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Der Israelit · 1891-10-28 · Heft 83-84 (28.10.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 83-84 (28.10.1891)
Date
1891-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXn. Jahrgang. d&Vftt Keilage;» M 83 & 84»« „Israelit & Irschunm- Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Oktober. Das „Deutsche Central-Comite für die russischen Juden" richtet das Ersuchen an uns, bezüglich der Berichterstattung über die am 20. und 21. d. M. abgehaltenett Delegirten-Versammlung den stenographischen Bericht abzuwarten, den dasselbe uns sofort nach Fertigstellung — mit Ende dieser Woche — zukommen lassen wird. Wir entsprechen gern, soweit dies jetzt nach Schluß der Redaction noch möglich, diesem Wunsche, denn dadurch allein dürften wir unseren Lesern ein so zuverlässiges Bild der Verhandlungen bieten, wie es bei dieser hochwichtigen Veranlassung unbedingt nöthig ist. Breslau, 12. October. Amtsrichter Wiedemann hat. wie man berichtet, nach Beendigung eines zweimonatlichen Urlaubs seine amtsrichterliche Thätigkeit wieder ausgenommen. Diese Nachricht, welche mit früheren Meldungen, nach denen der Herr ans Anlaß der angeblich von ihm anonvm und auch amtlich betriebenen antisemitischen Agitation aus dem Richtcrstande ansgeschieden sein soll, im Widerspruch steht, ist geciguct, großes Aufsehen zu erregen. Eine Klarstellung von berufener Seite wäre am Platze. Memel, 5. October. Eine Leidensgeschichte, die, wäre sie nicht vollkommen verbürgt, in ihren Einzelheiten kaum glaubhaft erscheinen würde, hatte der früher in dem benachbarten Städtchen Heydekrug ansässige Schindelmacher und Dachdecker HirschBloch durchzumachen. Vor vielen Jahren schon hatte der Mann das Mißgeschick, in Ausübung seines Berufs vom Dach zu fallen imb sich dabei den Arm derart zu brechen, daß er noch heute fast vollkommen arbeitsunfähig ist. Trotzdem verstand er es in seltener Energie und Ausdauer, sein Geschäft zu verhältnißmäßiger Blürhe zu bringen. Im Jahre 1874 kaufte Bloch sich ein eigenes Grundstück, auf welchem er neben seiner Dachdeckerei für seine Frau eine Bäckerei einrichtete. Trotz alledem und obwohl her Mann schon über 33 Jahre in demselben Orte ansässig war, wurde er im Jahre 1888 ausgewiesen. Erst auf ein Gesuch der Bewohner des Kreises Heydekrug an den damaligen Minister Puttkamer, den Mann als unentbehrlich zu belassen, und da sich eine Heimath des Bloch in Rußland nicht auffinden ließ, wurde dieser Ausweisungsbefehl zurückgezogen. Im Jahre 1889 erhielt Bloch eine erneute Ausweisung. Man wollte seine Heimath in Rußland in dem Städtchen Ehweidan ermittelt haben, da der Mann nicht Bloch, sondern Gluth heißen sollte. Allein die Stadtduna wollte weder von Bloch noch von Gluth etwas wissen, und so wurde der Mann wieder über die Grenze auf preußisches Gebiet geschafft. Nach Heydekrug zurückgckehrt, wurde er eingesperrt und erst wieder freigelassen, als die auf ein direktes Gesuch an den Königsberger Oberpräsidenten Herrn von Schlieckmann angestellten Recherchen ergaben, daß er in der That der wirkliche und wahrhafte Bloch sei. Allein auch diese so mühsam wiedergewonnene Freiheit sollte der Arine nicht allzu lange genießen. Im August d. I. wurde er mit seiner ganzen Familie — nicht einmal seine alte kranke Mutter wurde geschont, und seine Kinder holte man aus der Schule — neuerdings feftgenommen, nach 25stnndiger Haft auf einen Wagen gepackt und abermals nach Rußland (Tauroggen) geschafft. Der dortige Jsprawnik (Landrath) hatte dem Heydekruger Landrath aus Gefälligkeit die Grenze geöffnet. Von Tauroggen wurde die Familie per Transport wieder nach Ehweidan geschafft, woselbst sie etwa vierzehn Tage verblieb, um alsdann nach einer weiteren Untersuchung nochmals über die Grenze gebracht zu werden. Mittlerweile hatte aber der Landrath in Heydekrug Alles, was sich auf dem Grundstück des Bloch vorfand, vorzugsweise eine große Masse Nutzholz, wie auch Brennholz ferner die Kartoffeln auf dem Felde, fertige Fensterrahmen u. s. w., um die Vollstreckungskosten zu decken, verkaufen lassen, so daß Bloch außer seinem Grundstück, das er nicht bewohnen darf, nichts oder sehr wenig sein eigen nennt. Bloch weilt gegenwärtig hier in Memel und hat sich mit einem Gesuch an den Reichskanzler von Caprivi gewandt. Des Weiteren gedenkt er sich in den nächsten Tagen nach Königsberg zu begeben, da er sich von einem neuerlichen Jmmcdiatgefuch an den Oberpräsidenten Grafen zu Stolberg Erfolg verspricht. Mannheim. Der Bericht über die in Frankfurt zu begründende Jeschiba hat auch hier, wie sicherlich in allen echt jüdischen Kreisen, aufrichtige Freude hervorgerufen, denn es ist ja unsere heiligste und schönste Aufgabe, für Verbreitung des Thora- Studiums zu sorgen, und so wünschen wir von ganzem Herzen, daß sich alle in die heranblühende Jeschiba zu Frankfurt gesetzten Hoffnungen recht bald verwirklichen. mnarfc) jvnnri. Gestatten Sie mir doch, hochgeehrter Herr Redacteur, auf einen Punkt in dem fraglichen Bericht aufmerksam zu machen. Es wird nämlich dort bemerkt, daß dies „die erstenan*» in Deutschland sei", hiergegen muß ich jn Q'jwn nna zprH Protest erheben, denn, wem sollten die der Rabbi Iakob Ettlinger in Altona b"sn, der Rabbi Abraham Bing und Rabbi Seligmann VärBambergerfr"Lt in Würzbur g nicht bekannt sein? Welche unzählige Rabbiner in der wahren Bedeutung des Wortes sind nicht aus ihren ma'rro hervorgegangen? Möge der unberechenbare ro der genannten jn dazu beitragen Tinr.V nncnH mtayn. Anmerkung der Red. Wenn in dem Artikel: „Die Eröffnung der Frankfurter Jeschiba" von der ersten na*»” in Deutschland die Rede war, so war damit, wie aus dem ganzen Sinn des Artikels

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