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Der Israelit · 1891-11-12 · Heft 88 (12.11.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 88 (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1654 befreien und seinem Amt und seiner Familie zu erhalten. Wer ihn retten hilft, hat sich um das Schulwesen wohl verdient gemacht. Der Unterzeichnete Banquier, eventuell auch die übrigen Comitä- Mitglieder nehmen jeden Beitrag gern entgegen." — Unter den Unterzeichneten dieses Aufrufes befindet sich auch Herr Manche. Der zartfühlende Ahlwardt hat damals also für sich sammeln lassen, und wir werden wohl nicht irre gehen, wenn wir die Vermulhung äußern, daß er das nöthige Geld von Christen, Juden, Mohamedanern, kurz von, allen genommen hat, welche bereit waren, ihr Portemonnaie zu Gunsten der Losbindung Ahlwardt'scher Bären zu öffnen. Wir wissen nicht, ob Herr Ahlwardt schon während dieser für ihn veranstalteten Collecte öffentlich als Judengeißel aufgetreten ist, oder ob er die Ausübung dieses erhabenen Berufes so lange vertagt hat, bis das Geld etngegangen und die Sammlung geschloffen war. Jedenfalls zeugt es von einer großartigen Vorurtheilslosigkeit, daß Herr Ahlwardt sich nicht durch den eingesammelten Mammon bestechen ließ, sondern mit ungetrübtem Eifer seine Rosinante gegen die jüdischen Wohlthäter spornte. Non ölet, meinte schon Stöcker, als er zu seiner Stadtmission reiche jüdische Bankiers Berlins steuern ließ. Nachdem sie gezahlt hatten, ging er hin und hielt eine kräftige Rede gegen die Juden. Es ist wirklich bewundernswert, wie edelsinnig sich die Antisemiten benehmen. Ein Mann wie der uneigennützige Ahlwardt hat allerdings unter der Gesellschaft noch gefehlt. Ahlwardt, Liebermann von Sonnenberg, Pickenbach — o Jahrhundert, welche Luft ist es, in Dir zu leben. Karlsruhe (Baden.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur beginnen die diesjährigen Wintervorträge am Sonntag den 14. November im großen Rathhaussaale. An diesem Abend wird Herr Rabb. Dr. Schiffer von hier über „Menaffe Ben Israel als Gelehrter und Vorkämpfer für die Wiederansiedlung der Juden in England" sprechen. Ferner sind im Laufe des Winters folgende Vorträge in Aussicht genommen. Dr. A. Kohut, Schriftsteller in Berlin, über „Alexander v. Humboldt und das Judenthum"; Rabb. Dr. Steckelm ach er in Mannheim über die „Stellung einiger neuerer Philosophen zum Judenthum". Dr.S ch w a rz, Rabb. in Karlsruhe, über „Baruch Spinoza"; Dr. H. Cohen, ord. Professor an der Universität in Marburg, über „die Messiasidee" und schließlich Dr. L ö w e n s e l d, Schriftsteller in Berlin, über „Die Judenfrage in Rußland". Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 31. Oktober. (Abgeordnetenhaus.) Abg. Kaas fragt, wann der Handelsminifter eine Verordnung in Betreff der Modisication des auf die Sonntagsruhe bezüglichen Erlasses zu veröffentlichen gedenke. — Handelsminister Baroß erwidert, es werde dies in kürzester Zeit geschehen, und zwar sobald die erforderlichen Daten gesammelt sein werden, diese Frage den Anforderungen des praktischen Lebens entsprechend gelöst und von allen Setten beleuchtet sein werde. Dies werde in Bälde der Fall sein. — Abg. Kaas findet diese Antwort nicht ausreichend, da oiese Frage angesichts des vor der Thür stehenden Winters dringender Natur sei. — Handelsminister Baroß erwidert, es sei ihm keinerlei Klage über so große Uebelstände, wie sie der Abg. Kaas geschildert, von Sette des Publikums zugekommen. Die vorherrschenden Anschauungen seien eben nur zu verschieden, wie denn auch die hinsichtlich der Sonntagsruhe eingeleiteten Agitationen ganz verschiedene Richtungen verfolgen. Es seien so viele controverse Fragen aufgetaucht, daß eine präcise Verfügung erst nach Beurtheilung der verschiedenen Anschauungen möglich sei. Der Erlaß, betreffend die Sonntagsruhe, werde jedenfalls modificirt werden. Einen bestimmten Termin jedoch, wann dies geschehen werde, könne der Minister nicht angeben. — Die Antwort wurde mit Stimmeneinhelligkeit zur Kenntniß genommen. Rußland. Petersburg, den 5. Nov. Auf dringenden Wunsch des Finanzministers soll das von einer besoudern Kommission als neue,' Reichrathsvorlage bearbeitete Judengesetz vorläufig zurückgestellt worden sein. Das Gesetz über die Ausländer wird in wesentlich milderer Gestalt erscheinen, als es aus der Kommission hervorgegangen ist. Durch das Gesetz wird eine möglichste Erschwerung des Uebertrittes von Ausländern in den russischen Unterthanenverband angeftrebt. England. -n- London, 30. Oktober. Es wird die Leser Ihres geschätzten Blattes gewiß interessiren, über die Wirksamkeit des Verbandes der Ea8t End Synagogen (Federation of Synagogues) zu erfahren, der sich die Förderung des religiösen Lebens und die Hebung der socialen Lage der polnischrussischen Juden zur Aufgabe gestellt. Eine der wichtigsten Fragen, mit der die Federation sich in der letzten Zeit befaßte, ist die Religionsunterrichts- Frage.— Auf Anregung des Herrn Dr. L e r n e r, Rabbiners der Federation, wurde von den Repräsentanten des Synagogen-Vorstandes ein Comite ernannt. das die Beschaffenheit des im Osten Londons ertheilten Religionsunterrichtes eingehend untersuchen und event. Vorschläge zur Hebung desselben

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