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Der Israelit · 1891-10-28 · Heft 83-84 (28.10.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 83-84 (28.10.1891)
Date
1891-10-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1562 Karl Emil Franzos-Berlin entworfenen Aufrufs zu Geldbeiträgen, da die Bedürfnisse steigen. Die von Kommerzienrath Goldberger und Rechtsanwalt Breslauer erstatteten Berichte ergeben, daß eine Aenderung in der Haltung der russischen Regierung nicht zu erwarten, und die Fortsetzung der bisherigen Hilfsaktion für die bedürfttgen Opfer der Administrativmaßregeln nothwendig sei. Freiwillige, nicht bedürftige Emigranten werden nicht unterstützt. Deutschland müßte zuletzt etwa 3000 Köpfe wöchentlich befördern. Karl Emil Franzos erstattete sehr eingehenden Bericht über den Stand der Kolonisationsfrage. Das deutsche CentralcomitL treffe die Vorarbeiten zunächst bezüglich der Mittel für Brasilien, was die Versammlung einstimmig billigt. Mannheim, 21. October. Eine antisemitische Versammlung hat, wie die „ReueBad. Landes-Ztg." in Erfahrung bringt, hinter verschlossenen Thüren des „Grünen Haus" gestern Abend stattgefunden. Derselben wohnte der bekannte Liebermann v. Sonnenberg an; es waren zumeist nur im Landbezirk wohnhafte Anhänger des Antisemitismus, an die speziell Einladungen ergangen waren, erschienen. Wie wir noch hören, sollte die Versammlung ursprünglich im „Ballhaus" abgehalten werden, jedoch hat die Restaurations-Inhaberin desselben die „Ehre" abgelehnt. München. Es sei in dieser Zeitschrift ein Wort des Nachrufes für eine Frau gestattet, die zwar kaum je die Oeffentlichkeit berührte, die es aber doch Werth sein dürfte, daß in einem jüdischen Famtltenblatt von ihr erzählt wird. In der Nacht des 12. Elul verschied hier Frau Sara Sternberg rry im 62. Lebensjahre. Die anspruchslose Verblichene besaß einen das gewöhnliche Maß Übersteigenden Drang zur Pflicht und Thätigkeit für ihren Familienkreis, dem ihr ganzes Leben galt. Die Pflicht gebot ihr die treubesorgte Hingebung, mit welcher sie ohne Schonung ihrer selbst dem Gatten hilfreich zur Seite stand und sie sich ihren Kindern gewidmet hat. Die Pflicht gebot ihr, ihrem Gatten, der in seinem früheren Wohnort nur durch Opfer und Mühen und Entbehrungen ein orthodoxes Leben in seinem Hause zu verschaffen und zu erhalten vermochte, hiebei eine unverdrossen thätige und aufmunternde Genossin zu sein. Sie sorgte für die Ausstattung seines Betsaales, sie erwarb für diesen aus eigener Eingebung eine n-o mit vollständigem Thoraschmuck eine Prochauß von seltener kunstvollen Schönheit. Die mißliche Beschränkung, welche den Bezug aller Koscherwaaren von auswärts mit sich brachte, legte sie nur sich auf, erforderlichenfalls den Ihrigen, nur nicht den Nothleidenden, deren sie unzählige, speiste, tröstete und unterstützte. Wenn eine Frau, die mit allem, was in ihrer Kraft und in ihrem Können lag, ihrer Familie lebte, sich ein der Erwähnung würdiges Verdienst erwarb, so wird das Andenken der Heimgegangenen bei Allen, die sie kaunten, freundlich fortbestehen. O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Wien, 20. October In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses stand ein harmloser Gegenstand zur Berathung, die Einführung von Aerztekammern. Man hätte meinen sollen, daß der Gegenstand zu einer hitzigen Debatte nicht führen werde. Dem nunmehr auch im Auslande rühmlichst bekannten Fälscher, dem antisemitischen Abgeord. Schneider war es Vorbehalten, Leben in die Scene zu bringen und eine Judendebatte heraufzubcschwören. Er fand an dem galizischen Abgeordneten Bloch, der den Antisemiten Rohling vor Jahren durch eine glänzende journalistische Polemik zum Schweigen gebracht hatte, einen überlegenen Gegner. Im Nachfolgenden eine Skizze der lebhaften Debatte, welche sich mehr um allgemeine . als spezifische österreichische Gesichtspunkte bewegte: Abgeordneter Schneider führt aus, daß der Aerztestand in letzter Zeit vielfach diskreditirt worden sei und dringendst der Purifikation bedürfe. Er mache diesfalls nur auf gewisse Annoncen in den Zeitungen aufmerksam und auf die große Zahl jüdischer Aerzte in Wien. Schneider beklagt sodann, daß Juden nicht auf die Secirtische gebracht werden; die Christen seien gut genug zum Seciren. „Ist das nicht eine Zurücksetzung der christlichen Bevölkerung?" Der Redner erwähnt schließlich, daß man in der Gebähranstalt nur christliche Frauen probeweise in der Narkose niederkommen ließ. — Abgeordneter Dr. Bloch erwiedert hierauf, es gelte den Antisemiten, in die ueue Institution den Keim des .Hasses und der Zwietracht zu säen. Der Redner polemisirt sodann gegen Schneider, der ein Gutachten eines gewissen Dr. Ecker gegen die Juden als Beweismittel angeführt hat, und fährt fort: Im Wiener Landesgericht — wenn der Abgeordnete Schneider sich nicht scheut hinzugehen und nachzusehen — (Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause) befindet sich ein Aktenstück, unterzeichnet von einem katholischen Professor der Theologie an der Universität Innsbruck. Dieses Aktenstück erzählt, daß dieses angebliche Gutachten des Professors Ecker von einem getauften Juden, in dessen Interesse und unter dessen Namen abgegeben wurde, damit Ecker eine Professur erlange. Ein solches Gutachten eines getauften Juden wird gegen Juden ansgespielt... Abgeordneter Dr. Lueger (Antisemit) : Aber was für ein getaufter Jud! Ein schlecht getaufter! (Heiterkeit.) Dr. Bloch: Er ist zu gut getauft; er war nach einander: Jude, Protestant, Mohamedaner; er war auch eiu Lieblingsjude der Antisemiten. Diese Herren Antisemiten hassen die Juden, aber mit jüdischen Lumpen verkehren sie sehr gerne. Dr. Bloch klärt sodann auf, warum nur christliche Leichen secirt werden. Jüdische Vereine sorgen eben dafür, daß jeder Jude ein ehrliches Begräbniß erhalte. Abg. Hauck (Antisemit): Wir haben aber kein Geld. Bloch: Sie haben ja den reichen Prinzen Liechtenstein, warum gründen Sie nicht solche Vereine? Hauck: Warum thun die Liberalen nichts? Bloch: Haben Sie sich schon an die Liberalen gewendet? Dr. Bloch beschuldigt sodann an der Hand von Briefen Schneiders, die ihm von dessen Parteigenossen übergeben worden seien, die Antisemiten, daß sie mit den Anarchisten gehen, besonders mit dem Anarchisten Motz seinerzeit gemeinsame Sache

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