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Der Israelit · 1891-11-02 · Heft 85 (2.11.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 85 (2.11.1891)
Date
1891-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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das Studium unserer heiligen Thora einen solchen Windmühlenkampf zu eröffnen. Herablassend wird anerkannt, daß manche russische Juden durch ihre Leistungen bekannt worden sind, aber diese Tüchtigen seien nicht aus dem Cheider hervorgegangen. Obwohl die Thatsache, daß es tüchtige Menschen geben kann, die ihre Tüchtigkeit nicht der Schulung durch das Studium der Thora verdanken, im Allgemeinen nicht bestritten werden soll, so bestreiten wir sie doch für den vorliegenden Fall, so lange bis Herr Justizrath Makower seine Behauptung durch Namen und Thatsachen belegt. Bei der allgemein verbreiteten Fürsorge, der jüdischen Jugend in Rußland einen ausgiebigen Thoraunterricht angedeihen zu laffen, können die Fälle nur ganz abnorm und vereinzelt dastehen, daß ein in den Augen des Herrn Justizrath Makower Tüchtiger, nicht den Unterricht in der Thora zur Grundlage seines Wissens und seiner Tüchtigkeit hat. Daß ein Mann, wie Herr Justizrath Makower mit der Cheider-Gelehrsamkeit nichts anzufangen weiß, wird nach dem Bisherigen jeder begreiflich finden. Aber er darf es den Auswandernden nicht übel nehmen, daß sie anderer Ansicht sind, und ihre heiligsten Anliegen nicht nur nicht über Bord werfen, sondern jenseits des Meeres in einer geradezu imposanten Weise den Ernst bekunden, mit welchem sie ihnen am Herzen liegen. Wenn uns das der Herr Justizrath nicht glaubt, so braucht er nur einen Blick über das Meer, besonders auf Amerika und speziell auf New-Jork zu werfen. Dank der dort angesiedelten russischen Einwanderern, hat das jüdische Moment, haben die jüdischen Gemeindeinstitutionen, die noch vor 20 Jahren in einem sprichwörtlich schlechten Zustand waren, dort heute eine Blüthe erreicht, wie sie nicht eine einzige, jüdische Gemeinde Deutschlands aufzuwetsen hat! Daß es auch unter den russischen Auswanderern Leute von der Denkweise des Herrn Justizrath Makower geben mag, soll gewiß nicht in Abrede gestellt werden, aber die Thatsachen lassen sich doch nicht durch einige unverfrorene Behauptungen so ohne Weiteres aus der Welt schaffen. Wir vermuthen, daß diese ganze Expcctoration nur geschrieben und in einer deutschen Zeitung veröffentlicht wurde, um den Comites, welche sich der Auswanderer annehmen, nahezulegen, wie man mit diesen „Gelehrten" nichts anfangen kann, und daß jeder Handwerker oder Ackerbauer mehr Anspruch auf Versorgung hat. Wir brauchen, um das Ungeheuerliche dieser Anschauung ins rechte Licht zu stellen, nicht erst auf die klaren Bestimmungen unseres Religionsgefetzes (Sch. A. Jore Dea 251, 9) zu verweisen. Wir leben der festen Ueberzeugung, daß diese tendenziösen Insinuationen bei den leitenden Kreisen der betr. Comitös die verdiente Abweisung erfahren, daß sie jüdisches Geld, an jüdische Hilfsbedürftige nach dem Maßstab des jüdischen Gesetzes vertheilen, und solchen extravaganten Veilletäten keinerlei Einfluß auf ihre Handlungsweise gestatten. Anmerkung der Redaction. Die russisch - jüdischen Talmudgelehrten verstehen zum größten Theil, wie uns aus eigener Anschauung bekannt, irgend ein Gewerbe, dem sie in den Abendstunden oder in den ersten Tagen der Woche obliegen, um die übrige Zeit dem Studium der heiligen Lehre zu widmen; viele überlassen auch die Sorge für das leibliche Wohl den Frauen, die irgend einen kleinen Handel betreiben oder einen Laden führen re. Es ist also auch im Sinne des Herrn Makower mit diesen Leuten und deren Frauen „etwas anzufangen." Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 27. Oktober. Wer gute Zwecke fest im Aug' behält, Dem Neid Trotz bietend und dem Unverstand, Beharrlich und mit Ruhe seinen Weg versolgt, Der kommt, wenn langsam auch, zuletzt an's Ziel! Fr. v. Esmarch. Wir hatten Gelegenheit, in das stille, geräuschlose Wirken des hiesigen Central-Comitös für die russischen Juden Einblick zu nehmen und haben uns überzeugt, daß der geschäftsführende Ausschuß seine besten Kräfte daran setzt, um das Elend unserer russischen Brüder zu lindern, um den Verstoßenen eine Heimath, den planlos Irrenden ein Reiseziel zu eröffnen. *) Nachdem durch ein Organisationsstatut die Geschäftsführung des Central-Comitös und der Grenz-Comites in Ostpreußen und Oberschlesien an der russischen und österreichischen Grenze geregelt und mit den Hilfs- Comites in den Hafenplätzen ein ordnungsmäßer Verkehr hergcstellt wurde, trat an Stelle der Planlosigkeit der längst ersehnte und im Interesse der Unglücklichen sehr erwünschte regelrechte Geschäftsgang ein. Es besteht gegenwärtig in Königsberg i. Pr. das ostpreußische Hanptgrenzcomitö, dem eine Sichtungs-Kommission zur Seite steht. Es wirken ferner daselbst eine Asyl-, eine Verpflegungs-, eine Bekleidungs- und eine Beförderungs-Kommission. Sieben der hervorragendsten Aerzte bilden die ärztlich e Commission und zwei Juristen dienen als juristische Beiräthe. Auch den bemittelten Auswanderern wird daselbst nach Kräften Beistand geleistet. In der Verpflegungs- und in der Bekleidungskommission find auch Damen zur Mitwirkung *) Man geht allerdings langsam vor, hofft aber um so sicherer an's Ziel zu gelangen.

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