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Der Israelit · 1891-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1891)
Date
1891-10-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1532 „Danke, liebes Kind, danke, wir haben sämmtltch, gottlob, gut gefastet. Und wie hast Du gefastet? und Deine Mutter?" „Die Mutter hat nicht gerade schlecht gefastet, aber uach dem Essen fühlt sie sich immer angegriffen. Hoffentlich wird sie morgen wieder ganz frisch sein." „Hoffentlich," wiederbolte Tirza, indem sie sich zwang, an der Unterhaltung Theil zu nehmen. „Du aber hast ebenso gut gespeist, als gefastet," fügte sie lächelnd hinzu, „das sieht man Dir an." „Ich nehme mir ein Beispiel an meiner holden Cousine", erwiederte er, gleichfalls lächelnd. Sie schüttelte den Kopf. „Das ist nicht wahr," sagte sie, „Du nimmst Dir kein Beispiel an mir, Du warst immer mein Gegner." „Tirza!" rief er betroffen. Sie lachte laut auf. „Nun, nun, erschrick nur nicht so, ich nehme es Dir gar nicht übel, daß Du mir so oft widersprichst, im Gegentheil, ich finde es weit interessanter, wenn man mir widerspricht, als wenn man immer meiner Ansicht ist." „Das werde ich mir merken," erwiederte er, auf ihren scherzenden Ton eingehend. „Von nun an werde ich Dir widersprechen, guavä meine.“ „Um's Himmelswillen, nicht!" rief sie, „so habe tch's nicht gemeint." Es war in der That seltsam, von jeher hatte Tirza mit ihrem jüngeren Vetter in allerdings harmlosem Wortgeplänkel gelebt, Tag für Tag hatten sie miteinander gestritten, nie waren sie ein und derselben Meinung gewesen — bis vor drei Monaten, bis zu Tirzas Verlobung. Seitdem hatte sich Jakob vollständig zurückgezogen, nur wenn seine Mutter ihn mit einem Aufträge betraute, war er in das Haus seines Onkels gekommen. Mit Tirza hatte er, so lange sie die Braut seines Bruders gewesen, keine drei Worte gewechselt. In der ersten Zeit hieß es, er habe eine Reise unternehmen müssen, und dann war er merkwürdigerweise derart mit Geschäften überhäuft gewesen, daß er keine Minute für die Familie seines Onkels hatte erübrigen können. Den Onkel selbst hatte er freilich täglich getroffen, entweder in der Synagoge oder im Lehrhause; derselbe war oft beunruhigt gewesen über das bleiche Aussehen seines jüngern Neffen, erst in jüngster Zeit hatte sich dasselbe einigermaßen geändert. Jakob war von jeher der Liebling seines Onkels, der ihn im Herzen seinem Bruder stets vorgezogen hatte, obgleich Baruch im Allgemeinen mehr Sympathie erregte. Baruch war ein auffallend schöner Mann, strahlend in Jugendkraft und Frische. Sein jüngerer Bruder jedoch war größer und schmäler, seine Formen, sowie seine Züge hatten etwas zackiges; sein dunkeles Auge jedoch strahlte in seltener Intelligenz und trotz der Blässe seines Angesichtes war er nie kränklich gewesen. Warum er seit drei Monaten das Haus seines Onkels mied? — Rabbi Juda war der Einzige, der die wirkliche Ursache ahnte. Dinah forderte den Neffen auf, an ihrem Mahle theilzunehmen, derselbe lehnte jedoch dankend ab, er habe bereits gegessen. Nachdem Rabbi Juda das Tischgebet gesprochen, erhob sich Jakob. „Ich habe einen Auftrag an Dich, lieber Onkel — wenn Du vielleicht einige Minuten —" „Gern, gern, liebes Kind. Komm' hinüber in mein Zimmer." Er ging voraus, der junge Mann folgte ihm. (Fortsetzung folgt.) ,5§«»Ä* und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens s Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel sN beziehen bei (k. $, Ktrlnarbrr, Leipzig, Dostpiah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile ober deren Kaum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland nab Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco «inzufenden. Inhalt (Hanptblatt^; Leitender Artikel: Die -Eröffnung der Franknirter Jeschibah. — Zeitungsnachrichten und Corrett on denzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Rußland: Odessa: — Rumänien: Bukarest.— Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Hist. Erzählung von Ernst Schwarz. (Forts.) Inhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Ein Ukas des Herrn Rabbiner Dr. Levi in Giesien über den Priestersegen. Von E. Hattenfelser. — Zeitungsnachrichten u. Corresvonbeuzeu: Deutschland: Mainz. Aus Rhemhrssen. Aus Kurhessen. Aus Baden. Altona. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. — Frankreich: Paris. — England: London. — Amerika: New-Uork. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die jüdische Lcbenssreudigkeit. Von Isaak Hirsch. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. — Rußland: Helsingsfors. — Afrika: Marokko. — China: Pecking. — Vermischtes. Inhalt der belletristischen Beilage: Ein Simchas-Thora. Von H. Berger. — Aus den Papieren des Negierungsraths. Novellrtte von Kurt Hüfner (Wiesbaden). — Verschiedenes. Anhalt der Extra-Beilagen: Spenden-Verzeichnisse. VratiS - Beilage: Ein Gedenkblatt zur Verzierung der Laubhütte. Verantwortliche Rebaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr.2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« fünf Beilagen.

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