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Der Israelit · 1891-11-16 · Heft 89 (16.11.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 89 (16.11.1891)
Date
1891-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Mm. IsraelitJeschum«. Mstzüst M Mnm D. GM« lllli, m. Itktts in Am«. «emMt m Mit. Aentrat-Hrgan für das orthodore Iudentßum. Begründet von Br. Lehman» in Mainz. MF* Ferusprechanfchluß unter Nr. 315 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Bockenheim, Hanau, Wiesbaden, "Ba Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Montag, den LS. November 5SSS (L8SL). Leitender Artikel. Wahre Bildung. Von Isaak Hirsch. Die wesentliche Aufgabe der Journalistik besteht in der Verbreitung, Vertiefung und Klärung derjenigen Begriffe, welche den Ausgangspunkt zeitgenoffenschaftlicher Bestrebungen bilden. Sie kann sich deshalb keineswegs darauf beschränken, eine! Wahrheit ein Mal ausgesprochen zu haben; sie hat vielmehr dieselbe unermüdlich zu wiederholtem Ausdrucke zu bringen, bis deren Erkenntniß nicht nur in weite Kreise gedrungen, sondern hier auch gestaltende Kraft gewonnen hat. Eine Zeitschrift ist kein Lehrbuch, das auf ein eingehendes Studium rechnen kann und immer wiederum zur Hand genommen wird. Den losen Blättern wird oft nur eine flüchtige Lektüre gewidmet. Sie zerstieben nur allzu schnell und fallen der Vergessenheit anheim. Aber sie tragen die Gedanken-Aussaat weithin, wohin das schwere Buch kaum jemals gelangt, und hier und dort fällt doch ein Körnlein auf empfänglichen Boden und gedeiht zur fruchtbringenden Entwickelung. Die erhabene Wahrheit, in deren Dienst sich diese Zeitschrift gestellt, die Vermählung echter allgemeiner Bildung und Wissenschaft mit echt jüdischem Geiste und Leben, ist noch nicht zur allgemeinsten Anerkennung im jüdischen Kreise gelangt. Sie findet noch immer Widersacher und Zweifler. Und wenn es auch gottlob durch hundertfältige Thatsachen erhärtet ist, daß der Jude in begeisterter, opferfreudiger Hingebung der Erfüllung der speziell jüdischen Lebensaufgabe sich weihen kann und trotzdem — oder vielmehr richtiger, eben deshalb nicht nur als treuer Sohn des Vaterlandes in jeglicher Bürgertugend mit den andersgläubigen Staatsangehörigen zu wetteifern vermag, sondern auch nach der höchsten Vollendung des allgemeinen Bildungsztels zu streben befähigt ist, so begegnet man dennoch täglich der längst theoretisch und praklisch siegreich widerlegten Ansicht, als ob allgemein wissenschaftliche und soziale Bildung und ernste jüdische Gesetzestreue einander widerstrebende und sich gegenseitig ausschließende Potenzen wären. Es soll keineswegs von uns in Abrede genommen werden, daß man vor hundert Jahren etwa — und auch noch später, und auch wohl noch heutedort, wo der Gegensatz noch nicht zur Klärung gelangt ist—, als nach der Jahrhunderte währenden Abgeschlossenheit, in welcher die Juden, nicht durch ihre Schuld, sondern in Folge einer finstern, vorurtheilsvollen Gesetzgebung, zu leben verurtheilt waren, die Pforten der GheM sich öffneten und den Juden die Arena des allgemeinen Bildungsstrebens erschlossen wurde, in gesetzestreuen Kreisen diesem Bildungsstreben ein gewisses Mißtrauen und eine ängstlsche Besorgniß entgegentrug. Gewahrte man doch, daß die Jungen, von dem ungewohnten Glanze der allgemeinen Bildung und Wissenschaft, deren Macht sie ja die lang ersehnte Freiheit verdankten, geblendet, in dieser Bildung und Wissenschaft die höchsten Güter der Menschheit erblickten und, von deren Reiz angelockt, dem seit Jahrtausenden von der Treue der Väter ängstlich behüteten Schatze des jüdischen Heiligthumes den Rücken wendeten. Machte sich doch in jüdischen Kreisen der verhängnißvolle beklagenswerthe Jrrthum geltend, welcher seinen Ursprung vielleicht in der Thatsache fand, daß jene Bildung und Wissenschaft im außerjüdischen Kreise im Gegensatz zu der gepflegten religiösen Anschauung standen, als ob nicht äußerer Druck und äußere Beschränkung, sondern das Judenthum es sei, welches seine Bekenner solange von der Berührung mit der allgemeinen Bildung und Wissenschaft ausgeschlossenchabe. Und erzeugte doch dieser Wahn in den Jungen Mißachtung gegen die Religion der Väter, eine Geringschätzung, die sich bei Vielen zur^Verachtung, ja selbst zum Hasse und zur Feindschaft steigerte, so daß sie dem Judenthume offene Fehde erklärten

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