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Der Israelit · 1891-11-05 · Heft 86 (5.11.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 86 (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1607 königlichen Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Dresden Revision eingelegt worden. Damit ist die Verurtheilung Fritsch's entschieden, denn wegen derselben Flugblätter liegt bereits ein Präjudiz des Oberlandesgerichts Dresden vor, nach welchem in der Verbreitung derselben grober Unfug zu erblicken ist. Leipzig. Die „Saale-Zeitung" schreibt: Ist die Behauptung, man sei „jüdischer Abkunft" bezw. „Judensproß", eine öffentliche Beleidigung? Ueber diese Frage soll sich demnächst das berliner Landgericht auf Antrag des Auswärtigen Amts schlüssig machen. Der famose Carl Paasch hatte das in einem Briefe an den Reichskanzler von dem Gesandtschafts-Attache Frhrn. v. Eckardstein behauptet, unter Hinweis auf eine Leg"nde, der zufolge diese märkische jungadelige Familie von dem in den berüchtigten Tower-Diebstahl verwickelten Juden Jakob Stein abstammen soll. Daraufhin ist gegen den Urheber, der diese Reminiscenz einem Feuilleton hiesiger Blätter entnommen hat, die Bestrafung wegen Beleidigung beantragt worden. Gleiwitz. Die ordentliche Hauptversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostseeprovinzen sollte in diesem Jahre im Anschluß an die Versammlung des Posener Provknzial-Lehrervereins im October ftattfindcn. Da jedoch zu diesem Termine, der nicht in die Ferien fiel, viele Mitglieder verhindert gewesen wären, an der Versammlung theilzunehmen, hat der Vorstand beschlossen, die Versammlung in den diesjährigen Weihnachtsfericn abzuhalten. Oesterr. Ungar. Monarchie. Jägerndorf, im October. Die Gemeinde-Vertretung der Stadt Jägcrndorf hat in öffentlicher Sitzung stimmeneinhellig eine Resolution gefaßt, in welcher sie gegenüber einer hier tagenden Hauptversammlung des antisemitischen österreichisch-schlesischen Genossenschafts- Verbandes unter Hervorhebung der großen Verdienste des Rcichsraths-Abgeordneten Dr. Max Mengcr um den Gewerbestand die Erwartung ansspricht, daß die verhetzenden Bestrebungen jener Körperschaft hier keinen Boden finden werden. Pilsen. In Pilsen wurde eine czechisch-antisemitische Versammlung abgehalten, in welcher die Bildung eines czechisch-antisemitischen Vereins beschlossen worden ist, durch den von Pilsen aus den Deutschen und den Juden in Böhmen der Krieg auf dem wirthschastlichen Gebiete erklärt und dahin gewirkt werden soll, daß die Czechen von Deutschen und Inden nichts mehr kaufen. Mit Bezug hierauf erhält die „N. Fr. Pr." von dem kaiserlichen Rath Herrn W. Frankl folgende Inschrift: Als gewesener Testaments-Executor der letztwilligen Anordnung der verstorbenen Frau Elise Herz, geborenen v. Lämel, beehre ich mich zur Charakteristik des in Bildung begriffenen Antisemiten-Vereins in Pilsen Ihnen Folgendes mitzntheilen. Laut beiliegender Abschrift des Stiftsbriefes hat die verstorbene Frau Elise Herz eine Stiftung von 40,000 fl. angeordnet. Von den jährlichen Zinsen per 2000 fl. sind alljährlich vier zur Etablirung angehende Gewerbsleute, welche in der Stadt Prag oder aus dem Pilsener Kreise gebürtig sind, mit je 500 fl. zu betheilen. Die Stiftung hat seinerzeit eine bedeutende Sensation in Pilsen hervorgerusen. „Als im Vorjahre der gegenwärtige Bürgermeister von Pilsen, Herr Dr. Krofta, mir einen Besuch abstattete, sagte er zu mir: „Sie können sich keine Vorstellung machen, welche wohlthätige und erfolgreiche Wirkung diese Stiftung auf die sozialen Verhältnisse in Pilsen zur Folge hat." Er hatte nicht genug Worte der Dankbarkeit und der Bewunderung. Schließlich bat er mich um ein photographisches Bild der verstorbenen Frau Stifteritt, das ich ihm sofort übergab. Er benöthige, sagte er, das Bild, weil die Communal-Vertretung von Pilsen den Beschluß gefaßt hat, ein lebensgroßes Bild der verstorbenen Frau Stiftcrin anfertigen zu lassen und im städtischen Museum znm ewigen Gedächtnisse anfzubewahren. — Die nun im Begriffe befindliche Bildung des Antisemiten-Vereins in Pilsen wird zum ewigen Gedächtnisse Zengenschaft geben, welche Dankbarkeit in der Stadt Pilsen herrscht. Ans der vom kaiserlichen Nathe Herrn W. Frankl beigeschlossenen Abschrift des Testaments geht hervor, daß die Stiftung für Gewerbsleute jeder Confession, welche ans Prag oder aus dem Pilsener Bezirke gebürtig sind, bestimmt ist: bei beit obtvciltenben nationalen Verhältnissen in Pilsen kommt sie zumeist den Czechen zugute. Dies geht auch ans der uns von Herrn Frankl zur Versagung gestellten Abschrift eines Berichtes hervor, den der Pilsener Bürgermeister Dr. Krofta vor zwei Jahren über die Vertheilung der Stiftung in den Jahren 1885, 1887 und 1888 erstattet hat. In jedem dieser drei Jahre hat der Gemeinde-Ausschuß von Pilsen vier Gemerbtreibcnde mit den Zinsen dieser Stiftung betheilt. Darunter befand sich in jedem Jahre nach den Bestimmungen des Stiftsbriefes ein Verwandter aus der Familie der Stisterin: die übrigen mit je 500 fl. bedachten Gewerbsleute waren: Schneider Stummer, Sattler Votlucka, Buchbinder Brotanek, Schneider Frank, Hafner Pav, Tischler Kncera, Tischler Havel, Friseur Pochazka und Schneider Strafe«, deren Namen allerdings czcchisch genug klingen. Rußland. Petersburg, 29. Oct. Der „Grashdanin" erklärt die durch die „Nowoje Wremja" verbreiteten Gerüchte, daß die 'Juden künftig nicht zu den Lieferungen für die Krone zngelasscn werden und andere die Juden betreffende Maßnahmen beabsichtigt seien, für unbegründet. Tiflis im Kaukasus, 15. October. Nächster Tage trifft hier der Emir von Bokhara, Abdul Ahad Khan, der sich nach Petersburg begibt, um dort dem Czaren zn huldigen, ein, und wird er hier einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen. Während seiner Abwesenheit werden russische Truppen sein Land besetzen, um dort die Ruhe aufrecht zn erhalten, die Regiernngsangelegenheiten wird indeß der Großvezier mit den übrigen Cabinetsministern besorgen. Die Juden in Bokhara können daher vollkommen beruhigt sein und brauchen nicht zu fürchten, daß während der Abwesenheit ihres Landes- &

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