Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1891)
- Date
- 1891-11-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1669 Katholiken, 917 Israeliten, 82 anderen Glaubenskenntniffen Angehörende. □ Augsburg, im Oct. In ganz Württemberg ergab die Sammlung für unsere bedauernswerthen russischen Brüdern und Schwestern nur ca. 15000 M. I alfo ttodj nicht einmal das Maaß er von dem, was einzelne Städte in anderen deutschen Bundesstaaten allein geleistet! □ Ansbach, im November. Der von dem Herrn Distriktsrabbiner Aron Bär Grünebaum in Ansbach mit seinem anläßlich seines fünfzigjähr. Amtsjubiläums von den Kultnsgenossen des Rabbinatsbezirkcs ausgebrachten Kapital von 1100 M. gegründeten Stipendienstiftung zu Gunsten dürftiger Studirender, vorzugsweise der jüdischen Theologie und des Lehrfaches, aus denk Rabbinatsbezirke Ansbach, (in zweiter Linie aus anderen Rabbinatsbezirken, zunächst Mittelfrankens), unter dem Namen „Rabbiner Grünbaum'sche Stiftung für Studir ende" ist die landesherrliche Bestätigung ertheilt worden. Frankreich. Paris, 12. Nov. Der Deputirte Laur interpellirte über die finanzielle Krisis und klagte den Finanzminister Rouvier an, er liefere die Finanzen Frankreichs den Juden und den fremden Anleihen aus. Laur verlangt die Ausweisung der jüdischen Bankiers. Rouvier erwiederte, er werde auf einen derartigen Vorschlag nicht antworten. Eine Goldentziehung sei in Frankreich nicht vorhanden, der Goldbestand der Bank von Frankreich sei vollständig normal, die Finanzen Frankreichs würden mit Klugheit und Anstand geleitet. Er werde sich nicht so weit erniedrigen, mit Laur darüber zu diskutiren. Was das Haus Rothschild angehe, welches Laur beschuldige, aus eine günstige Gelegenheit zu warten, um seinen Sitz außerhalb Frankreichs zu verlegen, so dürfte es doch nicht im Interesse Frankreichs liegen, den Pariser Markt eines so mächtigen Faktors zu berauben. Die Kammer nahm hierauf mit 431 gegen 32 Stimmen die einfache Tagesordnung an, welche die Regierung für annehmbar erklärte. Sodann wurde die Berathung des Budget wieder ausgenommen. England. London, 13. November. Mit der heutigen Nummer ist der dahier erscheinende „Jewish Chronicle“ in seinen 50. Jahrgang getreten. Aus diesem Anlaß hat derselbe eine überaus reiche und schön ausgestattete Ausgabe veranstaltet, in der die Geschichte des Blattes geschildert ist und zu der die hervorragendsten jüdischen Gelehrten Englands werthvolle Beiträge betreffend jüdische Verhältnisse auf allen Gebieten geliefert haben. „Jewisli Chronicle“ ist die verbreitetste jüdische Zeitung in England und erfreut sich in den jüdischen Kreisen des britischen Reiches großer Sympathie. Wir wünschen demselben weitere gute Erfolge. Türkei. Adrianopel. Wir berichteten bereits von einem Vorgang, welcher in Mustapha-Pascha, in der Nähe von Adrianopel, bei Gelegenheit des Selbstmordes eines bulgarischen Fleischers, Namens Stefan stattgefuuden hat. Ein Diener dieses Fleischers beschuldigte dreizehn Israeliten, Stefan gemordet und hernach seine Leiche in den Fluß geworfen zu haben. Elf Israeliten wurden festgenommen und eine Untersuchung von den Behörden in's Werk gesetzt. Dem CentraEComitH des „All. Jsr." wird diesbezüglich geschrieben: Die elf Israeliten, die in der Stefan'schen Angelegenheit sestgenommen wurden, sind noch im Gefängniß, und das Elend, in welchem sie und ihre Familien sich befinden, ist unbeschreiblich. Sie fallen der ohnehin schon so armen Bevölkerung von Mustapha-Pascha zur Last. Die israelitische Bevölkerung von Adrianopel ist nicht in der Lage, Hilfe zu leisten. Bei Gelegenheit des letzten Bairamfestes besuchte ich Fehmi-Effendi, Präsidenten des Eriminalgerichtshofs; er ist überzeugt, daß die festgenommenen Israeliten das Opfer der Verleumdung sind, und hat mir versichert, daß sobald die Verhandlungen begonnen haben, er sich Mühe geben wird, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Alle Schriftstücke, die sich aus die Untersuchung in Mustapha-Pascha beziehen, sind bei der Anklagekammer schon eingelausen. Der bulgarische Diener, der einzige Belastungszeuge, ist in Adrianopel noch einmal vorgeladcn worden. Es heißt, daß dieser Zeuge Geständnisse abgelegt hat, und man hofft, daß die Gefangenen demnächst in Freiheit gesetzt werden. Einige notablen Israeliten der Gemeinde zn Adrianopel haben bei den Gerichtsbehörden Schritte gethan; diese lebten: haben uns über den Ausgang des Prozesses beruhigt, und haben uns zu verstehen gegeben, daß sie die Gerichtsverhandlungen nur eröffnet haben, um die überreizte Bevölkerung zu beruhigen. Am Montag, den l4. September hat bereits eine öffentliche Verhandlung stattgefnnden und haben mehrere Zeugen zn Gunsten der Verklagten ausgesagt. Das Central-Comits hat den Familien der Gefangenen zu Mustapha Hilfe gespendet. Die linkische Regierung wird sicherlich die erforderlichen Maßregeln treffen, um diese Erregung zu dämpfen und Acht in die Sache zu bringen. Man darf in die wohlwollenden Gesittungen derselben volles Vertrauen setzen. Vermischtes. «4- Aus der Provinz Sachsen. In der Personalchronik des Oberlandsgerichts Naumburg a. S. lieft man: „Ter Referendar Schneiderwirth ist ans dem Instizdienstc entlassen." Man wird nicht fehlgehen, so