Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 83-84 (28.10.1891)
- Date
- 1891-10-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Pinsk 1× ep/1045440
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Kl. Gallen, 6. Oktober. (Restern und vorgestern feierte Herr Dr. Engelbert unter freudiger Betheiligung der hiesigen Gemeinde sein 25jähriges Rabbinatsjubiläum. Zahlreiche Gratnlationszuschriften und Ansprachen, sowie namentlich ein kostbares Ehrengeschenk, das die Vorsteherschaft ihm bei diesem Anlaß überreichte, legten Zeugniß ab von der Achtung und Liebe, die sich der Jubilar in der Gemeinde erworben hat. Tokar. Vor Kurzem fand die Grundsteinlegung zu dem neuen israelitischen Tempel — der alte wurde ein Opfer der furchtbaren, genau vor einem Jahre hier wüthenden Feuersbrunst — in feierlicher Weise statt. Der Tempel wird mit einem Kostenaufwands von 28,000 fl. erbaut. Paris, im Oct. Die Mitglieder der israelitischen Gemeindebeabsichtigen zum Andenken an die Emancipation der Juden in Frankreich gemeinsam mit Israeliten in der Provinz vor Paris ein großes Hospital für Kranke aller Glaubensbekenntnisse zu errichten. In dem russischen Städtchen Pinsk (Gouv. Minsk) mit 30,000 Einwohnern, worunter 26,000 Juden, die zum großen Theil Handwerker sind, wurde ein Spital gebaut. Die Regierung hatte dem Bauunternehmer verboten, bei dem Bau Juden zu verwenden, und da unter der christlichen Bevölkerung nicht genügende Bauhandwerker waren, mußten auswärtige Kräfte herangezogen werden. Einem kranken jüdischen Kinde, welchem vom Arzt Landluft verordnet worden, wurde von der Regierung der Aufenthalt auf dem Lande verboten. Hcrbbatcn Hewi. H i st o r i s ch e Erzählung Vrnsl Slüwovr. (Fortsetzung.) Jakob hatte mit seinem Onkel eine lange Unterredung, in welcher er denselben aufs dringlichste und mit beredten Worten bat, seinen Einfluß auf. zubieten, daß Tirza ihr Wort zurücknehme und sich wieder als Braut seines Bruders betrachte. Allein seine Überredungskunst half ihm nichts. Der Vater verweigerte nach dieser Richtung Schritte zu thun, und so blieb die Verlobung aufgelöst. Baruch reiste noch in derselben Woche nach dem Orient ab, um den Messias auszusuchen und sich ihm anzuschließen. * , * Wir haben Sabbatai verlassen, als er auf Befehl des Kadi im Begriffe war, sich nach Konstantinopel einzuschiffen. Seine Frau Sorel, sein Bruder Josef und einige seiner Vertrautesten begleiteten ihn. Er hatte den Tag seiner Ankunft in der türkischen Haupstadt vorausgesagt, aber seine Voraussage bewährte sich nicht, die See ging hoch, wie eine Nußschale hoben die sich thürmenden Wogen das schwere Schiff, als wollten sie es Hinunterschleudern bis auf den tiefen Meeresgrund. Das Angesicht des Kapitäns war düster und sorgenvoll, die Mannschaft arbeitete mit rastloser, übergroßer Anstrengung, Angst erfüllte die Herzen der Passagiere. — Seine Getreuen blickten auf Sabbatai, von dem sie Hilfe in der Noth erwarteten, Sorel umklammerte angstvoll seinen Arm. „Warum gebietest Du dem Meere nicht, daß es sich beruhige?" fragte sie vorwurfsvoll, denn überzeugt von seiner hehren Sendung, zweifelte sie nicht an seiner Macht. „Weil das wildbewegte Meer meinem Zwecke inehr entspricht," erwiederte er hochmuthsvoll, „es sind thörichte Wellen, die sich sträuben, den Messias nordwärts zu tragen, sie drängen mit Gewalt zurück, hin zu dem gelobten Land — doch dazu ist die Zeit noch nicht gekommen — darum mögen sie es wollen oder nicht — sie müssen uns vorwärts führen." „Also nur um deinetwillen geht die See so hoch?" sagte Sorel, indem sie die glatte Stirn in Falten zog. „Freilich, dem Messias droht keine Gefahr, darum kümmert es Dich nicht — ob aber wir sicher sind? — Ob nicht die Wogen das Schiffes an einer Klippe zerschellen und nur den Messias an das Ufer tragen?" „Fürchte nichts", entgegnete Sabbatai. „Ich fürchte aber ja," rief Sorel unmuthig, „seit drei Tagen wüthet der Sturm — mir graut," fügte sie in sich erschauernd hinzu, „ich bin noch zu jung, um zu sterben — ich mag nicht zum Fraß der Seeungeheuer werden — und Du bist gleichgiltig, Du kümmerst Dich einzig und allein um Dich, nicht um die Dir angetraute Gattin." „Die Angst macht Dich ungerecht, ich wiederhole, Du hast nichts zu fürchten." „Aber ich fürchte mich!" schrie sie auf, „ich fürchte mich! ich fürchte mich! — Sing Psalmen," fuhr sie bittend fort, auf daß die Seeweiber Deine Stimme hören, dann werden sie selbst die brausenden Wellen beschwichtigen." Und Sabbatai entsprach ihrem Verlangen. Mit seiner wunderbar schönen, herrlichen Stimme sang er das Lob des Schöpfers, der auch das Meer erschaffen — mit angehaltenem Athem lauschte Alles den vollen, reinen, harmonischen Tönen, die seiner breiten Brust entquollen und vergessen war im Moment die Gefahr, die Allen drohte. Und es schien in Wirklichkeit, als hätte er mit seinem herrlichen Gesänge die Elemente bezwungen, der Sturm ließ nach einigen Stunden nach, die See glättete sich und die Gefahr war für den Moment geschwunden. — Doch nur für den Moment.