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Der Israelit · 1891-11-02 · Heft 85 (2.11.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 85 (2.11.1891)
Date
1891-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Mage w M 85 ata „Israelit & Aeschttmn- I Zeitrmgsnachrichten und Correspondenzen. I Deutschland. I Mainz, 29. Oktober. „Siehe, ich nehme!von dir hinweg die Lust deiner Augen .... aber I du sollst nicht klagen und nicht weinen, und deine I Thränen sollen nicht fließen." (Ezech. 24, 16.) I Vom tiefsten Schmerze durchbebt, unfähig eine Thräne zu vergießen, umstanden heute die Bahre einer theuren Heimgegangenen deren Gatte und Kinder. Frau Hanna B o n d i ist in ihrem achtnndfünfzigsten Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen worden. Und wahrlich, der wortlose | Schmerz der tiefgebeugten Hinterbliebenen ist ein ' nur zu berechtigter. Hat doch mit der Dahinge-! schiedenen eine edle und fromme Frau ihre irdische Laufbahn vollendet. Einer vornehmen, jüdischen Familie entstammend, eine Tochter des unvergeßlichen Rabbi Melr Lehren Präses der heiligen Gemeinde Amsterdam, vermählte sie sich mit Herrn Hugo Bondi n in Mainz, mit welchem sie dreiunddreißig Jahre in glücklichster Ehe lebte. Sie war eine tm rw« in des Wortes wahrster Bedeutung. Viele Jahre ihres Lebens an das Krankenlager gefesselt, bethätigte sie es, „zu leiden, ohne zu klagen", die Leiden und Schmerzen ihres Körpers vermochten nicht, die Schwungkraft ihrer lebensfrohen Seele zu lähmen, und so blieb sie der lebendige und der belebende Mittelpunkt eines Kreises von Menschen, die sie liebten und verehrten, sich Rath bei ihr holten und Trost. Es war oft wunderbar zu sehen, wie sie vom Bette aus Alles lenkte, und wie ihr starker Geist es verstand, sich Autorität zu verschaffen, wenn es galt, hohe und heilige Aufgaben zur Ausführung zu bringen. Sie war Gattin und Mutter in des Wortes edelstem Sinne. Wie war sie im Verein mit ihrenr Gatten bestrebt, ihre Kinder zu wahrhaften Inden zu erziehen, in ihren Herzen den Geist reiner Religiosität, edler Menschlichkeit und den Sinn für alles Ideale zu pflegen. Die Art und Weise, wie sie Wohlthaten übte, war die einer liebevollen Schwester, die mit zarter Hand den leidenden Bruder stützt. Innige Religiosität, tiefes Gefühl füralles Wahrhafte und Gute, verbunden mit vornehmer Einfachheit und liebevoller Fürsorge, das waren die Grundzüge ihres Charakters. — Rach einem Leben, dessen schwere Stunden sie mit edler Ergebung und Selbstverleugnung trug, ist sie heimgegangen zur himmlischen Ruhe, unvcrgeßbar den Herzen Vieler, unvergcßbar und ewig geliebt. Berlin. Auf vielfache Anregung seitens der Mitglieder des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" hat 'sich Herr Lic. G r äb n e r entschlossen, allwöchentlich eine Korrespondenz herauszugeben, welche als „Mittheilungen" aus dem Verein erscheinen soll. Die Probenummer liegt uns vor, und sie wird voraussichtlich viel dazu beitragen, daß die „Mittheilungen", welche übrigens durchaus kein offizielles Organ des genannten Vereins sind und sein wollen, viele Leser finden. Der Herausgeber, Herr Lic. Gräbner, will nur „unbedingt zuverlässige und unanfechtbare Thatsachen" aus dem Lager der Antisemiten veröffentlichen. Die Probenummer enthält eine sorgsam gesichtete Zusammenstellung der neuesten Vorgänge, welche sich in der Antisemitenpartet abspielen, sie enthält außerdem kurze Mittheilungen über allgemeine, aber dennoch in einer Beziehung zu dem antisemitischen Treiben stehende Angelegenheiten. Wir empfehlen dies Unternehmen auf das Angelegentlichste. Berlin. Der zu den hohen Feiertagen in dem großen Handwerkersaale arrangirte Gottesdienst, der gerechte Veranlassung zu Klagen über vorgekommenen Unfug gegeben hat, steht nicht unter Aufsicht des hiesigen Gemeindevorstandes, sondern ist Privatspekulation. Breslau, 20. October. Die schlesischen Antisemiten haben, wie der „Bote a. d. R." mittheilt, natürlich „vertraulich" zum 7. und 8. November Einladungen zu einem Parteitage ergehen lassen, angeblich, weil die sog. „deutsch-soziale" Bewegung in letzter Zeit auch in Schlesien so erfreuliche Fortschritte gemacht habe, daß ein festerer Zusammenschluß der bis jetzt vereinzelten Kräfte zu gemeinsamer Wirksamkeit nicht bloß wünschenswerth, sondern nothwendig erscheine. Der „Bote" meint: „Die letzte Zeit hat besonders gezeigt, welche „Ehrenmänner" die Führerschaft der Antisemiten übernommen haben. Die Helden der Ehrcnscheine, der Falscheide, der Alimentenprozesse haben in diesen Tagen erheblichen Snceurs erhalten. Im österreichischen Abgeordnetenhause hat der bekannte Stempelsälschcr Schneider, einer der Führer der österreichischen Antisemiten, direct und eigenhändig eine Anzahl Stimmzettel gefälscht und rühmt sich dessen noch. Hier in Deutschland ist die Partei, die Herrn Rector Ahlwardt zu ihren Führern zählt, zu einer Partei des Denunciantenthums herabgesunken, so daß es kein Wunder ist, daß selbst die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, eine tiefere politische Bedeutung sei der antisemitischen Bewegung nicht beizulegen. Unter solchen Verhältnissen ist cs begreiflich, daß die schlesischen Antisemiten engeren Anschluß unter einander suchen, entweder um Trost im Unglück zu haben oder aber, um durch erhöhte Agitation den Blick von dem Lumpenthum abzulenken, das sich seit längerer Zeit unter der Fahne des Antisemitismus breit macht." In der Einladung, welche von den gcschäftssührenden Ausschüssen I. A. Amtsgerichtsrath a. D. Milde unterzeichnet ist,

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