Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 87 (9.11.1891)
- Date
- 1891-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1?38 aber natürlich ins Pfründnerhaus verlegt wird. — In dem neuen Gebäude enthält jede Etage sechs Zimmer. — Augenblicklich befinden sich in der Anstalt 9 Kranke und 5 Pfründner. Sie besitzt zu ihrer Unterhaltung bereits einen sehr beträchtlichen Fond und wird fortwährend durch freiwillige Gaben der Gemeindemilglieder unterstützt. Aber alle Opfer, die für die Anstalt gebracht worden sind und noch gebracht werden müssen, werden reichlich ausgewogen, durch die segensreiche Wirksamkeit, die sie entfaltet. Die rituelle Verpflegung, welche den Kranken zu Theil wird, die Sorge für ihre religiösen Bedürfnisse, das alles ist von unschätzbarem Werthe. Möge die Anstalt^im Stande sein, ihre Wirksamkeit immer weiter äüszudehnen, und mögen die Männer, die bisher so eifrig für die Hebung derselben thätig waren, auch weiterhin ihre Kräfte dem edlen Unternehmern weihen; sie werden der. jüdischen Sache dadurch Zeinen unschätzbaren Dienst erweisen und sich selbst ein bleibendes Denkmal errichten. R u m ä n i e n. vr. C. Bukarest, 21. Oktober. Unsere Polizeiorgane, wie übrigens auch die anderer Verwaltungszweige. verfahren sehr summarisch, ganz besonders, wenn es sich um Israeliten handelt. Kürzlich wurde der Händler von alten .Kleidern, Mendel G rünb erg, von eineunjungeu Menschen in ein Haus in B u k a r e st geführt, wo ihm für 10 Frcs. alte Sachen verkauft wurden. : Einige Tage darauf ließ man ihn ins Polizeirevier kommen, um da über seinen Kauf Auskunft zu geben und während er daftand, erschien der als Schläger bei den Wahlen berüchtigte-Reviervorstand Epi.scopescu, welcher, ohne ein Wort zu sagen, den Händler hinterrücks mit Backenstrcichen und Faustschlägen überfiel. Darauf erst nahm er einen Ochsenziemer und. richtete den Grünberg damit übel zu, wobei er fortwährend schrie: „ich will Judenblut trinken, ich will Judenfleisch essen." Nachdem er vom Schlagen ermattete, schickte er den Händler nach der Hauptpolizei, ohne daß dieser wußte, warum er vom Revier gerufen und weßwegen er vom Vorsteher geschlagen worden war! — Neueres von unseren „Ausweisungs-Schauplätzen" ist, daß Mot je der Schneider und Verl Sohn Hersch, welche schon seit 40 Jahren im Dorfe Cordoweni, Bezirk Dorohoj, wohnen, auf Geheiß des Primars (Schulzen) ihren Ort verlassen mußten, um in der Stadt Dorohoj ein unstätes und elendes Dasein zu führen, lind der Erstere war nickt -los kein „russischer Vagabund" — dies ist ja der Vorwand — sondern er beschäftigte sich sowohl mit dem Schneiderhandwerk, als auch mit seinen Söhnen als Acker- Taglöh nc r bei den Bauern l Ein neuer Prüftet in Tul.c'ea!, iBezirksstadt in der Provinz Dobrudfcha, der auf den ominösen Namen A ß l a n hört (aber nicht der berüchtigte Interpellant ist) verfiel auf ein ganz frisches Mittel, die Juden zu schinden oder anszuweisen. Er verordnete, daß selbst schon ansässige Kaufleute nochmals Gesuche um Niederlassung als solche bei ihm einzureichen haben und wer sein Gesuch in gewisser, ja sogar in. ganz.gewisser Weise zu „begründen" nicht im Stande ist, hat zu gehen, gletchgiltig seit wieviel Jahren er schon seinen Handel betreibt. In C o t n a r i, Bezirk Jassy, ist es der Bürgermeister im Verein mit dem Präsidenten' .des Bezirksrathes Cerkez und einem Deputirten Zarifopol, welche durch Jndentreiben und -Chikanen Geschäftchen machen. Dies »war auch der einzige. Zweck der Interpellation, welche der mit seiner eigenen Begehrlichkeit abgeblitzte DeputirLe Ceaur-Aßlaln verfolgte. — Eine sehr gebildete Vertretung hat die jetzige Regierung in seinem offiziösen Organ „Nationalul". Dasselbemeldet, blos um sich an den Juden etwas zu reiben, einen ganz unwichtigen Todesfall mit folgenden Worten: „Jtzig Schor starb gestern um 6 Uhr Abends. Ein Jude weniger." (!!) Es ist "sehr traurig und Für den Bildungsgrad des ganzen Landes bezeichnend, wenn die „Elite" so spricht. Wie mag der Stadt- und Laudbauer in Bezug auf Israeliten sich ausdrücken und benehmend — muß man sich dann fragen. Ich will aber deßwegen7 freilich nicht in den Fehler Anderer gerathen und das offiziöse Organ nicht mit dem Ministerium identifiziren. Dies selbst bleibt in meinen Augen loyal, wie sich daraus ersehen läßt, daß - der Minister des Innern und die eigentliche Seele des Kabinets, Lascar Catargi, auf aktenmäßig begründete Beschwerde Dorohojer Israeliten seinen Generalsekretär Deschliu zur Untersuchung delegirte. Die Folge derselben war. wie Sie bereits berichtet, die durch „freiwillige" Demission msskirte Absetzung des Präfekten (Regierungspräsidenten) von Dorohoj, M iclescu, und auch der von Botoschani, Eerkatz, welcher vom Minister Vernes cu protegirt wird, wackelt und soll versetzt werden. Dieserhalb ist Catargi sogar mit Deschltu in Differenzen gerathen. England. London, 21. Ocrober. Unter den zahlreichen Characterzügcn, welche von dem verstorbenen Führer der Irländer, P arnell, erzählt werden, verdient seine offen zur Schau getragene Sympathie für die Juden Erwähnung. Viag sein, daß der Volksmann für sie deßhalb so lebhaft fühlte, weil sie auf so zahlreichen Stätten des Erdballs zu den Unterdrückten gehören. Alan erzählt. daß er im Jahre 1688 in der Stadt Cork durch einen Einfluß den Ausbruch einer antisemitischen Bewegung unterdrückte. Es war im März des genannten