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Der Israelit · 1891-11-12 · Heft 88 (12.11.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 88 (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1649 Berlin, 4. November. Jüngst annoncirte ein antisemitischer Radauverein, daß bei seinem „geselligen Vergnügen" in irgend einer Vorstadtkneipe „hervorragende Mitglieder des königlichen Opernhauses" Mitwirken werden. Diese Ankündigung erregte großes Befremden, da man die königlichen Sänger nur in guter Gesellschaft zu sehen gewohnt ist. In der That dementirt jetzt auch die Generalintendantur der kgl. Schauspiele diese antisemitische Mittheilung mit dem Hinzufügen, daß zu solchen Zwecken von dem Personal der königlichen Oper niemand um die Erlaubniß zur Mitwirkung nachgesucht hat und eine solche auch nicht erhalten haben würde. — Man hat es also in di"sem Falle mit einer schwindelhaften Anlockung des Publikums zu thun gehabt. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Zimmer mann gehörte zu den Veranstaltern der Matinee. Hamburg, 2. November. Am Sonntag den 1. November traten bet dem Deutsch-Israelitischen Waisenhause Herr Lehrer Plocki und Frau ihre Stellung als Waiseneltern an. Eine 17jährige pädagogische Thätigkeit des Herrn Plocki an der städtischen Schule zu Flatow — von der man ihn ungern scheiden sah — läßt erwarten, daß seine Anstellung dem Institute zur Förderung und zum Segen gereichen wird. Trier, 29. Oct. In der Stadtverordneten- Bcrsammlung vom 16. September wurden zwei Armenärzte angestellt, deren einer, Herr Dr. Löwenstein, ein Jude ist. Seine Wahl hatte schon damals unter den klerikalen Stadtverordneten großen Unwillen erregt. Der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung wurde nun ein Schreiben mitgethrilt, in welchem sämmtliche Pfarrer Triers gegen die Wahl des Dr. Löwen st ein Protest erhoben, schließlich aber selbst zugaben, daß die Wahl wohl nicht mehr zurückgängig gemacht werde. Münster. Die Nachricht von einem Verbot der Königlichen Regierung zu Münster in Bezug auf den Unterricht jüdischer Lehrer in den Fächern Deutsch und Geschichte ging vor Kurzem mit den entsprechenden Commentaren versehen durch die antisemitische Presse. Es stellte sich aber bald die Nachricht als eine dreiste Erfindung heraus. In Nr. 28 der „Allg. Deutsch. Lehrer-Ztg." veröffentlicht nämlich der Seminar-Dirigent Dr. Steinberg die folgende Erklärung: „Munster. Die Allg. D. Lehrer-Ztg. brachte in Nr. 25. eine, angeblich den „Deutschsozialen Blättern" entnommene Notiz, nach welcher die preuß. Negierung zu Münster die Verfügung erlassen habe, daß cs jüdischen Lehrern untersagt sei, Unterricht im Deutschen und in der Geschichte zu ertheilen. Diese Mittheilung muß als eine der tatsächlichen Unterlage entbehrende bezeichnet werden, und ist in den jüdischen Lehrerkreisen und den betreffenden Regierungsbehörden selbst von einer solchen Verfügung auch nichts bekannt. Zudem liegen die Schulverhältnisse in dem Reg.-Bezirk Münster so, daß nicht einmal eine Veranlassung zu einem solchen Erlaß vorliegen kann." — Der letztere Passus bezieht sich darauf, daß im Reg.-Bez. Münster Simultanschulen gar nicht cxistiren. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien. Der Minister für Cultus und Unterricht, Dr. Freiherr v. Gautsch, hat in Ausführung der ZZ 2 und 4 des Gesetzes vom 21. März 1890, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft, mittelst Verordnung vom 2. April d. I. die Cultusgemeinde-Sprengel in Galizien festgesetzt und abgegrenzt. Nach dieser Verordnung haben in Galizien 252 israelitische Cultusgemeinden zu bestehen. Die Eintheilung und Abgrenzung dieser Cultusgcmeindc-Sprengel, die in einem der Verordnung beigeschlossenen Verzeichnisse enthalten sind, haben mit 1. Januar 1892 in Wirksamkeit zu treten. Von diesem Zeitpunkte angefangen sind diese 252 Cultusgemeinden als im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 constituirt anznsehen. Bis dahin bleibt der Bestand der bisherigen Cultusverbände aufrecht. Brüx (Böhmen), 2. November. Unser Rabbiner Dr. Gotthard Deutsch, der zum Professor am jüdisch-theologischen Seminar in Cincinnati ernannt worden ist, verläßt am 9. d. Mts. unsere Gemeinde, um seine Reise nach der neuen Welt anzutreten. Zu seinem Nachfolger auf dem hiesigen Rabbinatsstuhle wurde der bisherige Rabbinatsverweser in Pilsen, Dr.Wolf Biach, erwählt. Italien. Rom, 1. November, nw bv d’öp iow. „Entsetzet Euch ihr Himmel darob!", denn im heutigen päpstlich-offiziellen „Osservatore Romano" kann man es schwarz aus weiß lesen, daß die Juden, die Stammesgenoffen des Stifters der christlichen Religion und der Apostel, noch heute Christenblut zu ihren gottesdienstlichen Gebräuchen benöthigen. Das Blatt bespricht nämlich einen in Deutschland vor einigen Monaten vorgefallenen Mord und nennt ihn ganz einfach eine „ueeisionö rituale" (rituelle Tödtung.) Also das offizielle Organ des hochgelehrten und aufgeklärten Papstes Leo XIII kennt auch noch eine „rituelle Tödtung?" Dem zufolge hätten nun die Vorgänger Leo's XIII auf dem päpstlichen Stuhle und airch der glorreiche Stammvater der Habsburger, Kaiser Rudolf I, die alle strengstens verboten haben, an das Blutmärcheu zu glauben, gelogen und noch dazu schmählich gelogen. Also auch der „Osservatore Romano" glaubt nicht an die Unfehlbarkeit des Papstes. Rom, 3. November. Unser verehrter Oberrabbiner Dr. Moses Ehren reich, der seit einiger

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