächst. Mittel zu beschaffen zur Restauriruug des ycby rra in G e - orgensgmünd, welches sich in sehr mißlichen Zuständen befand und neue Statuten für den bw zu entwerfen. Herr Grün bäum hatte auch die Kasse für durchreisende, jüd. Arme; die Armen waren seine Hausgenossen und er sorgte auch dafür, daß dieselben auch bei andern Leuten Unterkunft und Beköstigung erhielten. Bei all diesen guten Werken stand ihm seine fromme und biedere Gattin als wahre Gehilfin zur Seite. Die hiesige isralitische Gemeinde wußte aber auch die großen Verdienste ihres Vorstandes gebührend zu würdigen; denn am vergangenen Freitag Abend überraschte die Mehrzahl der Gemeindemitgliedcr Herrn Grünbaum in seiner Wohnung, überreichten ihm einen prächtigen silbernen Pokal und drückten mit warmen tiefgefühlten Worten den Dank der jüdischen Gemeinde aus. In welcher Achtung Herr Grün bäum bei seinen nichtjüdischcn Mitbürgern dahier stand, geht daraus hervor, daß derselbe in das Gemeindekollegium und zum Vorstand der freiwilligen Feuerwehr gewählt worden ist. Der Vorstand des Gemetndekollegiums sprach in öffentlicher Sitzung Herrn Grün bäum den Dank der Gemeinde für sein ersprießliches Wirken im Dienste der Gemeinde aus und das Gemeindekollegium gab seine Zustimmung durch Erheben von den Sitzen zu erkennen. Die beiden städtischen Kollegien veranstalteten Herrn Grünbaum zu Ehren eine Abschiedsfcier, bei welcher Gelegenheit Herr Bürgermeister Bohl und Herr Landrath Wiesner Herrn Grün bäum feierten und sein objektives Wirken und seine eminente Arbeitskraft besonders hervorhoben, und die freiwillige Feuerwehr ehrte die Verdienste ihres scheidenden Vorstandes durch Ueberreichung eines Diplom's als Ehrenmitglied. Man sicht also, daß man streng gläubiger Jude sein und dennoch in großer Achtung bei seinen nichtjüdischen Mitbürgern stehen kann; ferner, daß der Antisemitismus G. s. D. hier keinen Boden hat und daß hier Frieden und Eintracht zwischen den verschrcndenen Konfessionen herrscht. Möge Herr Grünbaum in seinem neuen Domizil die Liebe und Hochachtung finden, die er sich in so hohem Maaße erworben hatte und möge er und seine werthe Familie stets recht glücklich sein: der Dank und die jbesten Wünsche der Bewohner Schwabach's werden ihn stets begleiten. -£• Vermischtes. -4- Berlin, 28. Oktober. Den Anregungen von Seiten der 75er Commission *) folgend versendet der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde alljährlich einen kurzen Rechenschaftsbericht, dem wir Nachfolgendes entnehmen : Aus den Gcmeindcbcschlüssen ist als bcmerkcnswcrth hervorzuhebcn, die Einsetzung einer gemischten Vorberathnngs-Commission für Revision des G c - *) Dieselbe scheint dem seligen Schlaf der Gerechten anheimgefallen zu sein. Sinnt, d. Corr.

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