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Der Israelit · 1891-11-09 · Heft 87 (9.11.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 87 (9.11.1891)
Date
1891-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1640 Rußland. Wie die „Wochenchronik des Wosschod" mittheilt, soll sich der bei der Judenhetze in Starodirl» verursachte Schaden aus Millionen belaufen- Es seien gegenwärtig eine Masse Haussuchungen im Gang und man finde verschiedene Maaren, Gold und Silber, sogar bei wohlhabenden Leuten. Verhaftet seien mehr als 170 Personen, darunter einige lokale Hausbesitzer. Als Urheber und Hauptanstifter werde ein reicher Herr G. genannt, der zu dem Krawall gehetzt haben soll und jetzt verschwunden sei. Nach einer Meldung der „Daily News" aus Odessa sind bei den Unruhen fünf junge Judenmädchen so schändlich behandelt worden, daß sie seitdem gestorben sind. In Balta ist Donnerstag Abend eine Judenhetze mit Mühe unterdrückt worden. Sehr bezeichnend für die Haltung der russischen Behörden gegenüber den Indem ist eine Annonce des Kommandanten der Festung Jwangorod, des Generals Tschaikowski, wegen Lieferung von Fleisch für die Garnison. In dieser Anonce heißt es: „Es wird ein russischer Lieferant gesucht, bei dem auch die Angestellten Russen sind, Juden und andere Nationalitäten werden nicht zugelassen." Gleichzeitig hat General Tschaikowski an die „Nowoje Wremja" einen Brief gerichtet, in welchem er unter Jnsultirung der Juden sein Verfahren zu rechtfertigen sucht. Gegenüber dem „Grashdanin", welcher wieder einmal die Juden für die düstere Stimmung der Petersburger Börse verantwortlich macht, bemerken die „Nowofti", daß in denjenigen Gebieten, welche jetzt so schwer leiden, die Juden gar nicht leben dürfen. Das Blatt schreibt: Man kann doch in der That unmöglich ein solches in di^Augen springendes Faktum übersehen, daß die Landstriche des Staates, die den sogenannten „Wohnsitzrayon der Juden" bilden und sich durch besonders reiche und gute Erntefaktoren nicht auszeichnen, schon lange keine Mißernten oder gar Hungerzeiten gekannt haben. Wir glauben sogar, daß bei der Erforschung der Grundursachen der derzeitigen wirthschaftlichen Nothlage ernstlich in Betracht zu ziehen wären die Ursachen die kulturellen Ueberlegenheit unseres Westgebietes gegenüber dem übrigen Ackerbau treibenden Rußland. Das ist freilich nur eine sehr schüchterne Verurtheilung der Regieruugspolitik. — vermischtes. Berlin. An Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Oppenheim fungirte während der hohen Feiertage Herr Dr. Armand Kaminka, ein Hörer der Berliner Hochschule, als Rabbinatsverweser und Prediger zu Thorn. Frankfurt a. M«1 5. November. Am vorletzten Tage des Festmonats verschied nach kaum zweitägigem Krankenlager die in weiten Kreisen hochgeachtete und geehrte Frau I. S. Alexandre, welche, wie Herr Dr. Sulzbach in seinem am letzten Abende der nyati' im Trauerhause gehaltenen “iddh hervorhob, das Mn pbx Dy nav sich stets zur Richtschnur ihrer Handlungen chat dienen lassen; denn sie übte aus religiösem Antrieb das Gute nach allen Richtungen hin, am liebsten da wo es ohne Aufhebens und Mitwissen Anderer geschehen» konnte. Hiervon wissen besonders viele Kinder zu erzählen, die ohne sie der Verwahrlosung preisgegeben wären. Möge n-’twi ihrem durch den Verlust seiner treuen Lebensgefährtin so hart betroffenen Gatten den Trost spenden, dessen er so sehr benöthigt. masun. Wochen - Kalender. Freitag, 13. November, 12. Cheschwan. Sabbat-Anfang 4 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 14. November, 13. Cheschwan. "}!? "p. Sabbat-Ausgang 5 Uhr 05 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Redaktion. B. in W. Wenn Ihnen auch bekannt ist, daß betr. Metzger sein Vieh von einem zuverlässigen ünittf schlachten läßt, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß er in Bezug auf seine Wurstwaaren Vertrauen verdient. S. u. in Dresden. Innigsten Dank für sreundlichst übersandte 260 Mark. Wir haben dieselben, Ihrem Wunsche gemäß, sofort an Oberrabbiner Rabbi Iizchak Elchanan Spektor in Kowno zur Vertheilung an bedürftige ausgewiesene Lomdim gesandt. Abonnent in S. Empfehlen Ihnen: ,Dt£rn niäD ,y"W TiS’p TiNDn muo ,mmn ”m als für den Sabbatschiur geeignete DnDD An den Borstand der Chewra-Kadifcha in K. Ihr Gewährsmann amüsirt uns; es gehört schon ein große- Maaß von Ignoranz dazu, die nanp man als eine moderne Einrichtung „der neuen sogen. Orthodoxie" hinzustellen. Wir verweisen den ehrenwerthen Herrn auf den Talmud Babli Most» Katan 27, 2, woselbst er die Erzählung von Rab Hamnuna aufmerksam lesen möge. Auch Jore Deah 343, 1 und 361, 1, sowie nJIBTl Tins zur letztern Stelle würden ihm manche Ueberraschung bereiten. Zum Ueberfluß kann er sich aus Prag den aus dem Jahre 1565 stammenden Statutenentwurf der nEHp man von Rabbi Lewa ben Bzalel verschreiben. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Berlin, 3. Nov. Die Versendung der Fragebogen an die Vorstände der jüd. Gemeinden in Deutschland zur Herstellung des „Statistischen Jahrbuchs des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" für das Jahr 1892 ist in den jüngsten Wochen erfolgt. Leider sind die Gemeindevorstände noch nicht genügend von der Wichtigkeit dieses Buches durchdrungen, sonst hätte es kaum Vorkommen können, daß in manchen Jahren etwa vier Fünftel aller angesragten Gemeinden mit ihrer Antwort im Ausstande blieben. Daß unter solchen Umständen Unrichtigkeiten in ziemlicher Anzahl im Jahrbuche vorhanden waren, ist erklärlich. Da aber weite Kreise an möglichster Correctheit der statistischen Angaben ein großes Interesse haben, ja da das Fehlen von Namen oft für die Betroffenen von direktem Schaden sein kann, so empfiehlt es sich, daß sowohl die Gemeindebeamten, als auch die Leiter der verschiedenen Institute und Vereine ihr Augenmerk auf die baldige und ausführliche Antwort seitens des betreffenden Vorstandes richten. Im Zweifelsfalle dürfte es gerathen sein, direkte Angaben an das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes (Berlin W., Sigismundstr. 5) zu senden.

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