Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1544 stehen die Dinge, und deßhalb wollen wir Folgendes konstatiren. Wuhu ist ein Vertragshafen, in welchem Ausländer in Menge leben. Diese thun den Leuten Schaden in einer Weise, welche die Feder unmöglich beschreiben kann. Weiber werden von anderen Orten verschrieben, um Kinder zu entführen. Dann sticht man den Kindern die Augen aus und schneidet ihnen die Eingeweide, das Herz und die Nieren aus dem Leibe. Aber ihre Sünden haben die Grenze erreicht, und die Rache des Himmels bricht hervor. Am 3. d. M. kamen zwei Kinderdiebinnen nach Honan und entführten ein Kind, nachdem sie ihm zuvor ein Betäubungsmittel eingegeben hatten. . . Die Väter und die Mütter, welche ihre Kinder verloren, begaben sich nach der römischkatholischen Kirche, um nach ihren vermißten Kleinen zu suchen. Sie sahen mehrere Leichen und getrocknete Knochen kleiner Kinder und auch vier Zellen unter der Erde. Die Entdeckung erregte Argwohn, und die Leute regten Untersuchungen an. Die Barbaren, denen das Gewissen schlug, bestachen in ihrer Angst den Unter- Mandarin Pao mit 40 Taels. Dieser schickte in Folge dessen 40 Soldaten zum Schutze der Kirche ab. Diejenigen, welche hinein wollten, wurden mit dem Schwerte zurückgetrieben. Nun ihr Zehutausende von Bewohnern Wuhus, vereinigt euch am zwanzigsten Tage und zerstört die römisch-katholische Kirche und alles Eigenthum derselben. Verjagt alle Barbarendiebe; nur dann können wir glücklich leben. Wenn einer von der Rasse übrig bleibt, können wir nie in das Reich des Glückes kommen. Nur die römisch-katholische Kirche muß zerstört werden, aber rührt das Zollhaus nicht an. Kommt ihr dem Zollhause zu nahe, so werdert ihr dem Arme des Gesetzes nicht entgehen! Bedenket das!" Der Styl des Pamphletes ist derart, daß es auch in der Fabrik der europäischen Antisemiten erzeugt sein könnte. Selbstverständlich, sind die in diesem infamen Aufrufe enthaltenen Beschuldigungen gegen die unglücklichen Christen in China erlogen und man kann sich der Theilnahme nicht erwehren mit jenen Unglücklichen, welche unter solch schweren infamen Anklagen schuldlos leiden. Man ersieht aber auch daraus, daß diese Chinesen gegen die dortigen Christen mit keinen andern Mitteln und Waffen arbeiten, als mit denen, welche die Antisemiten in Europa geschmiedet haben. Die europäischen Antisemiten sind aber zweifellos schlimmer, ihnen haben diese Chinesen erst das giftige Handwerk abgelernt, und sie „arbeiten" blos mit all' jenen Phrasen, welche der Antisemitismus geschaffen und popularisirt hat. Die Antisemiten sind darum'die moralischen Urheber der chinesischen Greuelthaten, sie Haben die infernalen Waffen geliefert, mit welchen die chinesischen Aufwiegler die blöden Massen gegen die armen Christen aufreizen. Die Antisemiten sind bar jedes christlichen Empfindens und jeder christlichen Gesinnung, sonst müßte ihnen längst das Gewissen schlagen, wegen des Unheils, welche sie über die Christen in China heraufbeschworen haben. Vermischtes. Mark. FriManL, 1. Okt. Eine Stimme, die so oft die Andächtigen unserer Gemeinde zu inniger Andacht gestimmt, sie ist nun verstunnnt. Die Hand, die so gern den Armen Spenden darreichte, ist erkaltet. Einem Manne, der als echter -nay besonders an den D’tnin o*ö’ so recht mit dem innersten Herzen für seine Gemeinde zum gerechten Richter der Welt gebetet, haben wir am 25. Ellul das letzte Ehrengeleite gegeben. Kantor Moses Wohlgemuth T'y* ist nicht mehr. Ueber 34 Jahre hat der Entschlafene in unserer Gemeinde als Vorbeter, gewissenhafter ramty und mp ppa gewirkt. Ein echter Jehudi im vollsten Sinne des Wortes, war er nicht nur die fürsorglichste Stütze seiner Familie, — er gehörte dem Verein myn rmy an, — sondern auch ein würdiges Mitglied der Gemeinde Märk. Friedland, so daß ihm seine hiesigen Glaubensgenossen das vollste Vertrauen cntgegenbrachten. Viele wohlthätige Bestrebungen hierorts und im gelobten Lande suchte er nach Kräften zu fördern, wobei er den Zehnten jeder Einnahme im Interesse der Armen zur Verwendung brachte. Auch war der Entschlafene 'N3J der hier gesammelten Spenden zur Hülfe für des heiligen Landes Dürftige und Arme, welche in dem die Erde des gelobten Landes bis zum Grabe Werth achtenden Manne einen warmen Fürsprecher und Anwalt betrauern, fpm di^ amx Er liebte den Frieden und „jagte ihm nach," achtete und behandelte die Menschen ohne Ansehen der Person in uneigennützigster Weise. Seine Mußezeit, deren es während seines 72 jährigen Lebens nicht zu viel gab, widmete der nun in Gott Ruhende fast ausschließlich dem Studium der Gotteslehre. Es wird für des Todten Seelenheil in Jerusalem und anderen Ortes „gelernt" und das entsprechende Kaddischgebet verrichtet. Das Grab umstanden außer den zahlreich erschienenen Trauergenossen und der tiefgebeugten Gattin 2 Kinder und zwei Schwiegersöhne, welche letztere auch dem ehrenhaften Berufe des Verschiedenen angehören und dem väterlichen Verwandten innige Worte der Liebe nachriefen. Herr Kantor Wolff ans Schnbbin hielt eine ergreifende Trauer¬ und Trostrede auf den Todten, anknüpfend an die Worte ma“Ni matpn l^iNn, wobei die Anwesenden zu Thränen gerührt wurden. Am Grabe sprach noch der andere Schwiegersohn des Entschlafenen, der vor etwa 6 Jahren von Märk. Friedland nach Marienwerder verzogene Lehrer Herr Geisenberg, der selbst sehr des Trostes bedurfte, recht zu Herzen gehende Worte. Er überbrachte Scheidegrüße von der durch Krankheit am Konnuen behinderten Tochter des Entschlafenen und von deren Kindern, nayy'n. Briefkasten der Redaktion. 8. in B. Die von Ihnen erwähnte Eintheilnng ist fast überall in Deutschland vorherrschend und hat eine kabbalistische Begründung. Briefkasten der Expedition. K. 8. 9784. Sie vergaßen, uns Ihren Namen anzugeben und ersuchen Sie daher um Aufgabe desselben, damit wir Ihre Annonce veröffentlichen können. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.