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Der Israelit · 1891-11-02 · Heft 85 (2.11.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 85 (2.11.1891)
Date
1891-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1594 Tagereisen von Konstantinopel entfernte Dardanellenschloß Abydas zu überführen, wo die türkische Regierung die höher gestellten Staatsgefangenen in Haft zu halten pflegte. Sabbatai's Anhänger jubelten laut, als die Kunde von diesem Befehl zu ihnen drang und unschwer erwirkten seine Vertrautesten die Erlaubniß, ihren Meister begleiten zu dürfen. Sorel, die liebreizende Frau des angeblichen Messias, hatte während der zweimonatlichen Gefangenschaft desselben in Konstanttnopel sich wenig um ihn gekümmert: sie hatte es durchaus nicht verlockend gefunden, die Leiden ihres Gatten zu theilen. Doch jetzt, wo nach Ansicht aller Gläubigen, sein Stern wieder im Aufgehen war, wo sie wiederum Luft und Freuden durch ihn erhoffen konnte, jetzt wandte sie sich wieder zu ihm. Auch ihr ward es gestattet, seine überaus leichte Haft zu theilen. Es war am Rüsttag des Pasfahfestes, als Sabbatai und seine Getreuen ihren Einzug hielten in das nordwärts von der Stadt gelegene befestigte Schloß. Der Schloßhauptmann, im Vorhinein von den reichen Anhängern seines künftigen Häftlings über dessen hehren Stand unterrichtet, empfing ihn mit ehrfurchtsvoller Begrüßung. Das schönste Zimmer im Schlosse ward ihm angewiesen; Sorel's Lippen entfuhr ein Ausruf des Entzückens, als sie zum Fenster trat und den herrlichen Ausblick gewahrte. Das Zimmer war an der Meeresseite gelegen. Man sah vom Fenster aus die brandenden Wogen, deren schäumende Gischt hoch aufwärts spritzte; und hinüber über die Wogen auf das lachende jenseitige Ufer. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde in dem Städtchen verbreitet, daß der angebliche Messias in dem Schlosse verweile, und schon am folgenden Tage, am ersten des Pasfahfestes, strömten nahezu sämmtltche Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Abydas hinaus zu dem Schlosse, des Messias ansichtig zu werden, womöglich Zutritt zu ihm zu erhalten. Der auf seinen Vortheil bedachte Schloßhauptmann hatte hierauf bereits gerechnet, bereitwilligst erklärte er Jedem den Eintritt zu gestatten, doch nur gegen ein nicht unbedeutendes Eintrittsgeld, das er, je nach den Verhältnissen des Einlaßbegehrenden, oft auf fünf, ja selbst auf zehn Thaler steigerte. Und die Bethörten zahlten freudig, was von ihnen verlangt ward und überhäuften außerdem den Gefangenen mit reichen Geschenken. Nicht so bald war es bekannt geworden, daß der Zutritt zu Sabbatai unschwer zu erlangen war, als Tag für Tag Schiffe aus der türkischen Hauptstadt anlangten, die Tausende und Abertausende seiner Anhänger zu dem Dardanellenschloffe führten. Keiner kam ohne ein bedeutendes Geschenk und jeder nahm dafür die beseligende Zuversicht niit nach Hause, in spätestens zwei Jahren die Erlösung des jüdischen Volkes gewärtigen zu dürfen. Sabbatai lebte inzwischen in Saus und Braus, das Fasten und Kasteien hatte er längst aufgegeben, die überreichen Spenden seiner Anhänger gestatteten ihm unbegrenzten Ueberfluß. Seine Haft war kaum Haft zu neunen, denn der kluge Schloßhauptmann, der sich durch dieselbe in wenigen Wochen ein nicht unbedeutendes Vermögen erworben hatte und dessen Einkünfte sich noch unablässig mehrten, gewährte ihm die möglichste Freiheit. Verlassen durfte er das Schloß freilich nicht, doch in demselben schaltete er als unbeschränkter Gebieter, gab Feste auf Feste zur Verherrlichung der eigenen Glorie und der Selbstvergötterung. Samuel Primo ward nicht müde, unablässig Sendschreiben zu erlassen an alle bekannten jüdischen Gemeinden der Erde, ihnen das Thun und Wunderthun des Messias und die übergroße Verehrung und Verherrlichung, die demselben von allen Seiten zu Theil werde, zu schildern. (Fortsetzung folgt.) „3*wwlU# und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel fU bestehe« bei E. F. Kteinacker, Leipstg, Dohpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direct« Francoznsendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland med Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, «« die Expedition franco einjnsend««. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Eine neue Art Gemiluth Chesed. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Aus Baden. —Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Holland: Amsterdam. — Rußland: Petersburg. — Italien: Rom. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zeivi. Histor. Erzählung von Ernst Schwarz. (Forts.) Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Breslau. Aus der Provinz Posen. Pleschen. Aus Westphalen. — Rußland: Petersburg. — England: London. — Türkei: Konstantinopel. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de8 „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der I o h. Wirt h'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gescllschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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