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Der Israelit · 1891-11-09 · Heft 87 (9.11.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 87 (9.11.1891)
Date
1891-11-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1632 Tag und Nacht bestehen wird, wird man «lernen" und immer wieder «lernen", mögen auch all' die jüdischen Verächter des wahren Judenthums über die «Unfruchtbarkeit" dieses Thoraftudiums jammernd ihre Stimmen erheben, mögen auch alle jene wackern Männer — es sind deren gottlob nicht mehr wenige — die neben den Beschäftigungen und Sorgen des täglichen Lebens, noch Zeit und Muße zum Thorastudium finden, als sonderbare Schwärmer betrachtet werden. d-dp rvapro. Berlin. Die Antisemiten entwickeln hier zur Zeit eine fieberhafte Thätigkeit, deren Ziel nicht recht klar liegt. Alltäglich laden Plakate „alle Mann an Deck", oder es steigt eine große Protestversammlung, bei der kein Mann fehlen darf. Behandelt werden in diesen Versammlungen die bekanntesten Dinge, der Fall Manche, der Fall Liebmann, der Fall Bleichroeder. Ob damit nur ein allgemeiner Radau gemacht werden soll, oder ob es eine Art Vorbereitung auf die Stadtverordnetenwahlen darstellt, das ist, wie gesagt, nicht recht klar. Vielleicht soll die bevorstehende Niederlage damit cachirt werden, denn es ist so gut wie sicher, daß die Antisemiten bei den Wahlen keine Seide spinnen werden. Die „Bewegung" ist eben alle geworden und die schönsten Reden der Herren Bachler, Zimmermann u. s. w. werden sie nicht wieder auf den Damm bringen. Trotzdem sind die Versammlungen stets außerordentlich stark besucht, und es gibt Beobachter unseres öffentlichen Lebens, die da behaupten, der Antisemitismus wachse, obwohl ihm die Sonne der höchsten Huld nicht mehr strahle. Daß die Herren selber sehr selbstbewußt sind, kann allerdings nicht bestritten werden. Dafür spricht schon die Unverfrorenheit, mit der sie das abgedroschenste Zeug immer wieder Vorbringen. Leipzig, 24. Oct. Die „Leipziger Gerichtsztg." berichtet: Vor einigen Monaten erregte der plötzlich erfolgte Redactionswechsel in dem in Leipzig erscheinenden antisemitischen „Tages-Anzeiger" einiges Aufsehen, namentlich aber der Form willen, in der die Thatsache von dem Blatte mitgetheilt wurde. Der plötzliche Wechsel geschah, als das Blatt von dem Verleger Herrn Theodor Fritsch an Herrn Dr. Wauer verkauft wurde. Ohne Weiteres von seinen antisemitischen Freunden au die Luft gesetzt, wollte Herr Lucko, der bis dahin der Redacteur des „Tages - Anzeigers" gewesen war und jetzt ohne Kündigung entlassen wurde, nun wenigstens seinen Gehalt für die gesetzliche Zeit haben, da er jedoch mit dieser Forderung von Wauer an Fritsch und von Fritsch an Wauer gewiesen wurde, keiner aber von Beiden Zahlung leistete, so strengte Lucko schließlich gegen Fritsch die Civilklage wegen Zahlung einer Restgehaltssumme und des üblichen Drei-Monats-Gehalts an. In dieser Sache wurde am Mittwoch vor der 3. Zivilkammer des Landgerichts verhandelt. Als aber alle Einwendungen des, Beklagten resp. dessen Anwalts nicht den erwarteten Erfolg zu haben schienen, machte Fritsch schließlich das Recht des Arbeitgebers geltend, einen Angestellten wegen Beleidigung sofort entlassen zu dürfen. Diese Beleidigung konnte allerdings in einem Briefe gefunden werden, den Lucko s. Z. an Fritsch gerichtet hatte, als er kein Geld erhalten konnte. Unter diesen Umständen zog es der Kläger vor, auf einen Theil seinen Forderungen zu verzichten, resp. auf ein Vergleich einzugehen. Uebrigens stehen zwischen den genannten Personen noch mehrere Strafprozesse bevor, da Lucko gegen Wauer die Beleidigungsklage angestrengt hat, die dieser mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruches erwiederte. Lucko war nämlich, als ihn der neue Verleger aus seinem Redactionszimmer weisen wollte, nicht sogleich gegangen. Würzburg. In der vorigen Woche hatte ich Gelegenheit, die Räumlichkeiten und Einrichtungen des hiesigen jüdischen Kranken- und Pfründnerhauses näher zu besichtigen, und kann ich nur die höchste Befriedigung und Freude äußern über den Aufschwung, den diese so segensreich wirkende Gemeindeinstitution seit den wenigen Jahren ihres Bestehens genommen hat. Die Anstalt hatte bei der Gründung von der Stadt ein Anwesen an der Gerbrunnerstraße erworben, das bis jetzt zugleich als Kranken- und Pfründnerhaus diente. Schon lange jedoch zeigte sich das Bedürfniß, ein gesondertes Gebäude für die Pfründner zu errichten, und in diesem Sommer wurde der Bau energisch in Angriff genommen. Das neue Gebäude, für welches man einen Theil des sehr beträchtlichen Hofraumes verwendete, schließt sich an das Krankenhaus an und wird auch mit demselben direkt verbunden werden. Das Krankenhaus enthält in jedem Stockwerk sieben Zimmer. Das Erdgeschoß bildet die Wohnung des Verwalters, der erste Stock ist zur Aufnahme der weiblichen, der zweite Stock zur Aufnahme der männlichen Kranken bestimmt. Die Krankenzimmer sind in einer allen Anforderungen entsprechenden Weise eingerichtet. Aus einzelnen Betten — es sind die für unbemittelte Kranke bestimmten Freibetten — sieht man Täfelchen mit den Namen derer, welche durch namhafte Stiftungen für die Anstalt sich ein bleibendes Verdienst um dieselbe erworben haben. Von den Krankenzimmern aus bietet sich dem Beschauer eine malerische Aussicht auf die umliegenden grünen Gärten und Fluren, durch welche sich die Spuren des Dampfrosses dahinschlängeln, und entzückt verweilt der Blick auf dem herrlichen Landschaftsbilde. — Von dem alten Gebäude aus gehen wir hinab in den ausgedehnten Garten, der neben wohlgepflegten Gemüsebeeten auch Obstbäume und Rebengelände enthält. Im Kellerraum des noch im Bau begriffenen neuen Gebäudes wird eine Leichenhalle eingerichtet mit einem Nebenzimmer, in welchem sich die Todtenwächter aufhalten können, und das auch zur Vornahme der mnta bestimmt ist. Die bis jetzt benützte Leichenhalle war unzulänglich, und besonders machte sich der Mangel eines Nebenraumes für obengenannte Zwecke sehr fühlbar. — Der Parterreraum enthält den Betsaal, der sich früher provisorisch im alten Gebäude befand, jetzt

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