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Der Israelit · 1891-11-02 · Heft 85 (2.11.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 85 (2.11.1891)
Date
1891-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1591 berufen. Ein ähnliches Verfahren, — allerdings nicht im gleichen Umfange — findet an anderen größeren Grenzorten Ostpreußens und Oberschlesiens statt. Die „Israelitische Allianz" in Wien hat ihre Grenz-Sichtungscomitös an fünf Hauptstellen in Galizien und der Bukowina etablirt. Die Thä- Ligkeit der Europäischen Comites erreicht in den Hafenstädten Hamburg, Stettin und Bremen ihren Abschluß. Durch diese ebenso aufopfernde als geregelte Thätigkeit wird das leichtfertige Auswandern nach überseeischen Ländern verhindert und viel Unheil verhütet. Nachdem also gleichsam die Vorstudien beendet und reiche Erfahrungen im Bereiche dieses tieftraurigen Arbeitsfeldes gesammelt waren, erachtete es der geschäftsführende Ausschuß des Central- Comitös als seine Pflicht, auf den 20. und 21. dieses Monats Delegirte der europäischen und amerikanischen Comites zur Berathung über eine definitive Gestaltung des Hilfswerkes einzuberufen. Sämmtliche größere Städte des Continents leisteten dem ehrenvollen Rufe zur ernsten Arbeit Folge. Auch New-Iork entstaubte zwei Delegirte, desgleichen Amsterdanl, Kopenhagen, Paris, Budapest, Wien, Hamburg, Straßburg, Frankfurt a. M., Eöln, Hannover, Halberftadt, Breslau, Königsberg, Memel u. v. A. Als Resultat der zweitägigen Berathung können wir schon heute angeben, daß die berufenen Führer mit verdoppeltem Eifer an die Fortführung des Hilfswcrkes herantreten werden, daß in den Hauptfragen eine Ein müthigk eit erreicht wurde, und daß den religiösen Gefühlen der unglücklichen Verbannten Rechnung getragen werden wird. Wir dürfen auch constatiren, daß die Anschauungen unserer e n g e r n Gesinnungsgenossen mit geziemendem Nachdruck zur Geltung gebracht wurden, und sich der Zustimmung der maßgebenden Faktoren erfreuten. Daß beim Zusammentritt einer größer» Körperschaft oft Männer von Bedeutung und Einfluß übergangen werden, ist allerdings zu beklagen, jedoch nicht zu vermeiden. — Wir vermißten u. A. Herrn G. Jsaac, Charlottenburg, der als einer der Ersten auf dem Plane erschien, um den verjagten Brüdern zu Hilfe zu eilen. — Doch will unsere Bemerkung keineswegs die Verdienste der wackern Arbeiter für die Wohlfahrt der leidenden Brüder schmälern. Vielmehr ergeht die dringende Mahnung an alle unsere Brüder auf dem weiten Erdenrunde, das Hilfswerk nach Kräften zu fördern und Erbarmen zu üben mit den Kindern des Unglücks. Laßt uns das Elend mindern und aufrichten das niedergebeugte Gemüth unserer theuren Brüder, die nichts weiter verschuldet, als ihren Glauben zu lieben und den Vater der Menschheit als ihren einig-einzigen Gott anzubeten. A. Frankfurt a. M, 27. Oktober. Eine erschütternde Trauerkunde verbreitete sich heute in der hiesigen jüdischen Gemeinde. Herr Moses Tobias Sondheimer ist heute Nacht in Folge eines Schlaganfalles plötzlich gestorben. Nachdem erst vor Jahresfrist seine edle Gattin das Zeitliche segnete, müssen die beklagenswerthen Kinder heute auch den liebevollen und sorgsamen Vater betrauern. — M. T. Sondheimer war ein Enkel des berühmten Hanauer Rabbiners, Rabbi Moses Tobias Sondheimer jn. Er erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, war Mitglied der Verwaltung mehrerer öffentlicher Wohlthätigkeitsanstalten, so des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, und zeichnete sich überhaupt durch eine unbegrenzte Wohlthätigkeit aus. Wir behalten uns vor, in einer der nächsten Nummern noch ausführlicher über sein Leben zu berichten. Aus Baden. Es ist wirklich zu verwundern, wie die Antisemiten überall ihr kühnes Haupt emporhcbcn, selbst da, wo Fürst und Regierung es offen dargethan haben, wie sehr ihnen an dem konfessionellen Frieden gelegen ist. So hat in neuester Zeit ein Bahnassistent versucht, die Saat der Zwietracht nach der Gemeinde Philippsburg zu säen. In einer Hetzversammlung wurden die Juden für alles Unheil, das in der Welt vorkommt, verantwortlich gemacht und so roh in den abschreckendsten Farben geschildert, zum größten Erstaunen der Philippsburger, die bisher an ihren isr. Mitbürgern so schlimme Eigenschaften nicht wahrgenommen hatten. Dies ist auch der Grund, daß die Urheber der Versammlung nur ein trauriges Fiasko machten. Die Wahlen zum Landtage sind vorüber und sind die 2 Juden, welche von den Nationalltberalen in Mannheim wieder als Candidaten aufgestellt waren, den Sozialdemokraten unterlegen. Es hat also in dieser Session kein Jude einen Sitz in der Kammer. Sehr aufgebracht war die prächtige ,,Straßburger Post", daß man es nur gewagt hat, in der gut katholischen Stadt Constanz einen Juden aufzustellen. O e st e r r. - U » g a r. Mo n a r ch i e. Wien, 17. October. Der „Voss. Ztg." wird telegraphirt: Die hiesige Kohlenfirma Gebrüder Guttmann spendete eine Million Mark zur Errichtung einer israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Wien, 21. October. In einer Unterredung mit dem hiesigen „Times"-Korrespondenten hat Ba-

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