Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1528 vollkommnen, wird den Geist des Meisters in die einzelnen Familien der ganzen Gemeinden und von da in alle deutschen Gaue tragen und auch dort zur Wiedererrichtung der Jeschiboth anregen. Wir aber, denen es vergönnt ist, die erste na’»’ in Deutschland zu erleben, mögen dankend zum D\3Dm m D’ny aufblicken, der uns für diese Zeit erhalten hat und uns mit unseren Bestrebungen an sie heranreichen läßt. — Die Eröffnung der Frankfurter Jeschiba bedeutet einen Wendepunkt in unserem jüdischen Leben und Streben dessen Bedeutsamkeit wir ahnen, dessen volle Tragweite aber nur Gott allein kennt. Mögen sich alle Hoffnungen in schönster Weise verwirklichen, welche die gesammte, gesetzestreue Judenheit an diesen bedeutsamen Schritt zu knüpfen berechtigt ist. Die Heimgegangenen Leuchten der Thora werden von ihrer ntyo bv na'»' Gottes Segen für diese nvv bv na'»’ erflehen. — Möge er in reichem Maße dem Meister und seinen Jüngern, den Begründern, Förderern und Erhaltern dieser Anstalt, möge er allen denen zu Theil werden, deren Leben in der Sehnsucht aufgeht, nivpn Tinn£ na»vV unserer Krone den alten, einstigen Glanz wieder zu gewinnen! Zeitungsnachrichten und Cvrrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Wie bekannt, benützte die antisemitische Presse den Umstand, daß die Berliner Firmen Mendelsohn und Warschauer eine Subscriptionsftelle für die russische Anleihe zu errichten beabsichtigten, dazu, das ganze Judenthum mit Gift und Galle zu bespritzen, obgleich die Chefs dieser Häuser geborene Christen sind. Der hier erscheinende „Finanzherold" bemerkt zu diesem Treiben: „Die österr. Waffenfabrik darf laut ausdrücklicher Erlaubniß ihrer Regierung den Russen Gewehre liefern, Krupp fabricirt für fast ganz Europa Kanonen und zu seinen Schießübungen wird ein internationales Ofsizierspublikmn eingeladen; die Rheinisch -Westphälischen Etablissements würden für jede strategische Bahn des Czarenreichs Schienen liefern und — klagen in ihren Jahresberichten nur beständig über die Abnahme des Eisenexports nach Osten; dies Alles ist ehrenwerth und unserem Volkswohlstand zuträglich. Wenn aber in Berlin, was höchst formell ist und einen Erfolg gar nicht verspricht, eine Zeichenstelle für die russische Anleihe errichtet werden soll, so ist dies reichsverrätherisch, denn es gibt einem Feinde Mittel gegen uns. Wer seinen gesunden Menschenverstand bewahrt hat, wird das Haarsträubende dieser Logik einsehen, indessen muß man beachten, daß diejenige Presse, welche eine russische Subscriptionsftelle in Berlin für eine Art Selbstverwundung erklärt, von unfern industriellen Geschäften mit Rußland überhaupt wenig spricht. Es liegt eben in ihrem Sentiment, auf der einen Seite ein Idol für ehrliche Arbeit und dem gegenüber eine Popanz des leichten und unpatriotischen Erwerbes feftzuhalten." Hannover. Unter der Ueberschrift „Mexiko für die Russischen Juden" enthält das offiziöse Organ „Rivista financiera Mexicana“ vom 11. September d. I., dessen Mittheilung wir der Güte des Mexikanischen Bice-Consuls zu Hannover, Herrn Carl Solling, verdanken, folgenden beachtenswerthen Artikel: In Betreff der Frage, wohin die Russischen Juden auswandern sollen, verlautete, daß von der sehr tüchtigen und unternehmenden Verwaltung der „Monterey und Mexicamscheu Golf Eisenbahn" Schritte gethan wären, um Baron Hirsch und dessen Freunde zu veranlassen, Niederlassungen Russischer Juden längs der genannten Eisenbahnstrecke zu bewirken. Der Berichterstatter der Zeitung „Thetivo Republik“, hat hierüber Herrn I. P. Flynn, einen der Direktoren der gedachten Eisenbahn, befragt und die Auskunft erhalten, daß in der That an Baron Hirsch hierüber geschrieben worden sei. Es steht nun außer jeglichem Zweifel, daß das Land an beiden Seiten der erwähnten Eisenbahn-Linie, von Monterey die ganze Strecke entlang bis zum Hafen von Tampico, sich ganz außerordentlich ftir den Ansiedelungszweck eignet. Der Boden ist sehr reich; Wasser ist in Hülle vorhanden, so daß künstliche Bewässerung nicht erforderlich ist. Waldung ist iu Ueüerfluß und das Klima entspricht allen Wünschen. Es herrscht in diesem Districte immerwährender Frühling. Die Bodenerzeugnisse sind mannigfacher Art und deren Anbau nutzbringend. Kaffee, Zucker, Reis, Orangen, Bananen und Obstsorten fast jeglicher Art sind leicht zu ziehen. Eine besondere, ganz ausgezeichnete Gattung Rindvieh ist hier vorhanden, eine Kreuzung der Mexicanischen und Asiatischen Rasse, welche „Schwarz und Braun" genannt wird, welche hier leicht gedeiht und zu mästen ist. Die Eisenbahn- und Schiffs-Verbindungen sind vorzüglich. Die „Monterey und Mexicanische Golf-Eisenbahn" verbindet den Diftrict mit dem Binnen-Jnternationalen- und Centralen Eisenbahn-Netz, und eröffnet dergestalt den Erzeugnissen dieses Districts alle Haupttheile der Mexicanischen Republik. Anderseits verbindet die Ai. und M.-G.-Eisenbahn den District mit Tampico, welches bald der bedeutendste Hafen der Republik sein wird. Außerdem kommt noch ein anderer wichtiger Punkt in Betracht: Der Preis des Bodens ist noch sehr billig, wird aber ohne Zweifel sehr bald erheblich im Werthe steigen. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß Baron Hirsch und dessen Freunde die ganze Welt durchforschen können, ohne einen andern Landesstrich zu finden, welcher sich so ausgezeichnet für die Ansiedelung der ausgewanderten Russischen Juden eignet. Auch außerhalb dieses Distrikts lassen sich noch sehr passende Ländereien in andern Theilen Mexicos ausfindig machen, längs der Golf-Küste, auf dem Isthmus von Tehuantopec und an der Mexico-Pacific-Eisenbahn in Chiapas und Tabasco. So bietet Mexico diesen Exilirten eine Heimath, wie eine solche schwerlich anderswo zu finden sein dürfte.