Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1891)
- Date
- 1891-11-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1652 während große Tropfen kalten Schweißes an seiner bleichen Stirn perlten. Mit höhnischem Lächeln betrachtete der Sultan den zitternden Niesen. Endlich redete er ihn an und der Dolmetsch übersetzte getreulich seine Worte. „Du also bist es, der sich für den Messias der Juden ausgegeben hat?" „Verzeihung o Herr!" stammelte Sabbatai, „nimmer hat Dein Diener sich derartiger Ueberhebung schuldig gemacht — aber die vornehmsten der Juden haben in ihm den Messias erkannt. —" „Das gilt mir gleich", erwiederte der Sultan achselzuckend, „mir liegt nur ob , Klarheit, sowohl über die Bewegung, als auch über Deine Persönlichkeit zu erhalten, weßhalb ich Dich sofort einer unfehlbaren Prüfung unterziehen werde. — Siehst Du jene drei Pfeile dort auf dem Tische? — sie sind vergiftet. Ich werde sie jetzt nach einander auf Dich abschießen. — Tödten sie Dich nicht, so halte ich selbst Dich für den Messias und werde Dir königliche Ehren erweisen." Der Sultan winkte einem Diener, der einen in Bereitschaft gehaltenen Bogen spannte und denselben dem Herrscher überreichte, während der Dolmetsch die Worte desselben dem Gefangenen übersetzte. Namenloses Entsetzen bemächtigte sich des Elenden. Wohl war ein rascher Tod der grauenvollen Marter vorzuziehen, die ihm der Leibarzt geschildert hatte, doch Sabbatai war nicht der Mann, dem sichern Tod beherzt ins Auge zu sehen. Und schon sah er, wie der Sultan nach einem der vergifteten Pfeile langte, und — „Gnade!" stammelte er, „Gnade! —" und stürzte der Länge nach zu Boden. Um die Lippen des Sultans zuckte es, wie ein höhnendes Lächeln, er wechselte einen verständnißvollen Blick mit seinem Leibarzt, der sich niederbeugte zu dem unablässig, um Gnade Winselnden und ihm einige Worte in's Ohr flüsterte. Sabbatai fuhr zusammen, hastig richtete er sich auf seinen Knien auf und starrte den zu ihm Sprechenden mit Blicken an, in denen die entsetzlichste Todesangst mit der auf's Neue sich regenden Hoffnung wechselnd sich wiederspiegelten. — Doch je länger der Leibarzt des Sultans zu ihm sprach, desto mehr belebten sich die noch immer schönen Zügen des Gefangenen. Die geisterhafte Blässe wich, helles Jncarnat überzog seine Wangen und seine Augen strahlten in hoffnungsfreudigem Glanze. Rasch hatte er verstanden, was ihn nicht nur retten, was ihn auch die Huld des mächtigen Herrschers sichern konnte. Es war nicht allzuschwer, es kostete ihn keine Ueberwindung. Nicht ohne Würde erhob er sich von seinen Knien, entledigte sich der eignen Kopfbedeckung und stülpte den Turban, den er dem anwesenden Diener vom Kopfe nahm, auf das eigene Haupt. Dann verneigte er sich tief vor dem Sultan, indem er beide Hände auf der Brust übereinander kreuzte. „Gestatte, allmächtiger Beherrscher der Gläubigen, daß Dein unterthäniger Diener sich endlich öffentlich zu dem allein wahren Glauben bekennt, für den sein Herz schon seit Jahren erglüht. Es gibt nur Einen Gott und Mohamed ist sein größter Prophet! — Das ist die innigste Ueberzeugung Deines Dieners, das ist die Ueberzeugung, die er pflanzen möchte in die Herzen seiner Stammesgenossen, auf daß auch sie des ewigen Lebens theilhafltg werden, durch die Lehren des Propheten." (Fortsetzung folgt.) „Sirwlit' und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju bestehen bei E. F. Ktrtnarker« Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Äreisband pro Jahrgang für Deutschland in* Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür'S Ausland 18 Reichs-Mark, an di« Spedition sramo einzujende«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Was der Einzelne vermag. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Rheinhessen. Berlin. Hamburg. Trier. Münster. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Brüx. — Italien: Rom. — Vermichtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Mainz. Worms. Marburg. Berlin. Karlsruhe. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Russland: Petersburg. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: »Zur gefl. Besprechung." — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Marburg. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage r Spendeu-Berzeichrrisse. - •*— Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr.2, Mainz Druck und Verlag der Jo h. Wirt h'schen Hofbuchdnrckerei-Actien-Geselllchafl in Mainz. Hierz«? drei Weil «gen.