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Der Israelit · 1891-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1891) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1891)
Date
1891-10-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1543 marokkanischen Beamten oder Vertreter einer fremden Macht ausgeglichen werden können. Die Unruhe ist groß unter den marokkanischen Israeliten des Innern. Die folgenden Thatsachen beweisen, daß sie nicht unberechtigt ist. Ein Israelit aus Mogador erhielt folgenden Brief von seinem Correspondenten in Marokko: Heute hat nur wenig gefehlt, und die Araber äscherten das Judenviertcl ein, mordeten und plünderten. Folgendes gab die Veranlassung: Vor 8 Tagen kamen einige arabische Geistliche (Tolba) nach dem Mellah, um israelitische Kinder zu stehlen; man überraschte sie und nahm ihnen ein vierjähriges Kind ab, das sie umbringen wollten, weil — wie es heißt — dieses Opfer es ihnen möglich macht einen geheimen Schatz zu entdecken. Durch die Güte der Vorsehung wurde das Kind gerettet, und der Schuldige vor den Pascha geführt und festgenommen. Dies war das erste Mal. Heute erschienen vier dieser hochangesehenen Muselmänner und stahlen zwei Kinder, die sie unter ihren Kleidern verbargen. Sie wurden von Israeliten bemerkt, angehalten, und die Kinder ihnen abgenommen; jetzt kennt jeder die Gefahr und überwacht seine Kinder. Die Tolba zogen ihre Dolche hervor und kämpften mit den Israeliten. Zwei dieser Tolba sind im Gefängniß und ein dritter ist verwundet. Daher stürzten sich die Araber aus das Thor des Mellah und wollten uns angreifen und plündern, als der Caid des Thores dasselbe schließen und von Soldaten bewachen ließ. Die Israeliten, welche sich zur Zeit im arabischen Viertel befanden, wurden theils beraubt, theils verwundet, sogar ausgeplündert. Vorläufig sind wir eingeschlossen in unsere Häuser und bleiben so lange darin, bis wir wissen, welche Wendung die Dinge nehmen. Soeben kamen einige Israeliten aus Saffi an. Am Thor wurden sie mißhandelt, und man nahm ihnen alles Geld ab, das sie bei sich führten. Die arabischen Kameeltreiber, die sie hergeleitet hatten, vertheidigten sie tapfer, bis sie sie nach dem Fondak „Ben Elemerabit" gebracht hatten. Glücklicherweise begab sich der Sohn des Pascha an das Thor des Mellah; ich ging ihm entgegen, er entsandte vier Soldaten, um jene Israeliten nach dem Mellah zu geleiten. Wir bitten Gott, daß er sich unserer erbarme. Einige Tage später brachte man in Erfahrung, daß dieser Zwischenfall keine Folge gehabt, und daß die Israeliten von Marokko wiederum ihren Geschäften nachgehcn können. Alle Berichte stimmen darin überein, daß dies der energischen Haltung des Sohnes des Paschas zu danken ist, dem in Abwesenheit seines Vaters die Regierung der Stadt obliegt. Am 8. Juli bemächtigte sich ein Araber zu Dar Elbida eines elfjährigen Judenknaben von geringer geistiger Begabung, führte ihn zu dem Richter, wo er ihn beredete, zum Moslem überzugehen. Das Kind ließ alles mit sich geschehen, wurde nach Rabat geführt, wo der Richter es als Moslem aufnahm. Zwei Israeliten der Stadt hörten davon, bemühten sich, es aufzufindcn, und entdeckten es in einem Laden, inmitten der Araber sitzend, den Kopf geschoren und in arabischer Kleidung; sie sprachen mit ihm, und am 12. Juli kehrte das Kind zu den Juden zurück. Hierauf ließ der Richter von Rabat zwei der ältesten und angesehensten Juden der Stadt, die an dem Vorgang nicht den geringsten Antheil hatten, festnehmen, sperrte sie mit Mördern zusammen, und gebot, daß sie weder Speise noch Trank bekommen sollten. Die Juden begaben sich zum Gouverneur, und dieser forderte Erklärungen vom Richter; der Richter erwiederte, daß er 40 Juden festnehmen und im Gefängniß vor Hunger und Durst verkommen lassen würde, bis man ihm den Knaben ausgeliefert. Als die Juden sahen, daß ihnen kein anderer Ausweg blieb, lieferten sie das Kind aus, und die beiden gefangenen Juden wurden frei gegeben. Das Kind befindet sich noch immer in den Händen der Araber; sein Vater, Jacob Alsac mit Namen, ist naturalisirter Franzose; er hat eine Klage eingereicht beim französischen Konsul, und dieser hat die weiteren Schritte gethan. Der nämliche Richter hat vor einiger Zeit einen verleumderischen Brief an den Sultan geschrieben, bezugnehmend auf den Rabbiner von Rabat, Joseph Verdugo, der infolge dessen sich in Lebensgefahr befand. Einen brasilianischen Juden hat er grausam mißhandelt und ihn ins Gefängniß bringen lassen, mit dem Befehl, ihm weder Speise noch Trank zu verabreichen. In der nämlichen Stadt Rabat, handelte am 17. Juli ein Araber bei einem jungen jüdischen Kaufmann um einen geringfügigen Gegenstand und entfernte sich, da sie über den Preis nicht einig werden konnten; bald darauf kehrte er zurück, und behauptete in dem Laden vier Doros (5 Frankenstücke) liegen gelassen zu haben; der junge Mann erklärte, daß er nichts gefunden. Der Richter, anstatt dem jungen Mann den Eid aufzuerlegen, wie es das Gesetz verlangt, ließ ihn in's Gefängniß werfen, und die arabischen Mitgefangenen, den schamlostesten Lastern huldigend, mißhandelten ihn derart, daß er halb todt aus dem Gefängniß zurückkehrte. (Allianccbericht.) China. Pccking. Die englische und die französische Regierung haben den diplomatischen Vertretern Chinas in London, beziehungsweise Paris, Noten des gleichen Inhalts zur Mittheilnng an die chinesische Regierung übermittelt, durch welche die letztere nachdrücklich aufgefordert wird, energischere Maßregeln als bisher zur Verhinderung der Wiederkehr von Gewaltthütigkeiten gegen Europäer in den chinesischen Provinzen zu ergreifen. Mittlerweile aber sind Meldungen eingclanfcn, welche neue Aufstände gegen die Christen befürchten lassen, und die Standard- Nachricht wegen der in Shanghai und Chinkiang erfolgten Beschlagnahme von sür Geheimgesellschaften bestimmten Waffen und Sprengstoffen beweist zur Genüge, daß die in diesen Gesellschaften sich verkörpernde Reaction des Alt-Chinesenthums rastlos ain Werke ist. Liest man einen jener Maueranschläge, welche in den letzten Wochen an den Straßenecken von Wuhu zur Europaerhetze aufreiztcn, so begreift man ganz gut die Exzesse des mit einem christlichen Blutmärchen zur äußersten Wuth entflammten chinesischen Pöbels. In einem solchen Ausrufe heißt cs unter Andern:: „Das Land ist vcrrathcu und das Volk ruinirt! Man tritt menschliche Wesen mit Füßen zu Staub! So

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