Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1891)
- Date
- 1891-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1668 hochwichtigen Fragen zu erledigen, ehe der gewählte Dr. Gutmann-Hildesheim seinen Einzug hält. Welch aufrichtige Sympathien Herrn Dr. G. für unser Gemeindeamt empfindet, beweist der Umstand, daß der genannte Herr Geistliche sich vor Jahren mit derselben Freudigkeit um den Posten des conservativen Rabbiners an Stelle des sel. Tiktin bewarb Nun taucht hier — nach dem edlen Beispiele der Residenzler — die Frage der Einführung eines Domchors aus. Man besorgte, daß derselbe Seelsorger, der ehemals couservative Anwandlungen hatte, gegen diesen „Fortschritt" Front machen werde, darum wurde ihm das Gelöbniß abgenommen über min tum« bip k. 3c. zur Tagesordnung hinwegzufchreiten. Um der Breslauer Großgemeinde willen kann man einige §§. des Schulchan-Aruch pretsgeben. — Doch den heißspornigen Reformern ist damit noch lange nicht gedient. Es gilt nunmehr die Verleugnung der wLv nb'D zu sanktioniren. Der neue Herr Rabbiner, der sich vor Jahren noch zu den „Alten" zählte, soll die Einsegnung der in den oma« nna N ich teingetretenen vollziehen. Das wäre nichts anderes als ein Preisgeben der Thora, der Quelle unseres religiösen Lebens. — Ob die Breslauer Pfründe soviel Anziehungskraft üben wird, daß man um ihretwillen eine Säule der israelitischen Religion in Trümmer schlagen wird, das ist bisher noch unentschieden. Hoffen wir, daß die Charakterfestigkeit über die Sucht, eine besser dotirte Stelle zu erhaschen, siegen wird. A. Frankfurt a. M., 6. November: Vorgestern Abend fand hier wiederum eine Sitzung desComitSs für die nothleidenden russischen Juden statt, zu welchem diesmal sämmtliche Herren, die sich s. Zt. an dem hochherzigen und mühevollen Werke der Sammlung von Beiträgen betheiligt hatten, Einladungen erhalten hatten. Nachdem Herrn E m a n u e l Schwarzschild, Präses der israel. Religionsgesellschaft, der Vorsitz übertragen worden war, begrüßte elfterer die zahlreiche Versammlung — etwa 60 Personen — und gab dann das Wort Herrn Rechtsanwalt Plotke zur Rechnungsablage über die bisher eingegangenen Spenden. Es ist ein erfreuliches, wohlthuendes Bild, das von genanntem Herrn entrollt worden ist, und, — wenn etwas geeignet ist in so schwerer, herber und thränenvoller Zeit unser Gemüth aufzurichten, und zu erheben, — so ist es die geradezu überraschende Höhe der Beiträge, welche hier in Frankfurt, der dw yy erreicht worden ist. Beinahe eine halbe Million Mark sind gesammelt worden, von welchen bis jetzt Mk. 220,000 verwendet worden sind. Nach dem Bericht des Herrn Plotke wird das Comite nach wie vor mit der Bertheilung behutsam Vorgehen, und nur da helfend eintreten, wo das Elend und das Loos der unglücklichen Ausgewiesenen am härtesten ist. Aus Baden. Sie haben unlängst darüber berichtet, wie Liebcrmann v. Sonnenberg in Lahr eine Antisemitenversammlung abgehalten hat. Als Antwort, wie man in Lahr über solche Hetzereien denkt, verdient das Folgende registrirt zu werden. Bei der Einweihung der Friedrichsschule daselbst, hielt Herr Kreisfchulrath Bauer eine gedankenreiche Rede, in welcher er hauptsächlich die Frage erörterte: „Was will die Schule und vor allem die Volksschule?" Nachdem er über die verschiedenen Aufgaben der Schule gesprochen hatte, sprach er auch von der religiösen Erziehung. Und hier sprach er unter anderem: „ Er (der Lehrer) wende sich an das innerste Gemüthtsleben der Kinder und schaffe hier Wärme und Begeisterung für das Hohe und Heilige; er lege sein Hauptgewicht auf die Erzeugung eines geläuterten und religiösen Gefühls und einer duldsamen, humanen Gesinnung. Und möchten doch auch die Lehrer, die vermöge ihres Berufes hier an dieser Schule das religiöse Leben zu pflegen haben, an ihrem Theile dazu beitragen, daß diese Räume, in denen sich die verschiedenen Confessionen friedlich zusammenfinden, Pflanzstätten religiöser Duldung und brüderlicher Liebe w erden". Stuttgart. Sr. Majestät der König haben den Hinterbliebenen des Uhrmachers Levi dahier Allerhöchst Ihres langjährigen Lieferanten, die allerhöchste Theilnahme aussprechen zu lassen geruht. □ München. Das genaue Ergcbniß der Volkszählung in München vom 1. Dezember 1890 wurde nunmehr veröffentlicht. München zählte am genannten Tage 349024 Einwohner. Von diesen waren 100799 männliche und 105490 weibliche, zusammen 215,289 ledig, 55486 männliche und 55607 weibliche, zusammen 111089 verheiratet, 4257 männliche und 17545 weibliche oder 21802 Personen verwittwet, 333 männliche und 511 weibliche, zusammen 844 Personen geschieden. Der weitaus überwiegende Theil, nämlich 83,81% bekennen sich zum Katholizismus, 13,98% sind Protestanten, l,75°/0 Js raeltten, 0,46°/0 gehören anderen Bekenntnissen an. München zählt demnach 292487 Katholiken, davon 138638 Männer, 153849 Frauen, 48104 Protestanten, 26487 männliche und 21618 weiblichen Geschlechts, 6108 davon 2362 männliche und 2746 weibliche Israeliten. Hi Nürnberg, 2. Nov. Die Gesammtzahl der Schüler hiesiger Schulen und Lehranstalten ist gegenwärtig 26,233 19,767 Protestanten, 5417