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Der Israelit · 1891-11-05 · Heft 86 (5.11.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 86 (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1606 ZeitnrrgSttachrichten mtb Korrespondenzen. Deutschland. Verkitt. Zu einer Judenhetze der schnödesten Art versuchten die Antisemiten in der letzten Zeit irgend eine Privatangelegenheit des Herrn v. Bleichröder auszubeuten. Sie behaupteten unter anderem, daß auf direkte Veranlassung des Kaisers ein früher angestelltes Verfahren wegen Meineids gegen Herrn v. Bleichröder wieder ausgenommen worden sei. Jetzt erklärt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" diese Behauptung für unrichtig. Allerdings habe „in Folge von neuerlichen, an die höchsten Staatsbehörden gerichteten Eingaben eine Prüfung des Sachverhalts stattgefunden. Dieselbe habe aber einen Anlaß zu irgend welchem strafrechtlichen Maßnahmen gegen Herrn v. Bleichröder nicht ergeben." Berlin. Auch aus Sibirien wird über Maßregeln gegen die Einwanderung der Juden berichtet. Der „Nowoje Wremja" zufolge hat der General-Gouverneur von Jrbrutsk in Anbetracht der Uebersiedelung zahlreicher jüdischer Familien in die sibirischen Gouvernements d'e Anordnung getroffen, daß die Familien nach Sibirien verschickter Juden, die nicht zugleich mit ihnen ins Land gekommen, sondern, wie das früher häufig geschah, erst nachträglich die Verschickten an dem ihnen zugewiesenen Wohnorte aufsuchten, des Rechtes verlustig sein sollen, in Sibirien zu wohnen, und daß dieselben demgemäß in das Gebiet der Ansiedelungsberechtigung der Juden auszuweisen seien. Düsseldorf, 24. Oktober. Bezüglich der Persönlichkeit des Rectors Ahlwardt macht das „Düsseld. Volksbl." gelegentlich der neuesten Broschüre Ahlwardt's „Der Verzweiflungskampf der arischen Völker mit dem Judenthum" folgende nicht unzutreffende Bemerkungen: „Was die ganze Angelegenheit charakterisirt, ist dasjenige, was Ahlwardt nicht über den Bleichröder'schen Fall, sondern über sich selbst und sein Verhältniß zu dem Hofrath ManchS und einem Aaron Meyer sagt, da Beide vor Kurzem in der bekannten Titelschacher- Affaire Thomas wegen Unterschlagung zum Nachtheil des Letzteren verurtheilt worden sind. Wenn Ahlwardt einen Erfolg von seiner eben mitgetheilten Veröffentlichung des Vertrages erwartete, so hätte er sich auf diese Mittheilung beschränken müssen, nicht aber eine Zeichnung seiner eigenen Person geben dürfen, welche die wahre Absicht des Verfassers der Broschüre in ein recht häßliches Licht rückt. Nachdem Ahlwardt angeblich „durch Juden ruinirt" worden, wurde er durch einen Agenten (ob auch ein „Jude" — sagt er nicht) auf den Bureauchef des Geheimen Civilcabinets Manche aufmerksam gemacht, als Jemand, der bereit sei, ihm zu helfen. Er wird mit Manche bekannt, an eine angebliche Vertrauensperson — wiederum einen „Juden"! — Aaron Meyer verwiesen, es.werden Bittgesuche für ihn losgelassen, der pecuniäre Erfolg ist nicht der von Ahlwardt erwartete, und jetzt geht die Judenhetze los; er erfährt, daß Manche aus einer jüdischen Familie stammt und bleibt trotz seiner bösen Erfahrungen und seines Hasses doch nicht fern. Weßhalb? Er sagt es selbst: weil er auch noch ein Geschäft zu machen hoffte. Er kannte den Fabrikbesitzer Albert Thomas, der in der Nähe der Ahlwardt'schen Schule in Berlin angesessen war; er kannte ihn als einen zum Wohlthun geneigten Mann, bringt, rein zufällig natürlich, bei Gelegenheit eines Besuches, wo er Thomas um Hilfe für einige dürftige Schulkinder angehen wollte, die Rede auf die Anerkennung, welche Thomas wegen seiner Wohlthätigkeit findet, und ist plötzlich bei dem „Titel", den er natürlich als werthlos verwirft, wofür er aber die Vermittelung kennt. Er verbindet Thomas mit Manche und Meyer, erfährt zufällig, daß Thomas schon 35,000 Mk. gezahlt hat, und gibt sich alle Mühe, die Förderung der Wünsche des letzteren zu betreiben. Nun kommt der wunde Punkt, das Geld, welches Ahlwardt nicht erhalten hat. Das thut ihm leid; er bekennt seine — allerdings nicht sofort, sondern im Laufe der nächsten Monate (?) ihn überkommenen — egoistischen Hintergedanken. Ahlwardt dachte nämlich, wie er selbst sagt: „Erlangt Herr Thomas den Commerzienrath-Titel, so wirst du ihn um ein ausreichend hohes, unverzinsliches Darlehen bitten, um aus einer schwierigen Lage herauszukommen." Das also ist des Pudels Kern! Angesichts dieses offenen Egoismus ist die am Schluffe der Broschüre gehaltene Selbstberäucherung wegen seiner Unkäuflichkeit, bezw. der Unverkäuflichkeit der in seinen Händen befindlichen Originalschriften zur Bleichröder'schen Angelegenheit nicht recht verständlich. — Oder sollten die Originale vielleicht für dritte — speciell Vleichröder — ohne Werth und ungefragt sein? Obwohl schon seit 1881 ausgesprochener Judenfeind, als solcher erkannt und verfolgt, entrirt er im Jahre 1885 die Verbrüderung mit Manche und Meyer und hält diese Verbrüderung mit den Juden aufrecht; seine Hoffnung, etwas Klingendes zu erreichen, schlägt fehl, und die Folge davon ist das Losziehen gegen die Juden, speciell gegen Bleichröder, mit anderen Worten, er speculirt jetzt in Antisemitismus." Leipzig, 19. October. Der hiesige Antisemit Ingenieur Fritsch war wegen Herausgabe der bekannten Weihnachtsflugblätter, worin vor dem Kaufen bet Juden gewarnt wurde, vom Schöffengericht wegen groben Unfugs zu 20 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurtheilt, auf erhobene Berufung aber von der Ferienstrafkammer freigesprochen worden. Gegen dieses Urtheil ist von der

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