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Der Israelit · 1891-11-05 · Heft 86 (5.11.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 86 (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1610 rigkeit leitete seine Großmutter einige Zeit die Regierung, fand aber bei einer Revolution im Innern des Serails ihren Tod. Der hochbegabte Muhammed Kuprili trat hieraus als Großvezir an die Spitze der Verwaltung, und wußte sich das Vertrauen seines Herrn auch nach dessen Großjährigkeit zu erhalten. Der Sultan war zu jener Zeit ein junger Mann von vier bis fünfundzwanzig Jahren, erhalte einen hellen, klaren Kopf und war nicht ohne Gerechtigkeitssinn. Zu seinem Großvezier hatte er unbegrenztes Vertrauen nach jeder Richtung hin, dennoch hätte er ein selbstständiges Vorgehen desselben in einer hochwichtigen Staatsangelegenheit schwerlich gebilligt. „Friede sei mit Dir, Muhammed Kuprili", rief er dem Eintretenden entgegen, der sich nach der Thür tief verneigte. „Was führt Dich zu dieser ungewöhnlichen Zeit zu mir? — Doch je weniger ich Dich jetzt erwarten konnte, desto willkommener ist mir Dein Kommen." Der Großvezier verneigte sich abermals. „Du überhäufst Deinen Diener mit der Fülle unverdienter Gnade." „Nicht unverdient ist die Gnade, deren Fülle ich Dir so gern zuwende," entgegnete der Sultan, „wer hätte meine Gnade verdient, wenn nicht Du, zu dessen Weisheit ich vertrauensvoll emporschaue. — Doch nun zur Sache — denn ich sehe cs au Deinem Angesicht, es betrifft eine ernste Angelegenheit, der ich Dein Kommen verdanke." „Der Scharfblick meines Herrn ist wunderbar," erwiederte Muhammed Kuprili, „es ist allerdings eine hochernste Angelegenheit, die ich Deiner Weisheit zu unterbreiten mir erlauben muß. — Du wirst Dich, o Herr, eines sonderbaren Schwärmers erinnern, über den der Kaimakam in Smyrna wiederholt Klage geführt, daß er die dortigen Juden aufgewiegelt und daß —" „Ich erinnere mich," fiel der Sultan ein, „hat er nicht behauptet, ich würde vom Throne steigen und ihm meine Krone aufsetzen?" „Ich bewundere das Gedächtniß meines Herrn, dem selbst solch' wahnwitzige Aeußerungen unvergessen bleiben." „Wahnwitz spricht allerdings aus diesen Acusseruugen — doch wie es scheint, ein harmloser Wahnwitz." „Aber der Schein trügt oft," versetzte der Großvezier, „auch ich habe jenen Schwärmer bisher für harmlos gehalten und habe deßhalb zugestimmt, daß er in dem Dardanellenschlosse bei Abydas in nicht allzuschwerer Haft gehalten werde. Doch erst in dieser Stunde habe ich die, allem Anscheine nach, zuverlässige Nachricht erhalten, daß der Gefangene in Abydas hochverräterische Pläne schmiedet, daß er mit sämmtlichen Juden der Welt in Verbindung stehe, daß Tausende und Abertausende durch den der Bestechlichkeit zugänglichen Schloßhauptmaun Zutritt zu demselben erhalten. Daß auf seinen Ruf sämmtliche Juden der Erde sich erheben und um ihn schaaren sollen und daß er mit ihnen die türkische Provinz Palästina erobern wolle." „Du hast bereits Befehl erthetlt, den Hochverräther gefangen zu nehmen?" fragte der Sultan. „Ich habe cs nicht gewagt, meinem Herrn vorzugreifen. — Und überdieß, nominell ist er bereits gefangen." „Ein Gefangener, der Tausende empfangen und mit Abertausenden conspiriren kann, ist in Wirklichkeit kein Gefangener." „Du befiehlst demnach, ihn in schwere Haft zu nehmen." „Gewiß, das ist unerläßlich. Und dann muß ihm sofort der Prozeß gemacht werden — und zwar ein kurzer Prozeß." (Fortsetzung folgt.) „JSraellt" und „Jefchurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pt bestehen bet G. F. Klrtnuckrr« Leipzig, Uvßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die breigcfpaltene Petitzeilc oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland m» Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition ftana» Inhalt (Hauptblatt): keilender Artikel: Die Delegirten-Versammlung zur Berathung der Hilfsaction für die Russischen Juden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Düsseldorf. Leipzig. Gleiwitz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Iägerndors. Pilsen. — Rußland'. Petersburg. Tiflis. — Türkei: Konftanlrnopel. — Bermischles. — Feuilleton: Sabbaten Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Delegirten-Versammlung zur Berathung der Hilfsaction für die Russischen Juden. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) -- Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Hessen. Berlin. Osnabrück. Danzig. Karlsruhe. — Rußland: Pogar. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Ans Eisenach. — Rumänien: Bukarest. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage tt.

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