Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-11-12 · Heft 88 (12.11.1891) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 88 (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448203--33089-2480965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1648 persönlich dem Anträge, wie er hier gestellt ist, beistimme, daß ich aber nicht der Ansicht bin, daß die Provinzial- und Lokalcomites, die ich vertrete, sich vollständig auf denselben Standpunkt stellen können. Herr Isidore Loeb (Paris): Zur Abstimmung möchte ich einiges sagen. Ich weiß nicht, ob ich richtig aufgefaßt habe; ich glaube aber, daß ein solcher Beschluß sehr weit greift und daß es nicht angebracht sein dürfte, heute darüber zu beschließen, bevor darüber mit den Ausländern berathen worden ist. Ich bitte aber, das nicht so aufzufassen, als ob ich gegen den Antrag selbst etwas hätte sagen wollen. Ich bin nicht ermächtigt über diese Frage zu stimmen; aber ich muß sagen, daß, wie sehr wir auch bereit sind, dem deutschen Central- Comitö nach Kräften beizustehen, ich dennoch nicht glaube, daß die Alliance Jsr. Universelle diesen Antrag wie er da steht, annehmen wird. Herr Rabbiner Dr. Frank (Cöln): Ich möchte nur erklären, da ich neben Herrn Loeb die Allian. Jsrl. vertrete, daß ich mich Herrn Loeb anschließe und mich der Abstimmung enthalte. Herr Isidore Loeb (Paris): Der Sinn ist, daß wir dem dentschen Central-Comite soviel als möglich beistehen, uns aber nicht binden lasten wollen. Herr Dr. Simonsen (Kopenhagen): Ich bin zur Abgabe folgender Erklärung ermächtigt: Die Vertreter für Dänemark, Ungarn und Holland stimmen persönlich für den Antrag, erklären aber, da sie zu dieser Abstimmung nicht autorisirt sind, ihr Votum erst den Korporationen, die sie vertreten, zur definitiven Genehmigung zu unterbreiten. Herr S. Karminski (Straßburg) schließt sich im Namen seines Comitös dieser Erklärung an. Auf diese Erklärungen verkündete der Vorsitzende nach einer halbstündigen Pause, während welcher der Ausschuß des Centralcomitv's in Berathung getreten war, folgende Resolution: „Wir sehen uns nicht in der Lage, die Geschäfte weiterzuführen, wenn uns nicht auch die genügenden Mittel dazu gewährleistet werden. Wir haben uns daher entschlossen, unser Amt in corpore niederzulegen, wenn uns nicht binnen vier Wochen die Zustimmung der deutschen Comites, welche heute dem Antrag Stern nicht zugestimmt haben und die Unterstützung von ausländischen Comics, soweit für unsere Zwecke nothwendig, gewährleistet wird." Es folgen Beschwichtigungs- und Anerkennungsreden für das Centralcomits und verschiedene dahinzielende Anträge werden gestellt, die aber auf Wunsch des Vorsitzenden zurückgezogen werden. Herr Rechtsanwalt Plotke (Frankfurt a. M.) läßt sich vernehmen: „Die Resolution des Ausschusses baut glücklicherweise die goldene Brücke zu einer wirklichen Verständigung. Es wird in den 4 Wochen auch zur Berücksichtigung zu bringen sein, was vorhin von unserer Seite ausgesprochen worden ist. Es handelt sich um eine Sache der Gerechtigkeit, um die Erweiterung der jetzigen Organisation. Mehr verlangt Niemand. Wir treffen uns alle sin dem Gedanken: wir wollen helfen. Wir wollen nur eine Organisation schaffen für Deuschland, uud soweit das Ausland betheiligt ist, für Europa. Das wird möglich sein; und insofern ist die Resolution korrekt. Wenn der geschäftsführende Ausschuß an der Spitze eines deutschen oder eines Central-Comites für ganz Europa stehen will, so muß erst diejenige Organisation geschaffen werden, die ihm das Mandat hierzu ertheilt, hoffentlich durch die Kooptation derjenigen, die mitzurathen haben." Zum Schluffe wurde ein Wiener Antrag, welcher dahin geht, „daß die österreichisch-ungarischen Comitös einen integrirenden Theil der deutschen Comitös bilden und daß alle Mittel zur Beförderung ihrer Auswanderer vom deutschen Centralcomitö gezahlt werden," mit der Resolution: „Die Versammlung erklärt den vorliegenden Antrag durch den Antrag Stern für erledigt, jedoch nur unter der Voraussetzung, wenn die Mittel bereits bei dem deutschen Central-Comit« centralisirt sein werden," unter Ausschluß Ungarns und nur auf Oesterreich beschränkt, angenommen. Aus Rheinhessen, 4. November. Große Anstrengungen macht der antisemitische Alimenten- Böckel, um den durch den freisinnigen Abg. Dr. Bambcrger im Reichstage vertretenen Wahlkreis Bingen-Alzey zu erobern. Böckel ist „entschlossen, den Kampf gegen Bamberger aufzunehmen, und er, der so manchen für unbesieglich gehaltenen Gegner zu Boden geworfen, wird auch mit dem Juden Bamberger fertig werden ... Es gelte ein Werk, das des Schweißes der Edlen werth ist. Die Antisemiten von ganz Deutschland ruft er zu Hilfe, es muß unaufhörlich gearbeitet werden, damit „wir bei der nächsten Wahl einen der gefährlichsten und für unser Volk verderblichsten Juden aus dem Reichstage entfernen." — Diese Trauben werden Böckel denn doch zu hoch hängen. Ueber seinen Feldzugsplan äußert sich der antisemitische Dr. Böckel folgendermaßen: „Die gegenwärtig von der antisemitischen Volkspartei in Angriff genommenen Reichstagswahlkreise sind folgende: Marburg, Gießen, Alsfeld, Hofgeismar (bisher im Besitz der Partei). — Friedberg, Bingen- Alzey, Weilburg, Dillenburg, Eisenach, (seither freisinnig). — Hersfeld, Siegen, Hanau (seither konservativ.) — Wetzlar, Darmstadt, Erbach (seither nationalliberal). — Offenbach, Mainz (seither sozialdemokratisch). Außer diesen siebzehn Wahlkreisen, in welchen bereits Versammlungen stattfanden, werden noch ca. zehn weitere bearbeitet werden. Alles in allem dürfte sich die nächste Wahlschlacht unsererseits in etwa dreißig Wahlkreisen abspielen. Selbstverständlich werden wir nur in günstigen Kreisen austreten." — Hoffentlich werden die Früchtchen überall ebenso gründlich durchfallen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.