Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 87 (9.11.1891)
- Date
- 1891-11-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1889 Ergänzung bitte ich zu machen. Sie haben vorhin von dem Gesetze, das erlassen worden ist, gesprochen; ich habe aber aus dem Vortrage nicht ersehen, welche Wirkung das Gesetz thatsächlich gehabt hat. Für die Zukunft unserer Sache ist das jedoch wichtig. Herr Dr. Goldmann (New-Aork): Es ist eine Art Windstille eingetreten. Unterdessen ist die Kommission in Europa gewesen. Vorschläge haben die Herren nicht zu machen: das ist Sache der Senats-Kommission. Der Bericht wird sicher viel Mitleid in Amerika hervorbringen, aber schließlich wird doch die Frage sachlich wie sie es verdient, d. h. im Interesse Amerikas behandelt werden. In der Zwischenzeit kann in der verschiedensten Weise der Versuch gemacht werden, um der Einwanderung einen Hemmschuh anzulegen. Es werden Viele aufgehalten, die Erlaubnitz, landen zu können, nicht gegeben. So kam z. B. schon einmal eines Nachmittags der Schreckensruf, daß 112 Emigranten auf ein Mal auf einem Schiffe aufgehalten seien. Das war meines Erachtens der Wendepunkt in der Emigration der russischen Juden. Wären diese 112 zurückgeschickt worden, dann wäre die Aufmerksamkeit des amerikanischen Publikums dermaßen auf diese Klaffe der Einwanderer gelenkt worden, daß es fraglich ist, ob Sie weiter russische Emigranten nach Amerika hätten schicken können. Ein Mitglied unseres Eomitös, das viel Einfluß bei der Regierung hat, eilte nach Washington, um das Landen dieser 112 zu erwirken. Unterdessen haben wir die Emigrationsbeamten zu beschwichtigen gesucht, und es ist uns nach 3 schlaflosen Nächten und nach 3tägigem angestrengten Arbeiten gelungen, die Landung dieser 112 Personen durchzusehen. In der sich daran anschließenden Debatte, an welcher sich die Herren Hallgarten (Frankfurt a. M.), Dr. Goldmann (New-Aork) und Rechtsanwalt Breslauer (Berlin) betheilrgen, wird die Frage,' in welchem Ausmaß den New-Yorker Comites von Europa aus zu Hilfe zu kommen sei, des Näheren diskutirt und die Erledigung auf Anregung des Herrn Dr. Goldmann für morgen vertagt. Die Versammlung geht zu dem Berichte über die Finanzlage über. Herr Generalconsul Landau (Berlin): Ich werde mich kurz fassen, da die Besprechung über die Aufbringung neuer Mittel mir noch genügenden Anlaß zur Erörterung der Finanzlage bieten wird. Das deutsche Central-Comite hat bisher rund 1,500,000 Mk. eingenommen. Die Beträge sind aus 184 deutschen und 11 außerdeutschen Städten an mich gelangt. Von dem Gelde sind 1,013,000 Mk. ausgegeben, wovon von hier aus dem Comite in Hamburg 540,862 Mk., dem in Königsberg 190,000 Mk., dem in Stettin 96.400 Mk., dem in Memel 41,803 Mk., dem in Myslowitz 10,000 Mk., Beuthen 14,000 — 24,000 Mk., dem in Thorn, Lübeck, Schneidemühl und Eydtkuhnen 4100 Mk. überwiesen worden sind, so daß der Bestand auf nahezu V2 Million Mark sich beläuft. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Hessen. Das Regierungsblatt Nr. 28 enthält unter Anderem die Landesherrliche Genehmigung wlgender Stiftungen: Vermächtniß der Babette Schwarzschild, geb. Goldschmidt zu Mainz an die israel. Religionsgesellschaft daselbst im Gesammtüetrage von M. 8060. Vermächtnis; des Bankiers Ph. Nach mann zu Mainz an die israel. Religionsgesellschaft daselbst im Betrage von M. 3000. Alzey, 3. November. Das amtliche Organ des Kreisamts für den Kreis Alzey schreibt in seiner Nummer vom 1. November: Die antisemitische Hetzereien der letzten Wochen beginnen ihre Früchte zu tragen: In Wörrstadt störte antisemitischer Pöbel ein harmloses Tanzvergnügen, das anläßlich der jüdischen Feiertage stattfand. Die Gesellschaft mußte das Lokal verlaffen, um Gewaltthätigkeiten aus dem Weg zu gehen. Zwischen nach Odernheim entsandten Alzeyer Agenten der Antisemitenpartei und einigen israelitischen jungen Leuten kam es zu einer nicht unerheblichen Schlägerei. Es ist keine Agitation zu denken, welche einerseits tiefer verletzt, andererseits die rohesten Instinkte der Menschennatur mehr aufstachelt, als diese antisemitisch-anarchistische Hetze. Wenn auch schon die Anrüchigkeit der meisten Führer der Partei — der „nationalen" wie der localen — ein Uebergreifen der Bewegung auf weitere bürgerliche Kreise ausschließt, so begreifen wir doch die Behörde nicht, die, sonst so thatkräftig, hier mit verschränktest Armen zuschaut, wie Aufruhr und Gewalt gepredigt und schließlich in die That umgesetzt wird. Wohin soll das führen? Eydtkuhnen, 23. Oktober. Soeben erhalte ich die Nachricht, daß auch über Lida, Gouvernement Wilna, schreckliches Unheil eingebrochen ist. An verschiedenen Stellen angezündet, ist die Stadt am 20. und 21. Oktober vollständig und mit vielen Synagogen niedergebrannt. Diese Stadt war fast nur von Juden bewohnt und ist nun über diese ein schreckliches Elend hereingebrochen. In Wilna und Kowno wurden Sammlungen veranstaltet. I. Speyer, Lehrer. Randegg i. bad. Oberlande. Am noo D"mn waren es 100 Jahre, daß der hiesige min MO>n-Berein gegründet wurde. Aus Anlaß dieser Säcularfeier fand am nwo ra& ein Festgottesdienst statt, während welchem unser Rabbiner eine wohldurchdachte Rede hielt, in der er sich über diesen Verein und das Thorastudium verbreitete. Abends fand ein Festessen statt, wobei ein 50jähriges Mitglied besonders beehrt wurde. Der min -iDdn-Verein hat bis jetzt seinen schönen Zweck vollständig erfüllt; in unserer Gemeinde werden im Allgemeinen die jüdischen Gesetze streng beobachtet und das Toralernen wird noch fleißig geübt; auch hat der Verein junge Leute, die sich dem Thorastudium widmeten, vielfach unterstützt. O e ft e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Wien, 26. October. Heute wurde, wie bereits berichtet, der Professor der Physiologie an der hiesigen Universität Dr. Ernst Fl eischl v. Marxow zu Grabe getragen. An denselben ist man sehr oft mit dem Ansinnen herangetreten, er möge, um seine soziale Stellung zu verbessern, den jüdischen Glauben abwerfen. Der Physiologie-Professor an der Wiener Universität hatte jedoch für alle diese Rathschläge nur taube Ohren und ist in dem jüdischen Glauben gestorben. Wie«, 30. Oct. Der „Przeglond" berichtet aus Kiew, daß im Tschernigower Gouvernement die Anarchisten noch immer gegen die Juden hetzen. Viele jüdische Familien fliehen in die Wälder, wo sie Hunger leiden; aber sie fürchten sich in ihre Heimathsorte zurückzukehren. Während ihrer Abwesennheit wurden ihre Häuser zerstört. General Unastasijew wurde in dieses als Kommissär entsendet.