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Der Israelit · 1891-10-28 · Heft 83-84 (28.10.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 83-84 (28.10.1891)
Date
1891-10-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1565 — Wieder und immer wieder erhob sich der Sturm und drohte das Fahrzeug zu vernichten — daß es sich trotzdem auf den Wellen erhielt, schrieben seine Getreuen nur Sabbatai's Gegenwart zu. — Endlich, nach fünf Wochen langem Kampfe gegen die Wogen, mußten die Passagiere das arg beschädigte Schiff verlassen, ohne das Ziel ihrer Fahrt erreicht zn haben; sie befanden sich jedoch bereits an der Küste der Dardanellen. Die Kunde von der Aufregung, die die Anwesenheit Sabbatai's unter den Juden in Smyrna und überhaupt im ganzen türkischen Reiche hervorgerufen hatte, war längst nach Konstantinopel gedrungen, der Großvezir hatte daher beschlossen, die ganze Angelegenheit mit einem Schlage zu unterdrücken. Zu diesem Zwecke hatte er Häscher längs der Küste der Dardanellen gesandt, die dem Schiffe, das den angeblichen Messias trug, entgegeneilen sollten, um ihn, sobald sie seiner ansichtig werden, zu verhaften. Kaum hatte Sabbatai daher den Fuß an's Land gesetzt urd beratschlagte eben mit seinen Getreuen, in welcher Weise sie ihre Reise sortsetzen wollten, als sie sich von einer Truppe Bewaffneter umringt sahen. Entsetzen ergriff die wehrlos Ueberfallenen, sie hielten sich alle verloren. Der Anführer der Bewaffneten jedoch schaute sich im Kreise um. „Wer ist von Euch der Messias?" fragte er. Sabbatai hatte sich unwillkürlich hinter seinem Bruder zurückgezogen; er erwiederte nichts und auch seine Anhänger verharrten schweigend. Der Führer der Häscher lachte spöttisch. „Euer Messias ist kein Held," höhnte er, „sonst würde er muthig hervortreten." Doch schon hatte sein Kennerauge Sabbatai's hohe, königliche Gestalt, sein prachtvolles, lang herabwallendes Haar erblickt. — Sabbatai sah sich erkannt, rasch entschlossen drängte er den Bruder zurück und trat vor den Häscher. „Was hast Du dem Messias zu sagen! — sprich!" Mit blitzenden Augen betrachtete er die Bewaffneten, als könne er sie bannen durch seinen Blick — doch der Zauber versagte. „Legt ihn in Fesseln!" befahl der Anführer. Ein Schrei des Entsetzens entfuhr den Lippen seiner Getreuen, sie wollten sich auf die Häscher werfen, diese zu hindern, den ihnen gewordenen Befehl zu vollziehen. Sabbatai erkannte jedoch die vielfache Ueberzahl der Bewaffneten, er besorgte, der blinde Eifer seiner Anhänger könne seine Lage noch mehr gefährden, deßhalb wehrte er ihnen. „Lasset ab! lasset ab!" rief er ihnen zu. — „Wohl wäre es mir ein Leichtes, durch den Hauch meines Mundes die Fesseln von meinen Händen zu streifen — doch ich ziehe es vor, zu leiden. — Durch Nacht zum Licht! — Nur der zuvor leidende Messias kann der befreiende werden." Das Klagegeschrei seiner Getreuen verstummte, doch auch auf die Häscher hatte sein Bramarbasiren einen gewissen Eindruck nicht verfehlt. Mit einer Art scheuen Ehrfurcht umringten sie ihn und nur ungern entsprachen sie dem gemessenen Befehle ihres Obern, ihm die Fesseln anzulegen. Während seine Untergebenen mit Sabbatai beschäftigt waren, hatten die Blicke des Anführers bewundernd auf der reizenden Frau desselben geweilt, freundlich war er an sie herangetreten und hatte einige Worte an sie gerichtet, die sie mit ihrem bestrickendsten Lächeln erwiederte. — Sie war ohne Sorgen, sie hatte nichts zu befürchten — denn sie fürchtete nichts. Es war an einem Freitagnachmittag, der Sabbat nahte. Sabbatai erklärte, am Sabbat die Reise nicht fortsetzen zu wollen; der Anführer war einverstanden, in einem Städtchen unweit von Konstantinopel, das sie vor Beginn des Sabbats erreichen konnten, zu verweilen, er sandte jedoch einen Courier in die Hauptstadt, die Inhaftnahme des angeblichen Messias dort zu verkünden. Trotz deS Sabbats strömten am folgenden Tage Sabbatai's Anhänger in Konstantinopel in Schaaren zu ihm hinaus nach Geknese Kutschuk, wo er in einem elenden Gefängnisse sich befand, um ihn zu sehen und durch ihre Geschenke seine Haft zu erleichtern. Er hatte für jeden einen salbungsvollen Spruch, ermahnte zur Buße und zum Wohlthun, auf daß seine messianischen Leiden baldmöglichst ihr Ende erreichen und er um so früher sein Befreiungswerk in Angriff nehmen könne. Am kommenden Morgen ward er zu Schiff nach Konstantinopel gebracht. Die Kunde seiner Ankunft war ihm vorausgeeilt, Tausende und Abertausende warteten seit Stunden auf dem Landungsplätze, wo ein Gedränge herrschte, daß die Polizei nur mit Mühe die Ordnung aufrecht erhalten konnte. Als man endlich auf dem herannahenden Schiffe Sabbatai's hervorragende, auffallende Gestalt erkannte, da durchschwirrten nicht endenwollende Zurufe die Lust, und alles drängte zur Landungsbrücke, sobald Sabbatai den Fuß darauf gesetzt hatte, denn alle wollten ihn in möglichster Nähe sehen, die Einen aus Ehrfurcht, die Andern aus Neugier. — Der Beamte jedoch, der ihn in Empfang zu nehmen hatte, entrüstet über die Ovationen, die dem Gefangenen dargebracht wurden, schlug ihn auf die rechte Wange. Sofort wandte Sabbatai den Kopf und bot ihm auch die linke Wange zum Streiche.

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