Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1891)
- Date
- 1891-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448204--33108-2480985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und zum erbitterten Verntchtungskampfe gegen es zu Felde zogen. Wahrlich, es steht uns, den Söhnen und Enkeln jener um das Heiligthnm Israels und der Mensch' heit besorgt ausschauenden Männer, nicht an, sie um dieser Besorgniß gering zu schätzen, sie geistiger Beschränktheit zu zeihen. Nicht sie hatten es verschuldet, daß sie unvermögend waren, der Bildung und Wissenschaft eine gerecht wägende Beurtheilung angedeihen zu lassen. Ihnen war durch die politische Absperrung der Matzstab zur Würdigung nicht zugängig geworden; sie sahen nur die Verheerung, die der Anschluß an das allgemeine Geistes- und Bildungs-Streben in ihren Reihen herbeiführte. Sie glaubten in der That sich vor die Alternative gestellt: entweder Verzicht auf die väterliche Religion oder Verzicht auf allgemeine Bildung und Wissenschaft. Da konnte es für sie kein Zaudern geben, sowenig wie es für uns keines Augenblicks der Ueberlegung bedürfte, wenn es in Wirklichkeit nur ein solches Entweder-Oder geben sollte. Aber, dem Herrn sei Preis und Dank dafür, ein solcher ausschließender Gegensatz ist nicht vorhanden. Daß wir, die Enkel, zu dieser Erkenntniß gelangt sind, ist wahrlich nicht unser Verdienst, das verdanken wir den großen Männern, deren Auge Gott erleuchtet hat, daß sie das Wahre, Reine und Edle — das echt Jüdische — in der allgemeinen Bildung und Wissenschaft von den Schlacken der Trübung und des Falschen zu unterscheiden vermochten und uns Lehrer und Meister geworden sind, die uns die Pfade der min und des pw yn erschlossen und als leuchtende Vorbilder uns vorangewandelt sind in unentwegter Gesetzestreue auf der Höhe allgemeiner Bildung und Wissenschaft. Und in der That gibt es kein größerer Jrrthum als die Annahme, daß irgend eine wirkliche Wahrheit, daß echte Bildung und Wissenschaft mit der jüdischen Lehre und den Gesetzen des Judenthums im Widerpart stehen könnten, noan nN*v, ist doch die Grundlage der Weisheit, und somit auch aller wahren Wissenschaft und jeglicher wahren Bildung, die Gottesfurcht, die wahre Erkenntniß Gottes und Seines heiligen Willens. Darum kann der wahrhaft gottesfürchtige, gesetzestreue Jude keiner Erkenntniß, keinem Bildungsstreben, feindlich gegenüberstehen, wenn diese Erkenntniß und dieses Streben in Wirklichkeit auf dem Boden der Gottesfurcht, der Gotteserkenntniß, sich erbauen und einen Beitrag zur geistigen und sittlichen Veredlung des Menschenwesens gewähren. Zum Priester der Menschheit hat Gott Israel bestellt. Alles Reinmenschliche, Edle und Gute wird darum auf die eifrigste Förderung seitens des Juden zu zählen haben. Dem Munde jüdischer Weisheit entstammt darum die Mahnung moN» 'vv no«n sich jeder Bestrebung anzuschließen, die die Erkenntniß der Wahrheit zum Ziele-chat, und sich jeden wahren Gedanken, jede wahre Bildung anzueignen, woher solche auch immer stammen. Denn jede Wahrheit stammt von Gott und führt zu Gott, und das Judenthum ist nichts anders als die von Gott geoffenbarte Wahrheit von der echten Bildung des Menscheuwesens. nun' Nim na np» r»Ki w'N idn» p'^i, Alles wahrhafte Edle und Gute hat seinen Urborn in dem Geiste des von Gott geoffenbarten und dem jüdischen Stamme zur Hut und Lehre für die Menschheits-Erziehung anvertrauten Gesetzes. „Jeder, der nur irgend zu nennen ist, Jeder ist dort geboren, kann man von Zion sagen," heißt es in Hirsch's Psalmen-Komemntar 87, 5, „Zion ist die Mutter jeder geistigen Größe, die in Israel gelebt und gewirkt hat, — ja wir können heute sagen — jede geistige Größe, die auch weit über Israel hinaus wahrhaft bildend und erleuchtend im Kreise der Menschen gelebt und gewirkt, deren geistige Wiege hat — bewußt und unbewußt — in Zion gestanden, Funken des Wortes aus Zion waren es, die ihren Geist und ihr Gemüth entzündet und sie zu seinen Herolden an die Menschheit geweiht- Gott erhält Zion in dieser Stellung als geistige Mutter." Je inniger und treuer der Jude somit seine Aufgabe als Jude erfaßt, desto freudiger wird er auf jede echte Bildung und Wissenschaft Hinschauen, die im Kreise der Menschheit zur Blüthe gelangt, desto inniger und treuer wird er sich jeder Bestrebung anschließen, die zu solcher Bildung und Wissenschaft führt. Der gesetzestreue Jude wird darum als der bildungsfreudigfte Bürger sich bewähren. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 15. Rov. Wir haben Vorsorge getroffen, daß der Theil der Verhandlungen der Berliner Delegirtenversammlung für das russische Hilfswerk, welcher von uns noch nicht zum Abdruck gebracht wurde, anstatt in Fortsetzungen, in der nächsten Donnerstagsnummer auf einmal zu Händen unserer geehrten Leser gelange. Mainz, 15. November. Wie ein Regen nach langer, langer Dürre kamen den Antisemiten der Zusammenbruch zweier Berliner Bankhäuser, deren Inhaber den Namen nach dem Judenthum noch angehörten. Nachdem die Histörchen Manche, Ltebmann, Bleichröder derart bis zum Ueberdruß abgenutzt waren, daß selbst der eingefleischteste Judenfresser bei Nennung dieser Namen ein Gähnen