Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1535 kurz er darf nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und den Priestersegen wahrheitswidriger Weise für keine religiöse Vorschrift erklären, wett ihm die Art seines VortragS nicht gefällt. Er mußte dann sagen, die Heiligkeit und Göttlichkeit des Priestersegens erfordert auch eine seiner hohen Bedeutsamkeit entsprechende, würdige Art des Vortrags. Als Vater eines Kapellmeisters kann es ihm nicht schwer fallen, Wandel zu schaffen, und dafür wird ihm jeder Freund eines besser gestalteten Gottesdienstes Dank wissen, falls ein Vedürfniß nach dieser Seite hin wirklich vorliegt. Aber wie hier Herr Dr. Levi den Priestersegen der Staatsbehörde gegenüber beurthetlt und verurtheilt, das ist etwas ganz Unerhörtes. — Es ist Pflicht aller Gemeinden des Gießner Rabbinatsbezirks gegen diese Verdächtigung einer solch heiligen Institution, wie es der Segen der Kohanim ist, Protest zu erheben. Die Friedberger Petenten zunächst sollten sich an die hervorragendsten Rabbiner Deutschlands mit dem Ersuchen, um ein Gutachten über die in Rede stehende Mizwa mit ungeschminkter Darlegung des ganzen Sachverhalts und der Bitte wenden, ihnen beizustehen in dem Kampfe, den sie zur Ehre Gottes und seiner Thora leider gegen ihren eigenen Rabbiner führen müssen. Sie werden dann finden, daß die deutschen Rabbiner, welche dieses Gutachten als der Wahrheit entsprechend anerkennen, sich an den Fingern herzählen lassen, und daß noch viele Finger übrig bleiben. Mit diesem Material in Händen sollten sie dann sich aufs Reue unter Darlegung der Verhältnisse an das Großh. Ministerium wenden. Es müßte wunderbar zugehen, wenn dieser Schritt nicht von Erfolg sein sollte. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 13. Oktober. Auch in diesem Jahre überreichen wir unseren geehrten Abonnenten mit der heutigen Ausgabe ein Kunstblatt (pWlK 'T enthaltend) zum Schmucke der Sukkah und wünsche« allerseits jnn nnuacr* Mainz, 12. Oetober. Bei Gelegenheit der Eröffnung der Frankfurter Jeschiba dürfte es gestattet sein auf das Wort eines Mannes zu verweisen, der, wie vielleicht kein zweiter in Deutschland, bewährter Fachmann ist: Wir meinen Herrn Seminardirektor Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin, rnuicn *pn' 'n. — Dieser als na’»» Ds*n ergraute Vorkämpfer des gesetzestreuen Judenthums hat mit dem ihm eigenen Scharfblicke der Bedeutsamkeit der Errichtung von Jeschiboth in einer großen Serie von Aufsätzen in den früheren Jahrgängen dieser Blätter beredten Ausdruck gegeben. — Wir entnehmen dieser klasstschen Arbeit, von der jede Zeile bezeugt, daß sie der Verfasser mit seinem Herzblute geschrieben, folgenden Passus: „— — — — Das Losungswort muß heißen: „Rückkehr, Wiedereröffnung des allgemeinen Thorastudiums, insbesondere der Jeschiboth." Wohl hat die orthodoxe Parthei seit zwei Jahrzehnten rücksichtlich des praktischen Gemeindelebens muthvoll gegen alle offenen und hämischen Angriffe der Resormhelden, selbstständige Gemeinden gebildet. Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Fürth u. a. bilden kostbare Perlen im Geschmeide der jüdischen Wiedergenesung. na uiijw 'n *jnD. Allein diese, wenn auch noch so anerkennenswerthe Ermannung, selbst wenn sie ganz allgemein würde, ist kaum die Hälfte des Weges; es fehlt ihr ein großes, ja, das entscheidende Moment, das^der Sicherheit und Zuverlässigkeit. Der Sicherheit, denn das ■von p«n dj? ist und bleibt wahr und klingt in den verschiedensten Zeiten in allen Variationen wieder, nur Wissen ist Macht, gibt den Muth der Zuverlässigkeit, denn nur, wenn der Lebensborn der min geöffnet ist, kann mit Sicherheit auf Dauerhaftigkeit und Fortschreiten gerechnet werden, pnno nattf “iiNon.-Es gibt nur ein Mittel, Begeisterung zu wecken, Muth zu entflammen, zur That zu entzünden, zu Opfern zu erziehen, gegen jede Unbill und jede vielleicht im Schoße der Zukunft verborgene Gewitterwolke zu stählen und zu waffnen, ein Mittel und durch kein anderes zu^ersetzen, dem kein anderes auch nur im Allerentferntesten nahe kommt, mit welchem Alles gewonnen ist, ohne welches aber jede heilige Regung in'Trümmer fällt dies eine Mittel ist eben — Rückkehr zu D’pDiÖi und Eröffnung der Schulen dafür." (Jahrg.VH. Nr. 12 d. Bl.) Aus Rheiuhefseu. Um die vakante Rabbinerftelle in Alzey haben sich, soviel wir wissen, 18 Bewerber gemeldet. Herr Rabbiner Dr. Levi aus Freudenthal (Württemberg), der seine Ausbildung auf dem Breslauer Seminar erhalten, wurde für m zum Probevortrag berufen. Derselbe hat auf die Gemeinde einen so guten Eindruck gemacht, daß er nach sofort als Rabbiner gewählt wurde. Es war vorauszusehen, daß Herr Dr. Levi, der einer sehr religiösen Familie entstammt, nicht alle Reformen der Gemeinde A. acceptire und so hören wir denn mit Vergnügen, daß man dorten manchen Wünschen Dr. L's. bereits entsprochen hat. Aus Kurhessen, 9. Okt. Die Königl. Negierung zu Cassel hat sich veranlaßt gesehen, an sämmtliche Kreisschul-Jnspectoren und Stadtschul-Jnspectoren eine Verfügung zu richten, wonach es den Lehrern zur Pflicht gemacht wird, daß sie dem für die Schulzucht schädlichen Treiben mancher christlichen Schüler, welche israelitische Erwachsene und Kinder öffentlich in ihrer Eigenschaft als Juden geschmäht und verhöhnt haben, überall mit Entschiedenheit entgegentreten. Zugleich sollen die Lehrer bei maßvoller Zurückhaltung im öffentlichen Leben, mit dem eigenen Beispiele christlicher Duld,