Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1891)
- Date
- 1891-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1593 Rabbiner und manchen Literaten gegeben hat, hat nun vor den Feiertagen seine Entlassung aus der Armee gefordert. König Humbert hat ans diesem Anlasse ein huldvolles Schreiben an den Oberst gerichtet, in dem er sich sehr anerkennend über die von ihm der Armee und dem Vaterlande geleisteten Dienste ausspricht und seinen Zeilen zugleich einen hohen militärischen Orden für den scheidenden Offizier beigeschlossen. > Vermischtes. < Leipzig, 25. Oetober. Die hier erscheinenden antisemitischen Deutsch-Sozialen Blätter brachten vor einiger Zeit eine umfangreiche Liste jüdischer Aerzte, die sich jüngst in Elsaß niedergelassen haben sollten. Seitdem nun diese Liste erschienen, wird in fast jeder Nummer des genannten Blattes berichtigt, daß Der und Jener kein Jude, sondern „Deutscher" sei. Die Lifte ist demnach schon gehörig zusammengeschmolzen. Vielleicht entdeckt Herr Theodor Fritsch noch einmal, daß der Name „Theodor" gleichen Ursprungs wie „Isidor" ist. Aus Buden, 20. Oct. Der antisemitische Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg bereist jetzt das badische Oberland und hat schon verschiedene Vorträge gehalten; in Müllheim vor sehr zahlreicher Versammlung. In Lahr, wo etwa 600 Personen des Vortrags harrten, wurde vor Beginn desselben die Versammlung wegen Tumultes polizeilich aufgelöst. Ins Unterland wird Herr Liebermann erst nach Schluß der nächsten Reichstagssession kommen, nämlich vor das Heidelberger Schöffengericht, wo seit langer Zeit ein Prozeß wegen Körperverletzung gegen ihn schwebt und wegen der Zweifachen Vertagung des Reichstags anstatt Schlusses immer noch nicht hat verhandelt werden können. Linz. Der Kaiser hat den Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Linz-Urfahr, Moritz Fricdnmnn, zum Mitgliede des Landesschulrathes für Oberösterreich für die nächste dreijährige Functionspcriode ernannt. Beßterrze. Der Kaiser hat anläßlich seiner Anwesenheit Hierselbst dem Komitatsobergespan Grafen P. Bethlen aus der Privatschatulle 2200 fl. zur Verwendung für wohlthätkge Zwecke überreicht. Die Auftheilung dieser hochherzigeil Spende erfolgte mit vollkommen gleicher Berücksichtigung aller Koufessiouen und erhielten der Israelitische Frauen - Verein 100, der „Malbisch Arniilim-Verein znrVekleidnng armer Schulkinder" 100 fl. aus derselben überwiesen. Gcücnburg. In der letzten Sitzung des Munizival-Ausschusses unter dein Vorsitze des Bürgermeisters wurde beschlossen, die bisher geleistete Subvention für die israelitische Volksschule von 2900 fl. auf 3400 fl. zu erhöhen. Paüua. Am 16. v. M. fand im Tempel der hiesigen Aschkenasi- Gemeinde die Vermählung der Signorina Ada Luzzatti, Tochter unseres Glaubensgenossen, des italienischen 'Schatzkanzlers Luigi Luzzatti, mit Signor Enrico Pontremoli di Vercelli statt. Unter den Hochzeitsgeschenken bemerkte man ein prachtvolles goldenes Armband mit großen Brillanten urd Saphiren besetzt, ein Geschenk des Königs Humbert und ein Silber- Kaffeeservice, welches Marquis de Rudini geschickt hatte. Dabbatcn Kewr. Historische Erzählung <S£rn*f Srlnnarr. (Fortsetzung.) Sabbatai's Anhänger in Konstantinopel waren in den ersten Tagen vollständig consternirt, ob der Behandlung, die ihrem Idol widerfahren, kaum wagten sie es, sich öffentlich blicken zu lassen, um nicht von Gassenbuben verhöhnt zu werden. Bald jedoch erstanden auch in Konstantinopel sogenannte Propheten, die die nahe bevorstehende Erlösung des jüdischen Volkes voraussagten und Sabbatat Zewi als den wahren Messias und Erlöser bezeichnten; unter ihnen waren die hervorragendsten Mose Suriel und Mordechat der Fromme. Alle stimmten darin überein, daß die Leiden, die der Messias gegenwärtig durchzumachen habe, nur eine Vorbedingung seiner demnächst bevorstehenden Verherrlichung seien und nur dazu dienten, in ihm den einzig wahren Erlöser erkennen zu lassen. Dem weisen Samuel Prkms, dem Gehekmschreiber Sabbatai's, der seinen Herrn und Meister auch tni Unglück nicht verlassen, erschien es jedoch nicht genügend, daß nur jüdische Propheten Sabbatai als Messias verkündeten. Er wußte einen türkischen Derwisch zu gewinnen, der gleichfalls als Prophet auftrat. Auf's Neue erfüllte hoffnungsfrcudige Zuversicht die Herzen der Anhänger Sabbatai's, Tausende umdrängten Tag für Tag das Gefängniß, in dem er verweilte, und waren überglücklich, wenn sie einen Blick von ihm erhaschen konnten. Inzwischen sandte Samuel Prinw Tag für Tag Sendschreiben an die auswärtigen Juden, in denen er die Verehrung schilderte, die dem Messias von den türtischcn Großen bezeigt werde. Thatsächlich war die Schwärmerei der Juden nicht ohne Einfluß auf ihre Umgebung geblieben; gar manche Türken glaubten gleichfalls an die hehre Sendung des Gefangenen, den die gläubige Menge als Messias verehrte. Der Großvezier fand es nicht rathfam, ihn in der Hauptstadt zu belassen, wo seine Anwesenheit die jüdische Bevölkerung in unaufhörliche Erregung hielt. Er befahl daher, ihn in das nahezu zwei