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Der Israelit · 1891-11-05 · Heft 86 (5.11.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 86 (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1613 wandte X. Tag für Tag in die akademische Hörsäle gegangen und habe mit Studenten Verbindungen angeknüpft, wobei er auch Nobiling kennen lernte. Mit demselben habe er auch mehrfache Besprechungen gehabt, ihn auch verschiedentlich in seine Wohnung geladen. Einmal sei Nobeling mit einer Visitenkarte zu dem X. gekommen, wobei er gesagt habe, er müsse X. unter allen Umständen sprechen. Beide seien im „Jägerkeller" zusammengekommen, daraus habe Nobiling in einem jüdischen Hause „Unter den Linden" Wohnung erhalten, von diesem aus habe das Attentat stattgesunden. Nachdem dasselbe geschehen, habe der Sanitätsrath I., ein Verwandter des X., vor dem betreffenden Hause gestanden, er sei sofort hinzugcsprungen und habe eine Operation vornehmen wollen, die unbedingt tödtlich gewesen wäre, wenn nicht Professor Z., jetzt in Halle, der hinzukam, dieselbe noch rechtzeitig verhindert hätte. Nobiling selbst habe sich bei dem Attentat nur leicht verwundet, sei aber in der Nacht vor dem für ihn anberaumten Verhör in gcheimnißvollcr Weise, unter der Behandlung des Sanitätsraths Z)., gestorben. Diese Angaben machten aus die Zuhörer einen gewaltigen Eindruck, nicht minder aber die Mittheilung, daß Kaiser Friedrich kein Jüdensreund gewesen, sondern Herr Landrath v. Diest-Dabcr habe einen Brief von Kaiser Friedrich, der selbst Jahre lang in Wucherer- Händen gewesen, woraus das Gegentheil hervorgehe. Auch den Fürsten Bismarck beschuldigte der Redner, daß derselbe 70,000 Mark erhalten habe, in welchem Zusammenhänge die Sache stand, ist uns nicht ganz klar geworden, wenigstens sprach Ahlwardt dabei von einem weiteren angeblichen Meineide Bleichrödcrs." Die „Gelsenkirchener Ztg." findet diese Mittheilungen „unglaublich und ungeheuerlich". Wir auch! Aber sie malen so wunderbar den iLeelenznstand dieses „ehrenwerthen Mannes", der seinem Publikum solche Kost vorsetzen zu dürfen glaubt, daß wohl eher der Psychiater als der Staatsanwalt hier einzuschrcitcn hätte. Osnabrück, 26. Oktober. Der ultramontanen „Köln. Volks-Ztg." wird von hier geschrieben: Seit einiger Zeit schenken die Antisemiten dem Lande Hannover rege Aufmerksamkeit; besonders unsere Stadt und Hildesheim werden mit häufigen Versammlungen bedacht und die dabei der Centrumspartei an den Kops geworfenen Artigkeiten lassen schließen, daß es nach dieser Seite hin aus Gimpelfang und vielleicht noch auf mehr abgesehen ist. Vergebliche Mühe! Gestern sprachen hier Dr. Kön i g (Witten) über die „Verjudung der Justiz" und Dr. Danneil (Bielefeld) überden „EMenzkampf des Mittelstandes". Dr. König führte aus, daß das in unserer Rechtspflege vorherrschende römische Recht noch erträglich sei, wenn es von deutschen Richtern gesprochen werde; erfolge die Aburtheilung aber von jüdischen Richtern, so könne man ausrufen: „Armes Vaterland!" Schon 21 pCt. jüdischer Juristen gehörten dem Richterstande (?) an, ebenso sei es in der Advokatur. Den Kernpunkt der Rede bildete eine Illustration der Hildesheimer Referendar-Affaire, des Falles Bleichröder-Ahlwardt, des Prozesses Manche u. s. w. Dr. Danneil versicherte, die Antisemiten erregten keinen Raccnhaß, sondern förderten nur berechtigte Reaction gegen das Judenthum. Auch auf Kirche und Schule suchen die Juden ihren Einfluß auszudehnen. Es sei eine Schmach, daß Socialdemokratcn und Juden geduldet würden, während die Jesuiten vertrieben blieben, deren Zurückrufuug man befürworten müsse u. s. w. Wer merkt da nicht die Absicht und wird verstimmt! Danzig. Eine Erleichterung der Auswanderung der Juden aus Polen ist nach einer der „Pol. Corr." aus Warschau zugehenden Meldung dadurch eingetreten, daß der General-Gouverneur verfügt hat, von der bestehenden Vorschrift, wonach die Ausgabe von Auswanderungspässen, die an die Bedingung der Stellung einer Caution geknüpft ist, abzusehen. Karlsruhe (Baden.) Gelegentlich einer dahier im Cafe Nowack abgehaltenen Antisemitenversammlung, in welcher Liebermann von Sonnenberg eine seiner bekannten Hetzreden hielt, berichtet die hiesige eonservative „Badische Landpoft" in einem Artikel: „Deutsch-soziale Versammlung im East Nowack" sehr ausführlich und hat die Unverfrorenheit zu behaupten: „Die hiesige Indenschast habe zur Storung derVersammlung Soldknechte der Sozialdemokratie gedungen und bezahlt." Den: gegenüber erklären der Synagogenrath, unterzeichnet: A. Bielefeld und der Vorstand der isr. Religionsgesellschast, unterzeichnet: I. H. Ettlinger und M. A. Strauß g eine in sch östlich, daß diese Äenßcrung des frommen Blattes eine gehässige Verleumdung sei. Rußland. Judenverfolgungen haben sich auch in der russischen Stadt Pogar abgespielt; dabei wurden acht Juden erschlagen, mehrere Hundert mißhandelt und 15 Häuser eingeäschert. Die Juden wurden während der Anwesenheit in der Synagoge überfallen. England. London. In einer Kriminalsache, welche kürzlich im Thames Gerichtshöfe vor dem Richter Montagne Williams zur Verhandlung gelangte, war dem jüdischen Zeugen Lewis Benjamin der Befehl geworden, gewisse der Wtsitby Jet Company, seinen Prinzipälen, gehörige Geschäftsbücher vorzulegen. Der Zeuge behauptete, dies nicht ohne die spezielle Erlaubniß seiner Prinzipale, welche zur Zeit verreist waren, thun zu können. „Was", fuhr ihn der Richter in taktloser Weise an, „lügen Sie nicht; Sie sind ganz genau wie Ihr Volk, das ist listig und lügt auf der Zeugenbank." In einer anderen Verhandlung, welche denselben Richter im Worship Street Gerichtshöfe beschäftigte, sprang die Frage auf, ob eine in Deutschland von einem Rabbiner nach jüdischem Ritus sowohl, wie auch nach deutschem Rechte getrennte Ehe auch in England als Scheidung betrachtet werden könne. Die Sache war allerdings schwierig. Herrn Williams machte sie aber

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