Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-11-12 · Heft 88 (12.11.1891) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 88 (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448203--33096-2480972
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1655 machen sollte. Dem Berichte des Comites entnehmen wir folgendes: Es existiren im Ganzen acht Schulen, in denen Religionsunterricht ertheilt wird. In der unter Lord Rothschilds Patronat stehenden Freischule, welche zweitausend Zöglinge zählt, wird täglich eine halbe Stunde Hebräisch in den unteren Klassen und eine Stunde in den höheren Klassen gegeben. Dazu kommen noch jeden Sonntag morgen zwei Stunden, an denen zwei Drittel der Zöglinge theilnehmen. In ähnlicher Weise wird der Religionsunterricht in der städtischen Old Castle-Street Schul-Austalt ertheilt, die Vonfünfzehn Hundert jüdischen Schülern besucht wird. In den folgenden vier städtischen Schulen : in Settle-Str. mit achthundert, Chicksand mit sechshundert, in Berner und Hambury-Street mit dreihundert und vierhundert jüdischen Schülern werden drei Stunden wöchentlich Religionsunterricht gegeben. Von größerer Bedeutung ist die jüdische Schule in Stepney, welche unter der Leitung des Herrn M. Adler steht. Die achthundert Schüler, die an derselben erzogen werden, erhalten Religionsunterricht viermal wöchentlich von 11 Uhr 30 bis 1 und zwei Stunden am Sonntag. Unser hochverehrter Oberrabbiner Dr. Hermann Adler hat sich bereits mit Wärme für die Hebung des Unterrichts ausgesprochen. Sind doch noch in aller Erinnerung die flammenden Worte, mit denen er in einer der feierlichsten Stunden seine Aufgabe dahin bezeichnete, nicht blos über die Synagoge, sondern auch über die Schulen zu wachen, daß sie für immer Pflanzstätten echter Frömmigkeit und erprobter Tugend bleiben. Abgesehen von den genannten Anstalten existiren noch die Talmud Thora, welche von 300 ärmeren namentlich Waisenkindern besucht wird und etwa 250 kleinere Privatschulcn, Chadorim, in denen allabendlich von 5 bis 9 Uhr Unterricht im Hebräischen ertheilt wird; in der Talmud Thora sowohl wie in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Pcivatschulen, bildet der polnisch-russische Jargon die Unterrichtssprache. Es sind ungefähr 2000 Schulkinder, die neben dem Religionsunterricht, den sie in den öffentlichen Schulen erhalten, Chadorim besuchen. Die Aufopferungsfähigkeit der ärmeren Klassen, die einen verhältnißmäßig bedeutenden Theil ihres spärlichen Einkommens auf den Chadorim unterricht verwenden, verdient bewundert zu werden. Sie wünschen nichts sehnlicher als daß ihre Kinder frühzeitig an das Buch der Bücher, an die Quelle der n'mrni cr>r:u min geführt werden, um aus derselben ihren Glauben zu erkennen, ihre Pflichten zu erfahren und alle Kenntnisse sich anzueignen, die sie befähigen würden, als echte Juden leben zu können. Wie aber kommt es, daß trotz der bewunderungswerthen Opfer der Eltern, trotz des Elfers der nnv>v, trotz der vielen Stunden, die sie täglich mit den hebäischen Unterricht verwenden, bei einem sehr großen Theil der Schüler eine solche Unwissenheit herrscht, daß sie selbst im Alter von dreizehn Jahren beim Verlassen der nnnn noch nicht einen prnv in der min richtig übersetzen können? Die Schuld liegt einerseits an der bedauernswerthen Lage der dhbVd, die nicht im Stande sind, besondere Räume für die Ertheilung des Unterrichts zu bestimmen, und daher nicht selten in Küchen und Schlafzimmern unterrichten; andererseits aber an der Ordnungs- und Regellosigkeit, an dem Mangel jeder Methode, die in den omin durchschnittlich herrschen. Wie könnte ein Lehrer Gedeihliches leisten, wenn er beispielsweise zwanzig Zöglinge, von denen je vier einer anderen Abtheilung angehören müßten, im gleichen Raum zu gleicher Zeit in gleicher W.ise unterrichtet? Wir müssen daher suchen, so viel kostbare Zeit und enorme Arbeitskraft, die bis jetzt zum großen Theil verschwendet wurde, zur Förderung eines ersprießlichen Unterrichts int Dienste unserer heiligsten Besttzthümcr erfolgreich zu verwerthen. Mehr Licht und Luft, das ist das erste, wofür gesorgt werden müßte. Vereinigung zersplitterter Lehrkräfte zu einheitlich organisirten Religiousschulen wäre der zweite Schritt, der zu folgen hätte. Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß unsere wohlhabenden Brüder, die erst' vor Kurzem wieder ihre aktive Sympathie für die Opfer der russischen Verfolgung in bewunderungswerther Weise bethätigten, zur Linderung der geistigen Roth der russifchpolnischen Glaubensgenossen Londons nicht minder bereitwillig Herz und Hand öffnen und offen halten werden. Wenn auch vorerst der Jargon die Unterrichtssprache bleibt, so werden wir dennoch durch Schaffung von mehr Licht und Luft in den Unterrichtsräumen uud die Zusammenfassung und allmähliche Organisirung der zersplitterten Lehrkräfte einen Schritt thun, der nicht nur in sanitärer, sondern auch in systematischer Beziehung als Fortschritt von allen Seiten begrüßt werden wird. Der Jargon, der beim polnischrussischen Lehrer mit jeder Faser ihrer Muskeln, mit jedem Pulsschlag ihrer Herzen auf's innigste verwachsen; in dessen Lauten sie von Jugend auf die heiligsten Gefühle religiöser Begeisterung kennen uud ausdrücken gelernt, wird auf dem hier bezeichneten Weg im Laufe der Zeit zur englischen Unterrichtssprache ohne jede religiöse Erschütterung allmählich fortschreiten können. — In dieser Verbindung verschiedener D'-nn zu einheitlichen Schulen finden wir das einzige Mittel, der .mm zu ihrem Rechte zu verhelfen, den Kindern zu den uöthigen Kenntnissen, den onote zu einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.