Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448198--32957-2480827- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1530 11. Oktober oder Freitag den 16. Oktober zu einer geeigneten Stunde in der Synagoge ein besonderer Trauergottesdienft mit Gesang, Gebet und Predigt gehalten und hierbei als Predigttext: Spr. Sal., 12, 28: „Auf dem Pfade der Gerechtigkeit ist Leben, und der Wandel auf ihrem Wege gibt Unsterblichkeit", zu Grunde gelegt werden soll. Haßfurt. Am ’"n wurde unsere kleine Gemeinde von einem schweren Verluste betroffen, indem der unerbittliche Tod ihr eines der würdigsten Mitglieder geraubt hat. Herr Seligmann Lonnerstädter weilt nicht mehr unter uns; Gott hat seinen treuen Diener zu sich genommen. Mit dem Verstorbenen ist ein edler Mensch, der jedem frommen Jchudi als leuchtendes Muster dienen kann, aus dem Leben geschieden. Einem ehrwürdigen, frommen Hause entstammend, wurde der Entschlafene schon frühzeitig angehalten, in den Geist unserer heiligen Thora sich einzuleben, und er war von demselben so durchdrungen, daß sein ganzes Dasein auf dieser Welt sich zu einem fortgesetzten 'n mny gestaltete. Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, gepaart mit innigem Gottvertrauen, das ihn in allen Lagen des Lebens aufrecht erhielt, bildeten die Grundzüge seines Charakters. Er war pnpno in des Wortes vollster Bedeutung. Im Familienleben verstand es der Verklärte, sein Haus zu einem Tempel ehelichen Glückes zu gestalten. Sein Bestreben war unablässig darauf gerichtet, seine Kinder zu rechtschaffenen nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft und echten Jehudim heranzubilden. Mit gleicher Bereitwilligkeit, wie sich undden Seinigen, diente der Entschlafene auch anderen mit seiner Einsicht und Erfahrung. Aus der Nähe und Ferne wurde sein Rath in den verschiedensten Angelegenheiten des Lebens verlangt und gegeben. Dabei waren ihm im hohen Grade die väterlichen Tugenden der Wohlthätigkeit und Gastfreundschaft eigen. . Au seinem Tische hieß es: tü'i tp pczn bj und von seinem Hause konnte man sagen: nnro mns mn irva. Möge Gott den Hinterbliebenen beistehen und ihnen in ihrem schweren Verluste Trost gewähren. Mithlheim-Nhein, 21. Sept. Auf der hiesigen Rheinwerfte lagerte gestern eine aus Russisch-Polen stammende Truppe Auswanderer, etwa 20 Personen, darunter 12 Frauen, welche vollständig mittellos und nur nothdürftig bekleidet, hier angelangt waren. Auch diese armen Leute hatten sich durch Agenten zur Auswanderung nach Brasilien bestimmen lasten; sie gelangten bis nach Antwerpen, von wo aus die Unglücklichen, da sie weder Geld noch Fahrkarten zur Ueberfahrt besaßen, wieder umkehren mußten. Die Polizei schaffte die Leute in eine Herberge, woselbst sie ordentlich verpflegt wurden, um heute Morgen nach Düsseldorf weiterziehen zu können. Hannover. Im achten Rechenschaftsbericht über die UnlerstützungSkaste für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover vom 1. Januar bis 31. Dezember 1890 wird mit Freude konstatirt, daß die in der Generalversammlung vom 10. Jan. 1889 beschlossene Ernennung von Delegirten behufs Gewinnung jährlicher Zuschüsse auS den einzelnen Gemeinden sich bereits bewährt und die im vorigen Rechenschaftsberichte ausgesprochene Hoffnung, schon in diesem Jahre eine Erhöhung der Unterstützungen eintreten lasten zu können, sich erfüllt hat. In anerkennungswerther Weise haben sich eine große Anzahl von Herren in den verschiedenen Gemeinden der Provinz bereit erklärt, das Amt von Delegirten in ihren Gemeinden zu übernehmen, und ihren Bemühungen ist es zu verdanken, daß der Verein in der Lage war, die allmählich von 2/s auf Vs des versicherten Diensteinkommens zurückgegangene Unterstützungsportion für das laufende Jahr auf s/s zu erhöhen. Aus der Zahl der Pensionäre ist im Laufe dieses Jahres ein Mitglied der Kasse infolge Ablebens ausgeschieden: hingegen ist ein anderes Mitglied in dieselbe eingetreten, welches leider vor einigen Monaten wegen andauernder Krankheit sich gezwungen gesehen hat, seine Entlassung aus dem Schuldienste zu nehmen. Das Pensionsgesuch eines andern gleichfalls erkrankten Lehrers steht in allernächster Zeit bevor, und werden dadurch die Ausgaben der Kaffe, wenn die Unterstützungsportion auch nur auf derselben Höhe verbleiben sollte, um ca. 600 Mk. wachsen. Solche Erwägung machen es dem Verein zur gebieterischen Pflicht, an die Mitglieder der Kaste, wie an die Herren Delegirten und Gemeindevorsteher eindringlich die Bitte zu richten, bei allen sich darbietenden Gelegenheiten seine Bestrebungen recht nachbrücklichst zu fördern. Die Einnahmen betrugen 5459 Mk., die bis auf 1081 Mk. verausgabt wurden. abbatai Herrn. H i st o r i s ch e Erzählung Trust Sckivari. (Fortsetzung.) Der Abend nahte, es war Zeit, die letzte Mahlzeit vor dem beginnenden Fasten einzunehmen. Ttrza war bleich und schweigsam, dennoch zwang sie sich, Einiges zu genießen, um, der Vorschrift gemaß, am folgenden Tage sich jeglichen Genusses enthalten zu können. Die Eltern begegneten ihr mit jener zartsiunigen Freundlichkeit, die ihnen stets zu eigen; die Mutter jedoch gewahrte mit Besorgniß den übergroßen Zwang, den sich das junge Mädchen auferlcgte, während Rabbi Juda diese Selbstbeherrschung geradezu als Heilnlittel für ihr < erkranktes Herz betrachtete. „Fürchte nichts," tröstete er die geängstete Frau, „Tirza, trotz ihres zarten Aeußern, hat einen starken Geist und eine eiserne Willenskraft; beides wird ihr mit Gottes Hilfe hinweghelfen über diesen ersten Schmerz ihres jungen Lebens." „Gebe der Himmel, daß ihre Gesundheit nicht darunter leide", seufzte die Mutter. „Aber sage mir aufrichtig, Du siehst, trotz ihrer Selbstbeherrschung, wie sehr sie leidet. Ist das nothwendig? — ist sie in ihrer hehren Frömmigkeit nicht zu weit gegangen? — ist dieser Bruch unbedingt nothwendtg? —"