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Der Israelit · 1891-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1891)
Date
1891-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien. Die „Neuzeit" schreibt: Se. Mas. der Kaiser hat, wie bereits gemeldet, beim Empfange der Vertreter des israelitischen Cultusvorftandes in Prag, der Herren Dr. Arnold Rosenbacher und Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, wörtlich geäußert „Ich weiß, daß die Israeliteu sehrpatriotisch sind!" Diese Worte aus dem Munde unseres Monarchen sind wohl das glänzendste Zengniß für den Patriotismus, die Loyalität und dynastische Treue der Bekenner des Judenthums in Oesterreich. Die höchste Autorität, vor welcher alle Oesterreicher in Ehrfurcht sich beugen und gegen deren Ausspruch es keinen Appell gibt, hat öffentlich die patriotische Hingebung der österreichischen Juden anerkannt, nicht als etwas Neues, sondern als ein längst Gewußtes. „Ich weiß", begann Franz Joseph I. seine hochwichtige, das Herz eines jeden jüdischen Oefterreichers erfreuende Antwort. Der erhabene Monarch, welcher mehr denn 40 Jahre sein Reich regiert, hat es vielfach beobachtet, durch Worte und Thaten wahrgenommen, daß die Herzen der jüdischen Oesterreicher patriotisch für Kaiser und Reich schlagen und keinem Volksstamme in der loyalen und opferfreudigen Bethätigung patriotischer Gefühle uachstehen. Mögen nun die Herren Fürst Alois Liechtenstein und sein Freund Mechaniker Schneider, im Vereine mit ihren Gesinnungsgenossen, die Juden in Oesterreich „Fremde" nennen und für sich allein den Patriotismus in Anspruch nehmen — das ficht uns nicht au und soll uns nicht im Mindesten bekümmern: Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich, Franz Joseph I. hat am 26. September in Prag gesprochen und die Antisemiten in Wien, in der kaiserlichen Residenz, müssen verstummen. Die Worte des Kaisers sind unsere Burg, eine kaiserliche Burg, der wir vertrauen. Vor derselben halten Weisheit und Gerechtigkeit, Liebe und Güte, Wache. Das ist die jüdische Wacht an der Donan! j. England. London, 6. October. Am 14. October wird, der „A. E." zufolge, in London die erste Generalversammlung der jüdischen Kolonisirungs-Gesellschaft abgehalten werden. Zur Berathung werde ein mit Baron Hirsch zu treffendes Abkommen gelangen, worauf derselbe der Gesellschaft gewisse Gelder bedingungsweise zur Förderung ihrer Pläne übergeben werde. Zugleich soll nach der Wahl der Beamten der Kreis Wirksamkeit der neuen Gesellschaft festgestellt werden. Rußland. Odessa, 10. Oktober. Gelegentlich der Eröffnung einer landwirthschaftlichen Farm bei dem hebräischeil Waisenhanse forderte der Stadthauptmann die hebräische Intelligenz auf, auf ihre Glaubensgenossen einzuwirken, daß sie in Rußland bleiben und sich mit der Landwirthschaft beschäftigen, nicht aufs Ungewisse auswandern sollen. Unter andern traf auch eine Gratulationsdepesche vom Minister des Innern ein. Rumänien. Bukarest. Das hiesige „Tageblatt" bringt unterm 20. September folgenden Artikel: „Zu Gunsten der Juden". Unter dem Titel „Evreii la noi“ kommt uns folgendes Circular zu: „Angesichts der Agitationen, welche in der letzten Zeit gegen unsere Juden entstanden sind und in Anbetracht dessen, daß wir die Judenfrage anders verstehen, als sie in diesen Agitationen gestellt worden ist, d. h. daß es nach 25 Jahren konstitutionellen Lebens heute wenigstens unsere Pflicht wäre, das zu thun, was andere civilisirte Staaten schon viel früher gcthan haben, und deren Gährungen und vergeblichen und ungesunden Erschütterungen vorzubeugen, — daß wir die rumänischen Juden nach Ablauf eines noch festzustellenden Stadiums zu rumänischen Staatsbürgern machen; daß wir auf dem Kongresse von Berlin formell versprochen haben, diese Pflicht ebenso wie gegenüber den Armeniern und Zigeunern, die wir bereits zu Staatsbürgern gemacht haben, erfüllen werden; daß es keineswegs ein Zeichen derCivilisation ist, gegen ein absolut nothwendiges Element feindselig zu sein, das zum Theil das bei uns fehlende Bürgerthum ersetzt und durch die Konkurrenz für uns Arme die Preise in's Gleichgewicht bringt, und mit dem wir seit Jahrzehnten in Harmonie und täglichem Verkehre leben; daß dieses Element sich mit jedem fortschreitenden Tage mit uns assimilirt und gleichmäßig wie alle Bürger die Staatslasten tragt; daß dieses Element kein anderes Vaterland kennt, als jenes Land, in dem es geboren ist und sich täglich sein Vrod verdient und daß die den Juden feindseligen Agitationen im Namen des unwissenden Volkes oder jenes Theiles betrieben werden, der an dem Puppenspiel auf der Weltbühne nicht theilnimmt, haben wir Unterzeichneten beschlossen, aus allen Kräften und auf allen möglichen Wegen durch Bildung einer Gesellschaft, welche öffentliche Konferenzen abhalten, Broschüren schreiben und wenn möglich auch eine Zeitung herausgeben wird, uns zu bemühen, eine mächtige und der Ertheilung der Staatsbürgerschaft an die rumänischen Inden sympathische Strömung hervorzurufen. Gleichzeitig appelliren wir an die Studenten, die Presse und jeden ehrenhaften Mann jeder sozialen Schicht, sich uns anzuschließen und mitzuhelfen, eine Sache zu realisireu, welche den Ruhm einer ganzen Generation ausmachen kann." Ueber 100 Unterschriften von christlichen rumänischen Bürgern, darunter Namen von Klang, befinden sich unter diesem Circular. > vermischtes. Stuttgart. Di? isr. Oberkirchenbehörde hat in Hinsicht aus Trauergebet und Trauergottesdienst für des höchstseligen Königs Karl Majestät die Anordnung getroffen, daß am Samstag den 10. Oktober und den folgenden drei Sabbathen unmittelbar nach der Predigt ein dem Gedächtnisse des Verewigten wie der Fürbitte für seinen Nachfolger und das Kgl. Haus gewidmetes Gebet gesprochen werde, daß ferner am Sonntag den

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