Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1542 messenen Freudenskelch seelischer Erhebung, und jede Bethätigung dieser reinen Freude ist ein Gott wohlgefälliges Opfer. An dem hohen ganz besonders der Freude geweihten Suckothfeste aber kam neben diesem Wein-Opfer noch ein Wasser-Opfer, um zum lebendigen Ausdrucke zu bringen, daß auf der Höhe des Gott-freudigen Bewußtseins in buchstäblicher Wahrheit ein jeder, auch der allergewöhnlichste Augenblick des irdischen Daseins, vor Gott verlebt, zu einem Jubelhymnus sich gestaltet. Und so erklärt sich denn auch der höchste Ausdruck freudigster Begeisterung gerade bei dem Wasserschöpfen für dieses Wasser-Opfer. Wer die n:wi£/n to nnDtü nicht geschaut, heißt es, der hat die höchste Freude niemals gesehen. „Nicht der Gedanke an besondere von Gott erfließende Freudenmomente, erst das Bewußtsein, daß jeder tägliche, unser hiniediges Sein fristende Wassertropfen uns als Bote von Gottes Gnade zu der freudigen Begeisterung beseligender Gottes-Nähe hebt, erst das gewährt die Seligkeit jedes Athemzuges vor Gott —".*) Nicht umsonst ist diese Lehre von der Lebensfreudigkeit im jüdischen Kreise gepflegt worden. Sie ist es, die Israel, trotz des widrigsten Geschickes zu dem heitersten Menschenkreise gebildet hat, die es überwinden ließ allen Schmerz und alles Leid, so daß es gehobenen Hauptes die Jahrtausende der Geschichte durchziehen konnte, den Preis Gottes auf den Lippen und die ungebrochene Freudigkeit des Lebens in den Herzen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M., 6. Oktober. Wie uns das „Hilfscomitö für die russischen Juden" mittheilt, herrscht neuerdings wieder großer Mangel an Kleidungsstücken und Wäsche zur Versorgung der unglücklichen mittellosen Flüchtlinge. Menschenfreunde werden ein gutes Werk, verrichten, wenn sie — möglichst gute — Garderobegegenstände in das Lokal der israelitischen Suppenanstalt (Elephantengasse 14) schicken. Für die richtige Vertheilung wird dann gesorgt werden. Rußland. Helsingfors, 27. Sept. Ueber das verschwundene Judenmädchen, von dem wir kürzlich berichteten, wird dem „Rev. Beob." Nachstehendes geschrieben: Wie aus den vom Oberstatthalteramt in Stockholm abgegebenen Rapporten hervorgeht, hatte die Oberbefehlshaberin der Heilsarmee in Schweden, Frl. Ouchterlony, das Judenmädchen Chava Slavatitski aus Helsingfors nach ihrer Ankunft in Stockholm bei sich ausgenommen. Ferner hatte sie sich an einen Prediger, dessen Namen sie nicht angeben will, mit der Frage gewandt, ob es nicht möglich sei, das Mädchen zu taufen, aber als Antwort er¬ *) Hirschs Commentar zur Numeri 29. halten, daß es ohne die erforderlichen Atteste unmöglich sei. Einige Tage hatte sie das Mädchen auf dem Lande zur Pflege eines kranken Heilssoldaten benutzt und sie darauf in der Küche helfen lassen. Als jedoch der Rabbiner Dr. Klein sich am 15. August im Hauptquartier der Heilsarmee eingefunden hatte, um nach dem Mädchen zu fragen, sei dieses plötzlich, ohne daß Frl. Ouchterlony davon gewußt, verschwunden. Nach vielen vergeblichen Nachforschungen in Göteborg, Christiania und Kopenhagen ist endlich aus der erstgenannten Stadt folgende Nachricht eingelausen: „Das Judenmädchen Chava Slavatitski langte vor 3 Wochen in Gesellschaft eines Offiziers aus der Stockholmer Heilsarmee in Göteborg an. Von hier reiste sie am Freitag, den 4. September, ab, um sich nach Amerika zu begeben und ist es demnach erwiesen, daß diese Reise von Mitgliedern der Heilsarmee bewerkstelligt worden ist. Bei der am 15. Sept. in Helsingfors stattgehabten gerichtlichen Untersuchung der Sache war außer den Eltern Chava's auch die Baronin Cedercreutz, welche von diesen zur Verantwortung gezogen war, anwesend. Auf eine an sie gerichtete Frage erzählte die Baronin daß in demselben Hause, in welchem die Eltern Chava's wohnten, religiöse Zusammenkünfte sehr oft veranstaltet worden waren. Nach einer solchen Versammlung sei ihr daS Mädchen Chava auf der Treppe begegnet und habe sie gebeten, auch an diesen Versammlungen Theil nehmen zu dürfen, worauf die Baronin eingewilligt habe. Wer das Mädchen aus Helsingfors fortgeschafft, sei ihr nicht bekannt; jedoch habe sie dieselbe auf dem Bahnhofe in Gesellschaft von zwei zur Heilsarmee gehörigen Damen gesehen. Durch die eine, Frau von Forselles, wisse sie, daß Chava an dem Fabrikort Billnäs eingetroffen sei. Wer sie von BillnäS nach Stockholm und weiter geschafft habe, sei ihr völlig unbekannt. Die Eltern des Mädchens forderten, daß sowohl die Baronin C. als Frau von F. zur Verantwortung gezogen würden, weil sie das Mädchen überredet hätten, an ihren Versammlungen Theil zu nehmen. — Die Sitzung des Gerichts wurde auf den 14. Oktober vertagt, zu welcher Zeit die oben genannten Damen, sowie auch andere in dieser Angelegenheit verwickelte Personen einberufen werden sollen. Afrika. Marokko. Seit einigen Wochen hat es den Anschein, als ob die fanatischen Gesinnungen, welche die marokkanischen Muselmänner zu allen Zeiten für die Israeliten hegen, noch an Stärke zugenommen hätten. In verschiedenen Ortschaften kommen Gewaltthätigkeiten vor, die nur durch das energische Eingreifen eines hohen